Medienprojekt: Schüler sollen kritischen Umgang lernen

Von: Norbert F. Schuldei
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Medien können für Jugendliche zu einem echten Problem werden. Manche Geräte haben einen Suchtfaktor. Den richtigen Umgang kann man lernen. Foto: imago/imagebroker
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Medien können für Jugendliche zu einem echten Problem werden. Manche Geräte haben einen Suchtfaktor. Den richtigen Umgang kann man lernen. Foto: imago/imagebroker

Heinsberger Land. Das Problem hat zwei Namen: Handy und Internet. In vielen Familien bergen sowohl Handy als auch das Internet Zündstoff, der jederzeit hochgehen kann. Zumindest Eltern, deren Sprösslinge dem Kindergartenalter entwachsen sind, können ein Lied davon singen.

Mit dem Wunsch nach einem Handy fängt das an, was sich in den folgenden Jahren nicht selten zu einem familiären Medien-Konflikt ausweitet. Vorbei die Zeiten, in denen es lediglich um die Frage ging, ob das Kind ein oder zwei Stunden pro Tag vor dem Fernseher verbringen darf – das Thema „Medien“ ist wie die Gesellschaft und das Leben insgesamt mehrschichtiger, komplexer, differenzierter, kurz: komplizierter geworden. Jeder weiß das, jeder erfährt das täglich, sei es am Arbeitsplatz, beim Gang zum Geldautomaten oder sonst irgendwo: Handy und Internet haben unser Leben massiv verändert. In vielen Fällen fühlen sich Eltern den Problemen, die die „neuen Medien“ ins Haus bringen, nicht gewachsen. „Und was dazu kommt“, sagt Ralf Schwarzenberg, „viele Kinder sind unvorsichtig im Umgang mit diesen Medien. Weil sie im Grunde genommen keine Ahnung davon haben.“

Schwarzenberg ist Leiter des Jugendamtes der Stadt Hückelhoven. Sein Amt hat zusammen mit dem Jugendamt des Kreises und dem der Stadt Erkelenz sowie dem Kommissariat Vorbeugung der Polizei das Projekt „Medienparcours“ entwickelt. Schüler sollen sich, so die Idee, spielerisch unter Anleitung Gleichaltriger kritisch mit Medien auseinandersetzen.

„In fünf Stationen“, sagt Peter Wiese, der im Hückelhovener Amt für den Jugendschutz zuständig ist, „versuchen wir auf teilweise spielerische Art, den Schüler Wissen rund um die Medien zu vermittel“. Das Projekt läuft seit Juli vergangenen Jahres am Kreisgymnasium in Heinsberg und auch an den Hauptschulen in Erkelenz und in Hückelhoven. „Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken“, sagt Ralf Schwarzenberg.

Und er geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: „Neben anderen Institutionen wie der Familie, dem sozialen Umfeld oder der Schule sind Medien heute zum wichtigsten Sozialisationsfaktor geworden.“ Mailen, Chatten, Simsen, Spielen – man kann das ja durchaus als Bereicherung des Alltages sehen. Aber man darf die Schattenseiten nicht aus dem Blick verlieren: Cyber-Mobbing, Gewaltvideos, Happy Slapping („fröhliches Schlagen“) oder Schulden durch Klingelton-Abos – um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. „Handy und Internet verändern unser Leben massiv“, sagt Jugendpfleger Peter Wiese.

Die Ziele des Projektes sind ebenso ehrgeizig in der Ausrichtung wie klar formuliert: Aufbau von Medienwissen; Aufklärung und Schutz vor Gefahren, die sich aus der gedankenlosen und leichtfertigen beziehungsweise nicht reflektierten Nutzung von Medien und Technik ergeben, unter anderem bewusste Wahrnehmung des starken Einflusses der Medien; Entwicklung eines Verfahrens zur Umsetzung an den Schulen und den Offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen; Entwicklung und Ausstattung eines Medienparcours und Zusammenstellung zusätzlichen Lehrermaterials, mindestens zweier Medienkoffer.

Die Jugendschützer setzen bei ihrer Arbeit auf Vorbeugung: Der Medienparcours soll mit Hilfe sozialpädagogischer Elemente mögliche Gefahren offenlegen, ihnen damit entgegenwirken und negative Auswirkungen des Medienkonsums abschwächen. Die fünf Module des Medienparcours – Soziale Netzwerke/Privatsphäre; Quiz rund um die Medien; Cyber-Bar; Handy sowie Medienkonsum – sind auch einzeln nutzbar; die Materialien können Schulen und die Jugendfreizeiteinrichtungen ausleihen. Die einzelnen Stationen schaffen eine Grundlage für Diskussionen, die dann weiter vertieft werden können.

Im Rahmen des Projektes werden Jugendliche und junge Erwachsene zu sogenannten „Medienscouts“ ausgebildet. Voraussetzung dafür ist unter anderem eine pädagogische Begleitung in der Schule oder der Jugendeinrichtung. „Die Medienscouts“, sagt Peter Wiese, „bilden neue Jugendliche in dem Thema aus. So entsteht ein Schneeballsystem“. Die erste Schulung hat in Zusammenarbeit mit der AOK Rheinland „Netzwerk starke Kids“ bereits stattgefunden, weitere werden folgen. Peter Wiese: „Man kann die Uhr nicht zurückdrehen, aber man kann die Jugendlichen für ihren Umgang mit den Medien sensibilisieren“.

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