Mehr als Essen und Kleidung: Verein Amos hilft jetzt auch Flüchtlingen

Von: Anna Petra Thomas
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Gerne arbeiten Josefa Gibisch (links) und Gerta Bongartz (rechts) im Amos-Laden mit dem Syrer Avin Bachar zusammen. Foto: Anna Petra Thomas
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Inge Bachmann, Leiterin des Amos-Shops in Oberbruch, freut sich über die Gutschein-Aktion und hofft auf viele Käufer.

Heinsberg-Oberbruch. Neben seinem Laden mit Lebensmitteln für Bedürftige und seinem Shop mit Bekleidung und anderen Gebrauchsgütern hat der Oberbrucher Verein Amos jetzt auch einen eigenen Arbeitskreis für die Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen.

„Flüchtlinge aus verschiedenen Unterkünften in Heinsberg sind zu uns zur Lebensmittel-Ausgabe gekommen“, erzählt Johannes Eschweiler, Vorsitzender des Vereins, der sich gegen Armut und Arbeitslosigkeit engagiert. „So sind erste Kontakte entstanden, und so ist uns die zusätzliche Bedürftigkeit dieser Menschen ohne Kenntnisse unserer Sprache und unserer Kultur deutlich geworden.“

Waren es zu Jahresbeginn noch zwischen 40 und 50 Menschen, die zu den Lebensmittelausgaben des Ladens kamen, der dreimal pro Woche geöffnet ist, sind es mittlerweile zwischen 70 und 80. Um diese schnelle Verdopplung der Kundschaft zu kompensieren, dürfen jetzt alle nur noch zweimal pro Woche zur Ausgabe kommen.

Halbes Dutzend Ehrenamtler

Dank des neuen Arbeitskreises Flüchtlingshilfe kümmert sich ein Team aus etwa einem halben Dutzend aktiver Ehrenamtler um die Flüchtlinge, die in Oberbruch, Bleckden, Himmerich und Horst leben. Der Arbeitskreis trifft sich einmal im Monat. Seine Mitglieder unterstützen die Flüchtlinge bei der Bewältigung ihres Alltags.

„Sie erläutern ihnen gesellschaftliche Abläufe, helfen ihnen bei Arzt- und Behördenbesuchen oder vermitteln sie an die Diakonie bei Rechtsfragen zum Asylantrag“, so Eschweiler zu den Aktivitäten. Ferner werde Unterstützung angeboten etwa bei der Beschaffung eines Fahrrads oder bei der Suche nach einer Wohnung und nach Arbeit.

Sprachkurse für sich entdeckt

Auch die beiden bereits bestehenden Sprachkurse, die Amos zwei Mal pro Woche zusammen mit dem katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung anbietet, hätten die Flüchtlinge für sich entdeckt, ebenso wie das neu gegründete „Café International“.

Hier treffen sich die Menschen aus den Flüchtlingsunterkünften einmal im Monat vormittags, „vor allem mit ihren Helferinnen und Helfern aus dem Arbeitskreis“, erklärt Eschweiler. Und mittlerweile gibt es da neben einem traditionellen deutschen Frühstück auch Spezialitäten aus den Herkunftsländern der Menschen, die das Café besuchen. „Die Menschen fühlen sich hier angenommen und beheimatet“, erklärt Flüchtlingsseelsorger Achim Kück, der sein Büro in Oberbruch hat. Da würden von ihnen nicht nur Speisen und Gebräuche eingebracht. „Da wird dann auch einfach mal das eigene Instrument ausgepackt und musiziert.“

Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe, der gerade dabei ist, weitere Sprachkurse einzurichten, kooperiert bei seiner Arbeit neben dem katholischen Forum auch mit dem Caritasverband und mit dem Flüchtlingsrat im Kreis Heinsberg. Darüber hinaus nimmt er an den Treffen der Arbeitskreise für Flüchtlingshilfe in Heinsberg und in Waldfeucht teil.

„Uns geht es vor allem darum, bei den Menschen hier und bei den Flüchtlingen Verständnis füreinander zu wecken“, betont der Amos-Vorsitzende. „Die Flüchtlinge haben ihr Kreuz zu tragen, die Langzeitarbeitslosen hier aber auch.“

Erste Früchte dieser integrativen Arbeit von Amos waren schon bei der diesjährigen Martinskleidersammlung sichtbar, deren Erlös zum Teil auch immer wieder Amos zukommt. Fünf Syrer und drei Iraker hätten sich dabei ebenfalls für Amos engagiert und kräftig mit angepackt. Bei einer anschließenden Begegnung in den Räumen von Amos hätte es dann sogar ein gemeinsames Essen gegeben, freut sich Geschäftsführerin Elfi Brockhoven.

„Einer kommt mittlerweile fast täglich“, ergänzt sie und meint damit den Syrer Avin Bachar, der in der Oberbrucher Deichstraße ein neues Zuhause gefunden hat. Er ist alleine geflohen. Seine Frau und seine drei Kinder sind noch in Syrien.

Deutsch spricht der 38-Jährige nicht, und doch versteht er sich blendend mit den anderen Helfern, die im Amos-Laden mit dem Sortieren und der Ausgabe von Lebensmitteln beschäftigt sind. Er fühlt sich wohl, unter Menschen zu sein und mit anpacken zu können. Sein Lächeln zeigt das auch ohne Worte.

Hilfe bei Weihnachtsfeiern

Neben der eigenen Weihnachtsfeier unterstützt Amos auch die Weihnachtsfeier, die von der Stadt Heinsberg in der Festhalle in Oberbruch für alle Heinsberger Flüchtlinge geplant ist. Die Bewirtung beider Veranstaltungen übernimmt nicht nur zum Selbstkostenpreis das Oberbrucher Restaurant Picasso. Es stellt auch zusätzlich das notwendige Service-Personal kostenfrei zur Verfügung. Um Geschenke für die Kinder kaufen zu können, die zur Weihnachtsfeier von Amos kommen, nimmt der Verein auch gerne Spenden an: IBAN DE75 3125 1220 1401 8937 61, BIC WELADED1ERK, Stichwort: Nikolaus.

Ab sofort Gutscheine

Flüchtlinge, die zur Lebensmittel-Ausgabe in den Amos-Laden kämen, würden gerne auch die Kleiderkammer im Amos-Shop besuchen, um dort nach brauchbaren Kleidungsstücken Ausschau zu halten, die ihnen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Meist fehlt ihnen jedoch das Geld, um sich auch ein paar schönere Dinge zu „leisten“, die der Shop zu kleinen Preisen zwischen 50 Cent und sechs Euro im Angebot hat.

Damit dies zum Weihnachtsfest möglich werden kann, bietet der Shop ab sofort Gutscheine an. Diese kann der Käufer selbst an einen bedürftigen Menschen oder an einen Flüchtling weitergeben oder auch im Shop lassen. Dann wir er zum Fest von Amos an einen Bedürftigen weitergegeben.

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