„Lucy & Strolch“: Intensivwohngruppe für Kinder

Von: Monika Baltes
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Wie aus einem Haus ein neues Zuhause wird: Die neue Intensivwohngruppe an der Erkelenzer Straße. Foto: Monika Baltes
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Marcel und Christina Meurer werden in der neuen Intensivwohngruppe bis zu sieben Kinder betreuen. Foto: Monika Baltes

Wassenberg. Wie soll man da widerstehen? Voller Freude, lebhaft und verspielt, begrüßt Lucy den Besucher schon an der Tür. Der Yorkshire Terrier ist nicht nur ein kleiner Herzensdieb, sondern auch Namensgeber und Therapiehund.

Alle seine Ämter trägt er mit unglaublicher Lässigkeit – und im Moment geht es für ihn nur darum, ein paar zusätzliche Streicheleinheiten abzubekommen.

21 Jahre Berufserfahrung

„Lucy & Strolch“, das ist zum einen der Name der Intensivwohngruppe (in Anlehnung an den eigenen Hund und einen Disney-Film) in Wassenberg. Das ist aber auch die Bezeichnung für einen Traum. Einen Traum, den Marcel und Christina Meurer träumten und der nun Wirklichkeit geworden ist.

21 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Kinderheimen bringen die beiden mit, Christina Meurer hat zudem eine Ausbildung als Psychotherapeutin nach dem Heilpraktikergesetz gemacht. Die Idee, eine eigene Intensivgruppe in privater Trägerschaft aufzubauen, hat allerdings ein paar Jahre reifen müssen, ehe sie umgesetzt werden konnte.

„Es gibt zahlreiche Voraussetzungen für ein solches Projekt“, sagt Marcel Meurer und erzählt von den teils großen Herausforderungen und Risiken, den Problemen und Unwägbarkeiten des Vorhabens.

Aber es gab auch andere Erfahrungen. Die überwältigende Hilfe aus dem Freundeskreis, die unermüdliche Unterstützung der Familie, die freundliche Aufnahme in der Nachbarschaft, die kompetente Begleitung von Finanzexperten und Steuerberatern.

Erschütternde Schicksale

„Das Arbeitshaus“, so nennen die eigenen Kinder das Haus an der Erkelenzer Straße 48. Und haben damit in vielerlei Hinsicht Recht. Gearbeitet wurde dort im vergangenen halben Jahr in der Tat unablässig, Handwerker gaben sich die Klinke in die Hand, Familie und Freunde waren im Einsatz. Künftig wird das Haus der Arbeitsplatz der Eheleute Meurer sein. Bis zu sieben Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren – Mädchen und Jungen – können darin aufgenommen werden, „um Alltagsgestaltung lernen und leben zu können“.

Es wird eine Menge Arbeit auf sie zukommen. Ziel ist, ein überschaubares soziales Umfeld zu bieten mit wenigen, aber sehr intensiven und belastbaren Beziehungen. „Das bedingt einen klar strukturierten Tagesablauf – und es wird aufregend und anstrengend“, sagt Christina Meurer.

Erschütternd sind die menschlichen Schicksale, die sie in ihrer bisherigen Tätigkeit kennengelernt hat: Kinder, die Liebe und Wärme nicht kennen, Kinder, die nie gelobt wurden, Kinder, die um Aufmerksamkeit kämpfen. In enger Zusammenarbeit mit den Jugendämtern werden die Kinder zu „Lucy & Strolch“ kommen.

Störungen in der sozialen oder emotionalen Entwicklung, Vernachlässigung, Aggressionen und Traumatisierung können Gründe für die Unterbringung sein. „Wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen, denn Kinder lieben Eltern, egal was war“, erläutert Christina Meurer.

Mit liebevollen Ritualen werden die Kinder empfangen, dazu gehört auch das Aufhängen eines Fotos und die Möglichkeit, eine Wand im eigenen Zimmer selber gestalten zu können. Die Zimmer sind hell und geräumig, alle Voraussetzungen, die technisch nötig sind, wurden geschaffen.

Eine herrliche Außenanlage bietet reichlich Platz zum Spielen und Toben. Und obwohl die Kinder noch gar nicht da sind, ist sie schon zu spüren, die offene, herzliche Atmosphäre, die aus einem Haus ein Zuhause macht.

„Wir sind beide Menschen, die über persönliche Bindung arbeiten“, erklärt Christina Meurer und strahlt: „Wir sind angekommen.“ Begeistert zeigt sie das selbstgemalte Bild, das ein Nachbar zur Eröffnung schenkte, berichtet von freundlichen Mitmenschen, die „einfach geklingelt“ und zwei gut erhaltene Kinderfahrräder abgegeben haben. Ihre Augen leuchten. „Wir können jedem Kind ein eigenes Stofftier geben – auch die haben wir geschenkt bekommen – einfach so“, sagt sie.

Wichtig ist den Meurers, dass die Kinder von „Lucy & Strolch“ sich in nichts unterscheiden von Kindern, die in einer eigenen Familie leben. „Das betrifft Kleidung genauso wie Spielzeug.“ Viele Kinder werden meist nur mit wenigen eigenen Kleidungsstücken ins Haus kommen.

Einzug in wenigen Tagen

Lucy schläft inzwischen friedlich auf Herrchens Schoß. In wenigen Tagen werden die ersten Kinder erwartet. Und eines ist sicher: Ein paar zusätzliche Streicheleinheiten werden in diesem Haus immer vorhanden sein – nicht nur für Lucy.

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