Matratzenfabrik Houben will verschlafene Investitionen nachholen

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
14166604.jpg
Die Produktion läuft: Die Hilfarther Matratzenfabrik Houben hat mit einer Sanierung in Eigenverwaltung nach dem Insolvenzrecht begonnen. Neue Aufträge sollen das Unternehmen auf Kurs bringen. Foto: D. Gerhards
14166298.jpg
Die Geschäftsführung der Matratzenfabrik Houben: Johan H. Slijkhuis, Manon Spin und Sanierer Norbert Schröer (v.l.). Foto: D. Gerhards

Hückelhoven-Hilfarth. Die Hilfarther Matratzenfabrik Houben will sich in Eigenverantwortung sanieren. Der Umsatz soll steigen, die Arbeitsplätze sind sicher, das Unternehmen sei gesund, man arbeite an einer guten Zukunft, mit höheren Umsätzen und sicheren Arbeitsplätzen.

Das sagt Norbert Schröer, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Buchalik Brömmekamp. Es geht um die Matratzenfabrik Houben, in deren Geschäftsführung Schröer nun eingestiegen ist. Das Unternehmen beginnt mit einer Sanierung in Eigenverwaltung nach dem Insolvenzrecht. Einem entsprechenden Antrag hat das Amtsgericht Mönchengladbach stattgegeben.

Dass der Matratzenhersteller in diese Situation gekommen ist, habe unterschiedliche Gründe, sagt Schröer. Einerseits reagiere man auf Umsatzschwankungen, die daraus resultieren, dass die Abnehmer der Fabrik wegen des Internethandels mit starkem Preisdruck zu kämpfen hätten, den sie an den Hersteller weitergeben. Andererseits habe die ehemalige Geschäftsführung des Hilfarther Traditionsunternehmens nötige Investitionen verschlafen, die nun nachgeholt werden müssten.

Und in diesem Punkt hilft das Insolvenzrecht. Gläubigerschutz und die Tatsache, dass die Agentur für Arbeit die Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeiter für drei Monate übernimmt, verschaffen dem Unternehmen Ruhe. Nun könne man daran arbeiten, diese Investitionen „in sechsstelligem Umfang“ nachzuholen, ohne „Flickschusterei“ zu betreiben. Wichtig ist, dass bei diesem relativ neuen Verfahren der eigenverantwortlichen Sanierung die Geschäftsführung im Amt bleibt. Ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter begleitet das Verfahren lediglich beobachtend und erstattet dem Amtsgericht Bericht.

Für die Geschäftsführung in Hilfarth gehe es nun darum, die Fehler auszubügeln, die der vorherige Besitzer begangen habe. Nach einer Insolvenz im Jahr 2008 hatte ein belgischer Investor die Firma übernommen. Dieser verkaufte sie im vergangenen Jahr an den aktuellen Besitzer, die SPM Group UG aus Borken, die den Sanierungsbedarf offensichtlich erkannte. „Eine Insolvenz ist auch immer eine Chance, etwas zu verbessern. Diese Chance ist bei der alten Insolvenz nicht ergriffen worden“, sagt Schröer.

Bei den anstehenden Investitionen geht es darum, Maschinen zu modernisieren und die Abläufe zu verbessern, um die Effizienz des Unternehmens zu erhöhen. Neben der Produktion soll auch in die Entwicklung investiert werden. Im Grundsatz bleibt das Unternehmen bei seinem Kerngeschäft: Die Matratzenfabrik produziert derzeit jährlich rund 100.000 Boxspringbetten und 150.000 Federkern- und Schaumstoffmatratzen mit einem Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro. Wichtig für den Erfolg der Sanierung sei dabei die Qualität der Produkte – und die stimme. „Wir haben keine Reklamationen. Unsere Mitarbeiter machen sehr gute Arbeit“, sagt Schröer. Und er betont auch, dass die Arbeitsplätze der 90 Mitarbeiter gesichert seien. „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Wir brauchen jede helfende Hand.“

Durch eine bereits gestartete Vertriebsoffensive, die auch verstärkt Kunden im Ausland in den Blick nimmt, konnte das Unternehmen schon neue, große Aufträge gewinnen. „Wir können alle Aufträge in der gewohnten Qualität umsetzen. Das Unternehmen ist weiterhin vollständig handlungsfähig. Die Mitarbeiter sind hochmotiviert und die aktuelle Auftragslage stützt unseren Optimismus, die angestrebten Ziele, mit deren Umsetzung wir bereits begonnen haben, schnell zu erreichen“, sagt Geschäftsführerin Manon Spin. Das könnte ein Schritt sein, um das Ziel, den Jahresumsatz zu steigern, zu erreichen.

Schröer spricht davon, dass die Firma im Sanierungsprozess, der sechs bis acht Monate dauern soll, die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung stellen will: „Das Unternehmen erwirtschaftete in den vergangenen Jahren keine operativen Verluste. Der nun anstehende Investitionsbedarf kann durch die vorhandenen liquiden Mittel, die durch Altlasten stark belastet sind, nicht gedeckt werden. Durch die Eigenverwaltung kann sich das Unternehmen von diesen Altlasten lösen.“

Produktion auf 40.000 Quadratmetern

Die Matratzenfabrik Houben produziert und vertreibt Boxspringbetten, Tonnentaschenfederkern-, Bonnellfederkern- und Schaummatratzen. In Hückelhoven-Hilfarth werden auf 40.000 Quadratmetern jährlich rund 100.000 Boxspringbetten und 150.000 Federkern- und Schaummatratzen hergestellt. Im vergangenen Jahr hat die SPM Group das Unternehmen übernommen.

Als Beratungsgesellschaft für Restrukturierung und Sanierung ist Buchalik Brömmekamp darauf spezialisiert, mittelständische Unternehmen „auf Erfolgskurs zu bringen“. Die Düsseldorfer Gesellschaft hat bisher 100 Unternehmen nach dem neuen Gesetz zur vorläufigen Eigenverwaltung beraten, das seit dem Jahr 2012 existiert. Das Verfahren soll bei der Matratzenfabrik Houben sechs bis acht Monate dauern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert