Mediator Gerd Rademacher: Erst wollte er den Job nicht übernehmen

Von: defi
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Schiedsmann Gerd Rademacher (3.v.r.) erhielt im Heinsberger Rathaus im Beisein von Bürgermeister Wolfgang Dieder (M.) aus der Hand des BDS-Bezirksvorsitzenden Hermann-Josef Schmitz (2.v.r.) die Urkunde „Mediation“. Foto: defi

Heinsberg. „Schlichten statt Richten“ lautet das Leitmotiv des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). In zivilen und strafrechtlichen Angelegenheiten ist das Schiedsamt als vorgerichtliche Schlichtungsstelle für 50 Prozent der „Streithähne“ der letzte Ausweg aus oft jahrelangen Unstimmigkeiten.

Gerd Rademacher aus Heinsberg arbeitet seit 2010 als Schiedsmann. Nun erhielt der 71-Jährige vom Vorsitzenden des BDS-Bezirksverbands Aachen, Hermann-Josef Schmitz, eine Urkunde, die ihm die erfolgreiche Teilnahme an der Ausbildung „Mediation“ bescheinigt. Diese qualifizierte Ausbildung zum Mediator steht Schiedspersonen offen, die seit mindestens drei Jahren in einem Schiedsamt tätig gewesen sind und in den letzten drei Jahren mindestens zehn Fälle in einer Schlichtungsverhandlung durchgeführt haben.

Zur Urkundenübergabe hatte, auch um das Amt des Schiedsmannes zu würdigen, Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder in das Rathaus zu einer kleinen Feierstunde eingeladen. Gerd Rademacher hatte sich nach seiner beruflichen Tätigkeit aus Konditormeister und Betriebsberater auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Aufgabe an den ersten Bürger der Stadt Heinsberg gewandt. Die beiden Herrn kannten sich gut, und so fiel des Bürgermeisters Wahl schnell und treffend aus: „Du wirst Schiedsmann.“ Genauso eindeutig lautete Rademachers Antwort: „Das mach ich zum Teufel nicht.“

Rademacher hat seinen Sinneswandel nicht bereut: „Ich habe als Schiedsmann viele nette Leute kennengelernt, auch einige Halbkriminelle. Im Großen und Ganzen bin ich froh, dass ich es gemacht habe.“ Zehn bis zwölf Fälle hat Gerd Rademacher stets in Arbeit. „Mehr geht nicht, man will ja den Fall lösen“, sagt er und denkt auf die Frage „Welchen Fall werden Sie nie vergessen“ nur kurz nach. „Der Mann, der seine Frau mit einem Eimer Fäkalien übergossen hat.“ Klingt auf den ersten Blick nach einem schwierigen Schlichtungsverfahren, aber Rademacher konnte auch diesen scheinbar ausweglosen Fall lösen. Es sei aber ein langwieriges Verfahren geworden, räumt der Schiedsmann ein.

Wie viele seiner Fälle hatte auch dieser bemerkenswerte Fall eine lange Vorgeschichte. Seit 175 Jahren gibt es das Ehrenamt des Schiedsmannes, wie der Bezirksvorsitzende Hermann-Josef Schmitz erläuterte. Fingerspitzengefühl, um auch verhärtete Fronten aufzuweichen sei, ein wichtiges Rüstzeug für Schiedspersonen, so Schmitz. Die Ausbildung zum Mediator ergänzt dieses durch Lebenserfahrung erworbene Fingerspitzengefühl und lehrt Gesprächstechniken und Konfliktanalysen.

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