Meldung von Ausschreitungen in Notunterkunft sei ein „Missverständnis“

Von: Daniel Gerhards
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Verwirrung um einen Vorfall in der Heinsberger Notunterkunft: Flüchtlinge reisen auf eigene Faust wieder ab. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Am Wochenende hat es große Verwirrung um einen Zwischenfall in der Heinsberger Notunterkunft für Flüchtlinge gegeben. Medien berichteten von „Ausschreitungen“ in der Unterkunft und „unmenschlichen Zuständen“.

Die Stadt Heinsberg und die Bezirksregierung Arnsberg sprechen dagegen von einer „Fehlinformation“ an die Flüchtlinge.

Nach allem, was bisher bekannt ist, hat sich Folgendes abgespielt: Flüchtlinge, die bislang in einer Notunterkunft in Witten untergebracht waren, kamen am Freitag in Heinsberg an. Wie viele es waren, war am Montag nicht genau zu klären. Angekündigt waren im Vorfeld 150. Dass sie in die Notunterkunft an der Westpromenade ziehen sollten, schmeckte den Flüchtlingen überhaupt nicht.

Der WDR berichtete, dass es „Ausschreitungen“ gegeben habe, die einen „größeren Polizeieinsatz“ nach sich gezogen hätten. Das konnte Polizeisprecherin Angela Jansen am Montag auf Anfrage unserer Zeitung nicht bestätigen. Jansen sagte, dass es zwar einen Einsatz gegeben habe, allerdings mussten die Polizisten „keine Maßnahmen“ ergreifen, da die Lage ruhig gewesen sei.

Unzufrieden mit der Unterbringung in der Heinsberger Notunterkunft waren die Flüchtlinge aber offensichtlich schon. Das ging sogar so weit, dass sich einige von ihnen – von etwa 50 ist die Rede – auf eigene Faust auf den Weg zurück nach Witten machten. Allem Anschein nach zunächst zu Fuß.

„Unmenschliche“ Zustände

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtete in der Folge auf ihrer Internetseite Der Westen, dass sich 49 Flüchtlinge, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Witten gereist seien, in Heinsberg „unmenschlich“ behandelt gefühlt hätten. Dort wird ein Flüchtling zitiert, der sagt, dass in Heinsberg ein „rauer Ton“ geherrscht habe und dass es „nicht genug Platz“ für die Flüchtlinge gegeben habe. Darüber hinaus war in sozialen Netzwerken die Rede davon, dass die Flüchtlinge in Heinsberg im Freien ausharren mussten. Dazu war ein Foto gepostet worden, auf dem zwei Babys auf einer Decke auf dem Gehsteig lagen.

Unmenschliche Zustände in der Heinsberger Unterkunft? Das sieht Bürgermeister Wolfgang Dieder ganz anders. „Unsere Einrichtung läuft gut. Um die Menschen, die dort untergebracht sind, kümmern wir uns mit mehr als 100 Ehrenamtlern und mit den engagierten Helfern des DRK“, sagte Dieder auf Anfrage. Das Deutsche Rote Kreuz betreibt die Notunterkunft in Heinsberg.

Nach Auskunft von Dieder habe ein Missverständnis vorgelegen. Die Flüchtlinge, die aus Witten nach Heinsberg gebracht wurden, seien davon ausgegangen, dass sie in Heinsberg Wohnungen bekommen, in denen sie dauerhaft bleiben können. Stattdessen fanden sie sich in der Turnhalle wieder, die in Heinsberg als Notunterkunft dient. „Dass die Menschen enttäuscht waren, kann ich verstehen“, sagte Dieder. Den Vorwurf, dass die Unterbringung in der Heinsberger Unterkunft „unmenschlich“ sei, konnte Dieder nicht nachvollziehen.

Die Bezirksregierung Arnsberg räumte ein, dass es ein solches „Missverständnis“ gegeben habe. Nach Darstellung von Pressesprecher Christoph Söbbeler sind die Flüchtlinge aus einer Notaufnahmeunterkunft in Witten zur Registrierung nach Münster gebracht worden. Nach der Registrierung seien sie per Bus weiter in die Heinsberger Notunterkunft gebracht worden. Dass Flüchtlinge nach der Registrierung noch einmal in eine Notunterkunft kommen, bezeichnete Söbbeler als üblichen Vorgang.

Das hat man den betroffenen Flüchtlingen aber offensichtlich nicht gesagt. Denn die gingen davon aus, dass sie dauerhaft in Heinsberg bleiben sollten. „Da ist in der Kommunikation etwas nicht ganz rund gelaufen. Das bedauert jeder, der daran in irgendeiner Form beteiligt war“, sagte Söbbeler. Diesen Fehler führt er auf die große Zahl von ankommenden Asylbewerbern und Unterkünften zurück, für die seine Behörde derzeit zuständig ist. Kommentar

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