Max-Liebermann-Bild bei „Kunst oder Krempel“ entdeckt?

Von: Anna Petra Thomas
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Marita Linke (links) brachte Dr. Rita Müllejans-Dickmann ein Ölgemälde, signiert mit dem Namen „Max Liebermann“. Foto: Anna Petra Thomas
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Heinsberg. Etwas auffällig ist sie schon, die kleine Schlange vor der Kasse im Heinsberger Begas-Haus. Nicht nur, dass die Besucher zu ihrer Eintrittskarte einen kleinen farbigen Zettel mit einer Nummer darauf erhalten. Nein, viele scheinen nicht nur gekommen zu sein, um sich heute die Gemälde in diesem Museum anzuschauen. Sie haben gleich eins oder gar mehrere mitgebracht.

Zu dieser Besuchergruppe gehört auch Marita Linke aus Erkelenz. Sie hat die Nummer eins ergattert für Abteilung Gemälde/Zeichnungen der Aktion „Kunst oder Krempel? – Familienschätze unter der Lupe“, zu der das Begas-Haus wieder einmal eingeladen hat. Besitzer von „Familienschätzen“ in Form von Gemälden oder Zeichnungen sowie von Schmuck oder erstmals auch von Uhren können sich wieder einmal drei Stunden lang kostenfreien Rat von Experten holen.

Buntes Frotteetuch

Diese Experten sind dieses Mal die Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann, Expertin für Gemälde und Grafiken aus dem 19. Jahrhundert, der Gold- und Silberschmiedemeister Johannes Hieronimi aus Heinsberg sowie zum ersten Mal der Galerist und Uhrmacher Lutz Vorbach aus Gangelt.

Marita Linke zieht es an den Tisch von Dr. Rita Müllejans-Dickmann. Aus einer einfachen Plastik-Tragetasche kommt ein buntes Frottee-Badetuch zum Vorschein. Es verhüllt einen etwa DIN A3 großen, mit Öl bemalten Karton. Bei einer Hausräumung sei das Bild aufgetaucht, erzählt Marita Linke. Leider sei es auf der Vorderseite gar nicht signiert, aber hinten drauf stehe ein Name und eine Jahreszahl, erklärt sie, dreht das Bild herum und hält der Museumsleiterin die Rückseite entgegen. Und da steht er, der Name, nur mit Bleistift geschrieben: „Max Liebermann“!. Und daneben die Jahreszahl „1916“.

Max Liebermann sei ein bedeutender deutscher Impressionist gewesen, der von 1847 bis 1935 gelebt habe, erklärt Rita Müllejans-Dickmann. Sie ist ebenso fasziniert von der in Öl gemalten Landschaftsstudie wie Praktikantin Ruth Robertz. Die Museumsleiterin rät der Besitzern, sich unbedingt mit einem Liebermann-Experten in Verbindung zu setzen und kann ihr auch gleich eine Adresse geben. „Gerade auf diesem Sektor ist eine Flut von Fälschungen im Umlauf“, weiß sie. „Wenn es jedoch wirklich ein Liebermann wäre, hätte es einen beachtlichen Wert“, sagt sie, mehr jedoch nicht, denn bei der Aktion „Kunst oder Krempel?“ machen die Experten grundsätzlich keine genauen Wertangaben.

Als Marita Linke ihren „Familienschatz“ wieder einpackt, gibt die Museumsleiterin ihr noch einen guten Rat mit auf den Weg. Nicht in ein Frotteetuch, sondern in Luftpolster-Folie gehüllt solle sie das Gemälde künftig transportieren, da der Frotteestoff die Bildoberfläche beschädigen könne. „Und durch eine professionelle Reinigung würde es sicherlich auch gewinnen“, ergänzt sie.

Insgesamt 90 Besucher zählt die Beratungsaktion an diesem Nachmittag. Alleine im Bereich „Gemälde/Zeichnungen“ sind es 36, die zumeist mit gleich zwei Werken ins Begas-Haus gekommen sind. „Nicht in jedem Fall konnte es gelingen, den Maler zu erkunden“, so das Fazit von Rita Mül- lejans-Dickmann. „Dafür konnten aber Angaben zu Malweise und Zustand gemacht werden oder auch Empfehlungen für eine Restaurierung gegeben werden.“

Neben dem Liebermann-Gemälde erregte auch eine mögliche Originalzeichnung des französischen Malers und Bildhauers Edgar Degas (1834-1917) Aufmerksamkeit. „Auch diese müsste durch eine Expertenprüfung bestätigt werden“, so die Museumsleiterin. Keine Zweifel bestanden für sie hingegen bei zwei Gemälden von Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Von dem Genremaler Carl Emil Mücke (1847-1923) stammte eine beschaulich-innige Szene eines Mädchens im Spiel mit einer Katze. Das zweite Gemälde schuf der Genre- und Interieurmaler Claus Meyer (1856-1919).

Der Bogen spannte sich weiter von einer originalen Pastellkreide-Zeichnung der Kindermalerin Maria Innocentia Hummel über ein Fragment eines barocken Altarbildes bis hin zu einer Karikatur von Heinrich Zille. Enttäuschung gab es bei den stolzen Besitzern hingegen, wenn sich ein vermeintliches Gemälde nur als Öldruck entpuppte.

Wie Rita Müllejans-Dickmann hatte auch Johannes Hieronimi den ganzen Nachmittag über reichlich zu tun, ebenso Lutz Vorbach, der den Museumsbesuchern erstmals seine Expertise anbot. Er hatte vor allem geerbte Taschenuhren zu begutachten. Besonders interessant fand er eine goldene Taschenuhr, die durch einen Aufsatz zur Armbanduhr umfunktioniert worden war. Offenbar sei dies häufig bei Uhren von Kriegsteilnehmern gemacht worden, da diese im Einsatz nicht die Taschenuhr hervorholen konnten, so die Erklärung. Im Innendeckel der Uhr befand sich eine Gravur, der zu entnehmen war, dass sie dem damaligen Besitzer von seinem Arbeitgeber zu seiner 25-jährigen Betriebszugehörigkeit zu den Vereinigten Glanzstoff-Fabriken (VGF) in Oberbruch geschenkt worden war.

Eine neue Aktion „Kunst oder Krempel?“ ist für den Herbst dieses Jahres geplant.

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