Waldfeucht-Braunsrath - Mehr Windkraft für Waldfeucht?

Mehr Windkraft für Waldfeucht?

Von: dawin
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Informierten die Bürger über den geplanten Windpark: (v.l.) Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen, Susanne Schmitz und Frank Breuer, beide vom EnergieKontor, Dezernent Herbert Thißen und Daniela Borg, Sachbearbeiterin Fachbereich Bauen. Foto: dawin
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Windräder: Saubere Energie, die trotzdem an vielen Orten für Diskussionen sorgt. So ist es auch in Waldfeucht. Foto: Stefan Klassen

Waldfeucht-Braunsrath. Die Gemeinde Waldfeucht macht nicht viel Wind, hat aber viel Wind. Die einen wissen letzteren Umstand sehr zu schätzen, die anderen sehen selbigen inzwischen eher als Nachteil. Die einen, das sind die, die Windparks betreiben; die anderen, das sind die besorgten Bürger, die sich gegen die wachsende Zahl an Rotoren wehren.

Bereits zwei Konzentrationsflächen besitzt die Kommune: die Windparks Waldfeucht und Obspringen. Eine dritte könnte hinzukommen. Einen Antrag hat die EnergieKontor AG, mit Hauptsitz in Bremen, bei der Gemeindeverwaltung im März eingereicht.

Demnach plant der Antragsteller, angrenzend an den bestehenden Windpark Breberen auf Gangelter Gebiet mit zehn 140 Meter hohen Windenergieanlagen vier Rotoren auf Waldfeuchter Boden zu errichten. Das Areal würde somit südlich der L 228 in Nachbarschaft zum Hühnermastbetrieb ausgewiesen werden. Bisher ist das Wunschdenken des Aachener Büros, allerdings mit recht konkreten Vorplanungen.

Nichts beschlossen

„Noch ist gar nichts beschlossen. Es liegt lediglich ein Antrag vor. Die Verwaltung will sich vor den Beratungen in den politischen Gremien ein Meinungsbild darüber verschaffen, wie die Resonanz in der Bevölkerung ist“, umriss Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen bei der gut besuchten Bürgerversammlung in der Festhalle Braunsrath (zwei Tage später nochmal im Bürgerhaus Bocket) den Stand der Dinge.

Das Projekt stand schon 2012 auf der Agenda, aufgrund des Widerstandes aus der Bevölkerung – 180 Unterschriften wurden gesammelt – verfolgte EnergieKontor das Projekt zunächst nicht weiter. Schließlich setzten auch Befürworter eines Windparks, darunter Grundeigentümer, mit einer Unterschriftensammlung ihrerseits ein Zeichen, das die Anlagenbauer aus Aachen zum neuen Vorstoß ermunterte. Projektkoordinatorin Susanne Schmitz erklärte, dass bereits Nutzungsverträge mit Landwirten geschlossen worden seien, „was nicht bedeutet, dass die Anliegen auch errichtet werden müssen“.

Zur Entwicklung des Windparks müsse nämlich durch die Gemeinde Planungsrecht geschaffen werden, also der Flächennutzungsplan per Ratsbeschluss entsprechend umformuliert werden. Daran anschließen würde sich das Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung, das vor allem mit Blick auf die Technische Anleitung (TA) Lärm strenge Kriterien beinhalte, so Schmitz. Die vier geplanten Anlagen würden maximal 180 Meter in den Himmel ragen. „Bei dieser Gesamthöhe, so haben wir errechnet, arbeiten die Windräder an dem Standort am wirtschaftlichsten.“

Der Abstand zur nächsten Wohnbebauung würde mehr als 750 Meter betragen. Bei den Immissionen würden die gesetzlich geforderten 40 Dezibel eingehalten, selbst bei Zugrundelegung des „worst case“ (ungünstige Windrichtung etc.), betonte Teamleiter Frank Breuer. „Alle Schallquellen, auch die der zehn Windräder im Breberener Windpark und die des Hühnermastbetriebes, werden mit eingerechnet“, erklärte Breuer. Viele Anwohner trugen in der Versammlung ihre Angst vor, dass die neuen Rotoren noch mehr Lärm verursachen, denn die Breberener Bestandsanlage würde bereits zum jetzigen Zeitpunkt für laute, nervende und unzumutbare Geräusche sorgen.

Einige Bürger treibt auch die Angst vor einer gesundheitsgefährdenden Wirkung des Infraschalls um. Hier bemühte Breuer neuere Studien: „Infraschall ist zwar bis zu 300 Metern noch messbar, aber nicht mehr wahrnehmbar, also auch nicht gesundheitsgefährdend.“ Da die Anlagen teilweise nur 40 Meter von der L 228 positioniert würden, kam auch die Kritik auf, dass Eiswurf den Straßenverkehr beeinträchtigen könnte. Breuer: „Die modernen Anlagen sind mit Sensoren ausgestattet, die eine Beschichtung mit Eis registrieren und zu einer Abschaltung führen.“

Ein Bürger hatte schließlich die „theoretische Physikstunde“ satt und brachte seine praktischen Erfahrungen auf den Punkt: „Fakt ist, dass wir teilweise nachts nicht schlafen können. Wir haben in der Gemeinde genug Windräder, die mehr als genug Haushalte mit Strom versorgen. Die Belastungen sind schon groß genug, vor allem für die Anwohner aus Selsten, Braunsrath, Bocket und Obspringen.“

Nach seiner Ansicht ist eine „Gleichsetzung der Lebensverhältnisse“ in der Gemeinde nicht gewährleistet und plädierte dafür, die Windräder andernorts aufzustellen. Die betroffenen Anwohner befürchten außerdem, dass ihre Immobilien „durch Schall, Schattenschlag und nächtliche Blinklichter“ an Wert verlieren. Breuer sah das anders und nahm Bezug auf jüngste Untersuchungen.

Gemeinde in der Zwickmühle

„Welchen Nutzen haben wir als Bürger überhaupt von den Windparks? Bei uns kommt nichts an. Steuern wurden auch nicht gesenkt“, kam die Frage aus dem Publikum. Schrammen erklärte, dass die Gemeinde Einnahmen in nicht unerheblicher Höhe aus den Windparks generiere. „Es ist nur ein kleiner Baustein, aber er trägt dazu bei, dass wir die Steuern nicht raufsetzen müssen.“

Dennoch sieht Schrammen auch die Probleme: „Wir müssen uns ernsthaft mit den Bedenken aus der Bevölkerung auseinandersetzen. Die Schallthematik, auch bei den bestehenden Windparks, müssen wir uns dabei vornehmen.“

Teilnehmer machten ihrem Ärger darüber Luft, dass sie sich von Windrädern „eingekreist“ fühlen: im Nordosten, im Westen und im Süden der Gemeinde. „Werden noch mehr Konzentrationsflächen ausgewiesen?“

Selbst dem Bürgermeister schien angesichts einer solchen Perspektive nicht ganz wohl zu sein: „Dazu kann ich keine klare Aussage machen. Bekanntlich propagieren Bund und Land die Windkraft. Und die Richtung geht dahin, dass wir gezwungen sind, knallhart unser Gemeindegebiet untersuchen zu lassen, wo noch was möglich ist. Die infrage stehende Fläche ist dabei ein bevorzugter Standort.“

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