Mehr Hilfe im Kampf gegen wilden Müll

Von: Alexander Barth
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Klare Ansage gegen wilden Müll: Die Stadt Hückelhoven zitiert auf ihren Hinweisschildern – wie hier in Brachelen – den Bürgermeister mit direkten Worten. Foto: A.Barth

Kreis Heinsberg. Ein heikles Szenario, passiert irgendwo am Rand der Gemeinde Waldfeucht: Neun Kanister mit unbekanntem Inhalt werden gefunden. Die Kriminalpolizei ermittelt. „Da hört der Spaß auf“, sagt Bernd Görtz, Leiter des Ordnungsamtes, „in so einem Fall muss man mit allem rechnen. Keiner weiß, ob da was Giftiges drin ist.“ Ein derber Fall von illegaler Entsorgung, aber kein seltener.

Überall im Kreis Heinsberg ist wilder Müll ein akutes wie dauerhaftes Problem. Meist lautet die Devise der Verantwortlichen in Städten und Gemeinden: Schnell weg mit dem Unrat – bevor Nachahmer kommen.

Bernd Görtz steht mit seinen Erfahrungen alles andere als allein. Kollegen berichten davon, dass immer wieder an den gleichen Stellen wilder Müll auftaucht. Das Umfeld von Glascontainern scheint die Leute ebenso magisch anzuziehen wie Grünanlagen, Waldstücke oder Feldwege, um Sperrgut, Grünabfälle oder Hausmüll zu entsorgen. Die Zuständigen stöhnen über Wiederholungstäter ebenso wie über den Nachmacher-Effekt.

„Wir sind darauf bedacht, den Müll umgehend zu beseitigen. Die Erfahrung zeigt, wenn etwas abgeladen wurde, kommt schnell weiterer Müll dazu“, erklärt Frank Bienwald. Der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Selfkant hat seinen persönlichen Härtefall gleich parat: „Eine ganze Lkw-Ladung Autoreifen, einfach so in die Landschaft gekippt. Da fasst man sich an den Kopf.“

Um der illegalen Entsorgung entgegen zu treten, setzen die Städte und Gemeinden auf einen Mix aus Prävention, Verfolgung und Bestrafung. In der Gemeinde Selfkant etwa patroulliert seit dem 1. August regelmäßig ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes in den Abend- und Nachtstunden. „Der Erfolg lässt sich natürlich noch nicht absehen. Nach einem halben Jahr werden wir eine erste Bilanz ziehen können“, sagt Frank Bienwald.

Einen ähnlichen Weg geht man in Hückelhoven. „Ein Mitarbeiter des Bauhofes ist täglich in Sachen wilder Müll unterwegs“, erklärt Stadtsprecher Holger Loogen. „Er geht Hinweisen und Beschwerden nach, die wir aus der Bevölkerung erhalten, und er schaut regelmäßig bei den üblichen Plätzen vorbei. In der Regel transportiert er seine Funde auch gleich ab.“

Hinweise aus der Bevölkerung – ein Mittel, auf das die Ordnungshüter nur zu gerne öfter zurückgreifen würden. „Wir wünschen uns mehr Hinweise aus der Bevölkerung. Es wäre toll, wenn die Leute ihre Augen offen halten“, sagt Bernd Görtz aus Waldfeucht. Auf frischer Tat ertappt – das kommt so gut wie nie vor, da sind sich die Verantwortlichen einig. Ermittlungen, die zum Täter führen, hingegen schon. „Der gefundene Müll wird standardmäßig kontrolliert“, sagt Astrid van der Kruijssen.

Bei ihr laufen die Fäden aus den Städten und Gemeinden zusammen, wenn es an die Verfolgung von illegalen Entsorgern geht. „Die Kommunen melden sich bei uns. Wir leiten Verfahren nach dem Bußgeldkatalog ein oder geben die schweren Fälle an die Polizei weiter.“ Auf diese Praxis setzen auch die Städte und Gemeinden. So werden hin und wieder Übeltäter erwischt, „die so dämlich waren, ihre Adressen irgendwo im Müll zu hinterlassen“, sagt Holger Loogen aus Hückelhoven.

Zum Ärger mit dem Beseitigen des Mülls und der Verfolgung von Umweltsündern kommt das Unverständnis für die Taten an sich. Schließlich gebe es „keinen vernünftigen Grund“, den Müll in die Landschaft zu entsorgen, glaubt Loogen und verweist auf die zahlreichen Angebote zur Abgabe von Sperrgut, Gartenabfällen oder Sondermüll. „Offenbar ist es zu viel verlangt, noch einmal vorbeizukommen, wenn die Halde mal geschlossen ist, anstatt den Müll dann vor den Toren liegen zu lassen.“

Ein weiterer Aspekt des Problems seien fliegende Schrotthändler aus den nahen Niederlanden, die ihre „Beute“ vor der Rückreise aus der Heinsberger Region zerlegen und wertlose Teile einfach zurücklassen, sagt Astrid van der Kruijssen. In vielen Fällen von illegaler Entsorgung entdeckt sie kriminelle Energie. „Das fängt mit dem ausgekippten Aschenbecher auf dem Parkplatz an, und endet wohl erst ein paar Stufen weiter oben auf der Heftigkeitsskala“ – mit einer Lkw-Ladung Autoreifen zum Beispiel.

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