Mäusebussarde in Laffeld Opfer eines Giftkillers?

Von: Rainer Herwartz
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Der Mäusebussard: Sieben seiner Artgenossen wurden rund um das letzte Wochenende nach ersten Vermutungen offenbar Opfer von Giftanschlägen. Foto: stock/imagebroker

Heinsberg. Den Spaziergängern und Wanderern dürfte der traurige Anblick trotz strahlendem Sonnenschein die gute Laune gründlich vermiest haben. In der Feldflur rund um den Heinsberger Ortsteil Laffeld sind Montag und am Wochenende mehrere tote und verendende Mäusebussarde sowie ein toter Steinmarder entdeckt worden. Das Komitee gegen den Vogelmord und der Nabu gehen davon aus, dass die Tiere gezielt getötet wurden.

„Die Fundumstände sowie die ungewöhnlich hohe Zahl toter Tiere deuten auf eine Vergiftung hin“, so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Er spricht von sieben Vögeln, Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken bestätigt später fünf gegenüber unserer Zeitung. Drei seien bereits am Freitag entdeckt worden, zwei weitere am Montag. Ein Mäusebussard sei am Freitag noch zum Tierarzt gebracht worden, so Frenken, doch dieser habe das Tier nicht mehr retten können.

Die toten Vögel und ein mutmaßlicher Giftköder sollen zwecks Ermittlung der genauen Todesursache an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Krefeld geschickt werden. Bis das genaue Ergebnis der Sektion sowie die Laborbefunde vorliegen, bitten die Vogelschützer Spaziergänger und Hundebesitzer rund um Laffeld, auf mögliche Giftköder zu achten und ihre Tiere an die Leine zu nehmen.

„Die bei solchen Aktionen verwendeten Gifte sind auch für Menschen hochgefährlich. Allein das Anfassen eines vergifteten Köders kann ernste Folgen haben“, warnt Hirschfeld. Wer tote Tiere oder mögliche Köder entdeckt, wird gebeten, sich direkt mit der Polizei oder dem Komitee gegen den Vogelmord in Bonn (Telefon 0228-665521) in Verbindung zu setzen.

Nach Angaben der Vogelschützer ist Laffeld bereits in der Vergangenheit als „Tatort eines gezielten Giftanschlages auf Wildtiere“ in Erscheinung getreten. Im Juli 2011 entdeckten demnach Komiteemitarbeiter nach einem Hinweis am Ortsrand eine mit Gift präparierte Dose mit Sardinen, die vor dem Eingang eines Fuchsbaus ausgelegt worden war. Eine Untersuchung habe ergeben, dass in den Sardinen hohe Dosen des Insektizids Aldicarb sowie von Strychnin enthalten waren. Bei dem von der Polizei eingeleiteten Strafverfahren konnte allerdings kein Täter ermittelt werden.

Aufgrund der unmittelbaren Nähe der Fundorte vom Wochenende zu Fasanenfütterungen vermutet das Komitee, dass möglicherweise jagdliche Interessen hinter der Tat stecken könnten. „Greifvögel werden von einigen Jägern immer noch als lästige Konkurrenten bei der Jagd auf Hasen und Fasane betrachtet“, behauptet das Komitee in einer Mitteilung.

Dr. Heiner Breickmann, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, weist dies auf Nachfrage unserer Zeitung gerade im Hinblick auf die Mäusebussarde zurück. „Die Tötung der Tiere macht aus jagdlicher Sicht keinen Sinn“, erklärt er. Natürlich würden die Vögel auch schon mal ein junges Kaninchen schlagen, doch letztlich sei „ihr Name auch Programm“. Aas- und Rabenkrähen, wie sie zu Hunderten auf den Feldern zu sehen seien, kämen da als Konkurrenten weit eher in Betracht.

Breickmann wundert sich zudem, dass die „ominösen Funde“ in jedem Jahr nahezu um die selbe Zeit und immer gleich in großer Zahl gemacht würden. „Es gibt da rechtliche Wege, die einzuhalten sind. Die Tiere müssen untersucht werden. Ich wage zu bezweifeln, dass alle Tiere aus diesem Gebiet stammen.“

Gleichwohl räumt Breickmann ein: „Es ist natürlich grundsätzlich verboten, Greifvögeln nachzustellen, sie zu vergiften und zu töten. Jäger, die das dennoch tun, stehen außerhalb der gesetzlichen Vorschriften. Bisher ist mir aber kein Fall zu Ohren gekommen, bei dem es im Kreisgebiet zu einer einschlägigen Verurteilung gekommen wäre. Wenn wir jemanden hätten, dem eindeutig nahgewiesen wird, dass er dies getan hat, wird er aus der Kreisjägerschaft geworfen.“

Wie der Verband gegen den Vogelmord mitteilt, wurden in NRW seit 2005 bisher etwa drei Dutzend Personen wegen illegaler Greifvogelverfolgung rechtskräftig verurteilt. Etwa die Hälfte davon habe einen Jagdschein besessen, die anderen 50 Prozent stammten laut Komitee aus dem Bereich der Tauben- oder Geflügelzüchter.

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