Heinsberg - Mehr als hundert Flüchtlinge in Heinsberg erwartet

Mehr als hundert Flüchtlinge in Heinsberg erwartet

Von: Rainer Herwartz
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Die Turnhalle der Sonnenscheinschule wird für 150 Flüchtlinge kurzfristig eine neue Heimat. Foto: anna
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Insgesamt sechs Toiletten stehen im Gebäude zur Verfügung. Zu wenig, deshalb soll ein Toilettenwagen Abhilfe schaffen. Foto: anna

Heinsberg. Der Anruf erfolgte am Dienstag, um 15.30 Uhr. Die Bezirksregierung war am anderen Ende der Leitung. Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder wurde in knappen Sätzen mitgeteilt, dass eine Woche später 150 Flüchtlinge in der Kreisstadt unterzubringen seien.

„Bitte bis morgen mitteilen, dass Sie eine Einrichtung gefunden haben“, verfügte die Stimme aus Köln. „Im Gegensatz zum Land, das seit Monaten an dem Problem herumdoktert, hat man uns bis Freitag Zeit gegeben, Vollzug zu melden. Wir fühlen uns vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Dieder.

Lösen werden er und sein Mitarbeiterstab die Aufgabe dennoch. Wenn die Flüchtlinge, über deren Herkunft und Zusammensetzung noch nichts bekannt ist, am Dienstag nächster Woche zwischen 16 und 18 Uhr aus Unna und Dortmund eintreffen, wir die Turnhalle an der Sonnenscheinschule für sie als Unterkunft bereitstehen, soviel steht fest.

Aktuell liege eine „krisenhafte Zuspitzung der Anzahl neu ankommender Flüchtlinge im Land Nordrhein-Westfalen vor“, hatte die Bezirksregierung Dieder wissen lassen. Für die Aufnahmesituation in NRW bedeute dies, dass die Kapazitäten in den zentralen Unterbringungseinrichtungen und den Notunterbringungseinrichtungen vollständig ausgeschöpft seien. Und eine Entspannung sei zumindest für die nächsten Tage nicht in Sicht. Um die konkret drohende Obdachlosigkeit von Flüchtlingen zu verhindern, sei es notwendig, sofort neue Notunterkünfte zu schaffen.

Konzertierte Aktion

Die Herausforderung sei nur in einer konzertierten Aktion zu schaffen, betont Dieder. Nahezu alles, was im öffentlichen Leben der Stadt eine Funktion hat, ist daran beteiligt: Ordnungsamt, Sozialamt, Gebäudewirtschaft, Feuerwehr, Bauhof, Hausmeisterdienst, Schulamt, Kämmerei, Jugendamt, Hauptamt, EDV-Abteilung, Krankenhaus, Polizei, Security, DRK, Gesundheitsamt und Ausländeramt des Kreises.

„Die Turnhalle muss vom Schulbetrieb getrennt werden“, erläutert Dieder. „Wir müssen den Turnhallenboden mit einer Auflage abdecken, damit er nicht durch das Verschieben von Feldbetten beschädigt wird.“ 130 von diesen steuert übrigens das DRK bei. Stellwände innerhalb der Halle sollen den Menschen ein Mindestmaß an Privatsphäre ermöglichen.

Die Beleuchtung müsse angepasst und die Zugänge zum Gelände gesichert werden. Die sechs Toiletten im Gebäude reichten natürlich auch nicht aus. Ein Toilettenwagen soll hier Abhilfe schaffen. Zudem müssten auch Waschmaschinen und Kühlschränke aufgestellt werden, ebenso wie ein Abfallcontainer mit täglicher Leerung.

In der Einrichtung sei rund um die Uhr für eine Betreuung und Versorgung der Menschen zu sorgen. Auch eine Bewachung sei sicherzustellen. Die übernehme das Security-Unternehmen, das derzeit schon in der City und am Lago Laprello für die Stadt patrouilliere, sagt Dieder. Das Krankenhaus werde die Versorgung mit Essen übernehmen.

Die Essensausgabe organisieren das DRK und ehrenamtliche Helfer. In den Händen des Krankenhauses wird auch die Eingangsuntersuchung der Flüchtlinge inklusive vorgeschriebener Seuchenprophylaxe liegen. Alle werden auf eine ansteckende Tuberkulose-Erkrankung hin geröntgt. Dolmetscher für Englisch, Französisch und Arabisch stünden zur besseren Verständigung zur Verfügung, erläutert Wolfgang Paulus, der Ordnungs- und Sozialamt vertritt. Natürlich müsse auch eine Art Meldestelle eingerichtet werden für die Ausstellung vorläufiger Identitätspapiere.

Auch die Tafeln werden gefordert sein im Hinblick auf den Kleiderdienst. „Viele Flüchtlinge besitzen ja nur das, was sie auf dem Leibe tragen“, sagt Dieder.

„Es ist eine massive Herausforderung mit ungewohnten Prozessabläufen. Es gibt viel Learning by doing“, konstatiert Paulus. „Wir werden sicherlich im Laufe dieses Prozesses auch Dinge umstellen müssen“, glaubt Dieder. Die Auslagen für das Betreiben der Notunterkunft werden vom Land NRW getragen. „Ob dazu allerdings alle Kosten, zum Beispiel die Personal- und Sachaufwendungen, zugehören, wissen wir nicht“, sagt Kämmerer und Erster Beigeordneter Jakob Gerards.

Für die Stadt ist die neue Situation ebenso fremd wie für die Flüchtlinge, die ab Dienstag dann in Heinsberg von einem neuen, besseren Leben träumen.

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