Heinsberg - Martin Luther überzeugend gespielt: Aufführung der Landesbühne

Martin Luther überzeugend gespielt: Aufführung der Landesbühne

Von: jwb
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Richter (Felix Höfner), Hans von Berlepsch (Konstantin Hertel), Frau von Helfenstein (Julian Ledwoch), Luther (Jürgen Clemens) und sein Ankläger (Josef Hofmann) schildern die Gewalt der Aufständischen und klagen Luther als Initiator dafür an. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Eine Geschichtsstunde besonderer Art erlebte das Publikum mit der Theateraufführung „Der Fall Luther“ des Ensembles der Landesbühne Rheinland-Pfalz in der Heinsberger Begegnungsstätte. Im Schauspiel des Pädagogen und Autors Karlheinz Komm steht Martin Luther vor einem fiktiven Gericht.

In der Verhandlung soll geklärt werden, ob Luther eine Mitschuld und Verantwortung für den Bauernaufstand im Jahr 1524 hat.

In schneller Szenenfolge präsentiert das Ensemble mit Jürgen Clemens (als Dr. Martin Luther), Felix Höfner (als Richter), Josef Hofmann (in wechselnden Rollen als Ankläger, Vater, Bauer u.a.), Karl-Heinz Dickmann (als Tetzel, Cajetan und Bauernführer), Konstantin Hertel (als Student, Melchior u.a.), Dominique Güttes (als Grete und Wirtin) und Juliane Ledwoch (als Katharina von Bora, Frau von Helfenstein u.a.) die Rückblicke auf die wichtigsten Lebensstationen Luthers.

Vom Disput mit den Eltern, die von Luther die Altersversorgung für sich erwarten, über die Zweifel Luthers an seinem Klosterleben bis zu den heuchlerischen Erlebnissen der Institution Kirche mit dem Ablassmissbrauch zum Erlassen der Sünden, den Verfolgungen durch die Amtskirche bis zu seinen Abhandlungen zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit und den Hassschriften gegen die Juden wird in dichter Folge ein Psychogramm des Dr. Martin Luther geschrieben.

In eindringlich gespielten Szenen gelingt es dem Ensemble, mit überzeugendem Spiel die Persönlichkeit Luthers darzustellen, der mit seinen 95 Thesen, seinen Schriften und der Bibelübersetzung in die deutsche Sprache einen Umwälzungsprozess in Gang setzte und Aufklärung im besten Sinne betrieb. Wuchtig auch die Sprache des Schauspiels, wenn Luther im Disput mit dem Vertreter der Amtskirche „die Kirche als dogmatische Rumpelkammer“ bezeichnet.

Entlarvend die Argumentation des Apostolischen Vertreters für das Ablasswesen und päpstlichen Legaten, wenn er sagt: „Selbst wenn die Mutter Gottes missbraucht würde, kann dies dem Sünder vergeben werden, wenn er dafür bezahlt. Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt.“

Selbstredend auch, dass die Szene nicht fehlt, in der die „Domini canes“ (Hunde des Herrn), die Dominikaner, Luther zum Widerruf seiner Kritik und Thesen vor dem Reichstag zu Worms zwingen wollen: „Ich kann nicht anders, hier stehe ich, Gott helfe mir“ endet Luthers Verteidigung.

Auch wenn Luther im Anschluss von den Mächtigen mit der Reichsacht belegt wird, er verteidigt in seinen späteren Schriften die Obrigkeit gegen die Forderungen der Bauern, die Leibeigenschaft abzuschaffen. Im Schauspiel wird Luther zumindest als ambivalent in Sachen gesellschaftlicher Veränderung dargestellt. „Ich will nicht politisch denken, ich will nur das Evangelium und seine Wahrheit predigen“, argumentiert er für seine Reformation.

Die aber soll nur auf theologischer Basis erfolgen. So bleibt die Kritik der Bauern und Freidenker, die den gesellschaftlichen Umschwung durch den Freiheitskampf wollen, an Luther nicht aus: „Wir wollten sein Herz gewinnen und gewannen bei ihm nur einen Gulden.“

Luthers Aufklärung aber bleibt auf die Religion begrenzt. Den dialektischen Sprung zur Befreiung der unterdrückten Schichten durch eine Revolution macht er nicht mit, obwohl er mit seinen Schriften dazu Anlass gibt.

Den Widerspruch kann er nicht entkräften. Dieser bringt ihm zum Ende seines Lebens auch Selbstzweifel ein. Dass er in den Augen der ihm Vertrauenden zum Verräter wird, wird ebenso szenisch wie augenzwinkernd dargestellt. In seinen Augen erreichen seine Predigten gegen den Aufstand und Gewalt die Menschen nicht mehr – und so schallt ihm das gar nicht so historisch korrekte, aber aktuelle „Lügenpresse“ entgegen. Das Recht auf sozialen Aufstieg und die Selbstbefreiung der Unterdrückten gehören nicht zum Weltbild Luthers.

Diesen Widerspruch und diese Seite Luthers im Schauspiel darzustellen, ist dem Autor und dem Ensemble bestens gelungen.

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