Luther-Festival: Der Geist der Ökumene auf dem Burgberg

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
14804182.jpg
Der Auftakt am Donnerstagabend: Mit dem Rockoratorium „Credo“, getextet vom ehemaligen Heinsberger Propst Wilhelm Willms, wurde das viertägige Luther-Festival auf dem Heinsberger Burgberg eröffnet. Fotos (2): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
14804170.jpg
Komponist Hans-Jörg Böckeler gratuliert seiner Tochter und Dirigentin Christiane zur gelungenen Aufführung. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Bis kurz vor dem Start sah es nicht gut aus für das viertägige Luther-Festival unter freiem Himmel auf dem Heinsberger Burgberg. Es schüttete wie aus Eimern, aber nur kurz und heftig. Pünktlich zu Beginn des ersten Konzerts tat sich quasi der Himmel wieder auf.

Mehr und mehr setzte sich sogar strahlender Sonnenschein durch, und die rund 150 Besucher, die trotz der Wetterkapriolen gekommen waren, bereuten ihre Entscheidung nicht. Sie genossen, zum Teil selbst als Sänger gefordert, das Rockoratorium „Credo“, aufgeführt von fast 100 Musikern, mit Texten des ehemaligen Heinsberger Propstes Wilhelm Willms.

Mehr als 20 Kapitel

Als große Freude für sich bezeichnete es der evangelische Pfarrer Sebastian Walde, das Festival eröffnen zu dürfen. Er hoffe, dass sich die Stadt, die Evangelische und die Katholische Kirche, die Jugendmusikschule und alle Bürger tragen lassen vom Geist der Ökumene, der vom Burgberg ausgehe, „dass er viele ergreift und hierher führt“, sagte er.

Die Aufführung des von Willms getexteten Rockoratoriums sei kein Zufall, der am Anfang des Festivals stehe. Dieses „Credo“ nehme etwas auf, das zu den Wurzeln der christlichen Religionen gehöre. „Und wenn man einen Sprung machen will, macht es Sinn, zunächst ein paar Schritte zurückzugehen“, formulierte er in Bezug auf die Ökumene, die in Heinsberg schon jetzt intensiv gepflegt wird und sich immer weiter nach vorne entwickelt. Das „Credo“ von Willms gebe den alten lateinischen Worten „Klang, Brisanz und Brillanz“ in einer kongenialen Vertonung von Hans-Jörg Böckeler, schloss Walde.

Hans-Jörg Böckeler war Kantor an der Dionysius-Kirche in Krefeld zu der Zeit, als Willms dort Kaplan war. Die beiden gelten noch heute als ein Duo, das aus der modernen Kirchenmusik nicht wegzudenken ist. Was den Text betrifft, hat Willms in mehr als 20 Kapiteln zu jeder lateinischen Formulierung dieses christlichen Glaubensbekenntnisses seine Gedanken auf Deutsch niedergeschrieben und sie dann in seiner bekanntermaßen bildreichen Sprache und interessanten Wortwahl weiterentwickelt.

Wenn es da zum Beispiel heißt, dass Jesus Christus Mensch geworden ist, schreibt Willms: „Er kommt durch die Wand bei verschlossenen Türen.“ Und weiter, zur Kreuzigung: „Ein Mensch geht mit dem Kopf durch die Wand der Welt.“ Der ganze Text ist eine persönliche Auslegung, bei der Willms auch durchaus kritisch mit der Kirche umgeht, wenn er da etwa schreibt: „Deine modischen Gewänder zerfallen wie Herbstlaub.“

Der Text wurde 1972 als „Kevelaerer Kredo“ veröffentlicht, 1976 von Werner Haentjes und 1991 von Hans-Jörg Böckeler vertont. Böckelers Oratorium wurde 1992, vor genau 25 Jahren, in der Marienbasilika in Kevelaer uraufgeführt. Dem Komponisten ist es gelungen, die sprachliche Vielseitigkeit des Textes auch in der Musik umzusetzen, die einen breiten Bogen spannt von Sequenzen, die aus der klassischen Oper zu entstammen scheinen, die an ein Musical erinnern und dank der vielfältigen Besetzung mit klassischen und modernen Instrumenten, von Geige und Harfe bis hin zu E-Gitarre, einem Rocksong ähneln.

Das Publikum war begeistert, und Böckeler selbst auch. Ganz besonders dankte er seiner Tochter Christiane für das Dirigat und seiner Frau Heike, eine der beiden Gesangssolistinnen. Weiter beteiligt waren der Jugendchor „Credo 2017“, der Dionysius-Chor und die Kantorei der Friedenskirche aus Krefeld, Mitglieder des Karmelchores aus Duisburg, das Streichquartett Ad Libitum und weitere Instrumentalisten.

Pop-Duo aus Polen

Mit dem Pop-Duo BoW aus Polen, dessen Songs eigens für den Auftritt in Heinsberg für eine große Band arrangiert wurden, ging es am gestrigen Freitagabend weiter. Darüber hinaus präsentierten sich die besten jungen Stimmen aus der Region unter dem Titel Fräuleinwunder-Plus, begleitet von einer Band professioneller Musiker aus der Jugendmusikschule Heinsberg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert