Heinsberg - Lutherjahr:„Thesentür“ für Kritik und klare Worte

Lutherjahr:„Thesentür“ für Kritik und klare Worte

Von: Dettmar Fischer
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Propst Markus Bruns (l.) und Pfarrer Sebastian Walde (r.) starteten die Aktion „Das ist der Hammer“ mit einem symbolischen Hammerschlag auf die „Thesentür“ an der Christuskirche. Foto: Dettmar Fischer

Heinsberg. Der große Reformator Martin Luther hat es vorgemacht. Vor 500 Jahren soll er seine Wut auf Papst und Kirche in 95 Thesen gefasst an die Wittenberger Kirchentür gehämmert haben. Wer ihm nacheifern will, greift zu Bleistift und Papier und pinnt seine Kritik, seinen Unmut oder auch seine Wut an die Tür der Christuskirche in Heinsberg.

All das, was an Kirche und Gesellschaft subjektiv nicht in Ordnung ist, kann auf Zetteln auf der „Thesentür“ landen und wird gesichtet und kommentiert werden, versprechen Pfarrer Sebastian Walde und Propst Markus Bruns.

Ausgedacht haben sich die Aktion „Das ist der Hammer“ die Evangelische und Katholische Kirchengemeinde Heinsberg gemeinsam. Ein großes Plakat am Eingang zur evangelischen Kirche an der Erzbischof-Philipp-Straße dient als Kommunikationsdrehscheibe. „Wir sind abenteuerlustig“, scherzt Pfarrer Walde, und sein katholischer Kollege Propst Bruns fügt hinzu: „Uns kommt es auf den Dialog an.“

Ausdrücklich wünschen sich beide auch den Dialog mit den Menschen, deren Kritikpotenzial ihnen den Titel „Wutbürger“ eingetragen hat. Propst Bruns räumt ein, dass Berechtigung hinter dieser vor allem in den sozialen Netzwerken vorgetragenen Kritik stecken mag. Er hofft mit Hilfe der „Thesentür“ auf einen Dialog, der beide Seiten befruchtet.

„Die klaren Worte Luthers waren damals schon ein Hammer“, so Walde. Ähnlich „klare Worte“ wie diejenigen, mit denen Luther sich einst gegenüber dem Papst etwa zum Ablasshandel äußerte, erhoffen sich die Initiatoren der Heinsberger „Thesentür“ auch heute. Am Ende des Lutherjahres 2017 werden sich Pfarrer Walde und Propst Bruns in einer öffentlichen Veranstaltung mit der vorgetragenen Kritik an Kirche und Gesellschaft auseinandersetzen.

Pfarrer Sebastian Walde: „Wut war sicherlich eine Emotion, die Luther nicht fern war, es darf nur keine blinde Wut sein. Wir wollen hören, was den Menschen auf den Nägeln brennt.“ So wie Luther seine Wut in Thesen fasste und eine Erneuerung nicht nur innerhalb der Kirche vorantrieb, so soll die „Thesentür“ verstanden werden als ein Motor kirchlicher und gesellschaftlicher Entwicklung.

Propst Markus Bruns: „Ich würde mir wünschen, dass auch wir in der Katholischen Kirche das Reformationsjubiläum stärker wahrnehmen.“ Und auf die Frage, wie Luther wohl mit dem heutigen Papst Franziskus klargekommen wäre, sagt er lächelnd: „Ich glaube, die beiden hätten sich verstanden.“

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