Los entscheidet über Platz in der Schule

Von: Mirja Ibsen
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Alles einsteigen! Auf zur Schule! Aber in welche? Nicht alle Heinsberger Kinder können dort zur Schule gehen, wo sie sich angemeldet haben, denn im kommenden Schuljahr gibt es eine Klasse weniger im Stadtgebiet. Foto: imago/McPHOTO/Luhr
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Wie entscheiden wir richtig? Thomas Heinrichs und Martina Zerr brüten über amtlichen Vorgaben. Die Wahl fällt ihnen nicht leicht. Foto: mib

Heinsberg. Die Sonnenscheinschule hat im kommenden Schuljahr einen Strahl weniger. Statt vier Klassen mit I-Dötzchen, wird es dort nur drei geben. Dass nur noch 14 statt wie bisher 15 erste Klassen in den acht Grundschulen im Stadtgebiet eingerichtet werden, ist eine Vorgabe der Landesregierung. Weniger Schüler, weniger Klassen, so lautet die einfache Rechnung.

Hinter dieser Gleichung stecken in diesem Fall ziemlich kleine Menschen, mit ziemlich kurzen Beinen. Und diese Beine sollen auf möglichst kurzem Wege zu einer Schule finden, so das Ziel der Politik, die jetzt einer Schule eine Klasse wegkürzen musste.

Thomas Heinrichs, Schulleiter der Sonnenscheinschule, wiegte sich in Sicherheit. Seine Schule bietet nicht nur gemeinsamen Unterricht für Kinder mit besonderem Förderbedarf an und ist die Schule für die Stadt Heinsberg, die sich mit dem Netzwerk „Begaben wagen“ um besonders begabte Schüler kümmert, sie hat auch die Zeit, das Personal und die Ausbildung, um Kinder mit Migrationshintergrund sprachlich zu fördern. Außerdem wurden die Schulleiter im Vorfeld nach ihrem Votum befragt. „Wir haben nicht viel verlangt. Nur das: Lasst die Finger von den Schulen mit gemeinsamen Unterricht“, sagt Heinrichs. Doch es kam anders.

Nicht der Schulverbund Karken/Kempen startet mit einer Klasse weniger, wie es sich die SPD-Fraktion vorgestellt hatte, sondern die Heinsberger Cityschule. Die Nachricht von der Kürzung war für ihn wie ein Paukenschlag, sagt Heinrichs. Einer von der Sorte, der direkt in den Magen geht und den Kopf dröhnen lässt. Der Schreck ist verdaut. Die Fakten bleiben. Mindestens 18 Kinder können nicht auf die Sonnenscheinschule gehen. Laut Ausbildungsordnung der Grundschulen entscheidet der Schulleiter, welche das sind.

Wie wählen sie aus? Kollektiver Seufzer. Thomas Heinrichs und seiner Stellvertreterin Martina Zerr geht das Thema nahe. Sie kennen jedes Kind, das im Sommer seine Schultüte zum Hoftor der Sonnenscheinschule hineintragen will. Wie alle Schulleiter haben sie die Vorschulzwerge bei der Anmeldung und bei Besuchen im Kindergarten bereits kennengelernt. Kinder ablehnen mussten sie zwar auch im vergangenen Jahr, nur nicht so viele. „Wir lassen uns von zwei Juristen beraten, weil wir davon ausgehen, dass die Entscheidung einer gerichtlichen Überprüfung standhalten muss“, sagt Heinrichs.

Zuerst werden die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf angenommen, dann die Geschwisterkinder. Laut Schulvorschrift sollen außerdem der Schulweg, der Besuch eines Kindergartens in der Nähe der Schule, ein ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen und eine gute Mischung von Schülern unterschiedlicher Muttersprachen die Entscheidung beeinflussen. Die Schulkonferenz darf sie beraten, aber am Ende werden Heinrichs und Zerr allein entscheiden – damit es gerecht zugeht, wohl per Los. Dann kann es passieren, dass ein Kind, das an der Westpromenade wohnt, an der auch die Schule liegt, auf die Grundschule in Schafhausen, Dremmen oder Kempen gehen muss.

Wer ein Ablehnungsschreiben erhält, dessen nächster Ansprechpartner ist das Schulamt. „Mit den Eltern werden wir eine möglichst einvernehmliche Lösung finden“, verspricht Friedbert Görtz. Der Schulamtsleiter weiß, welche Nachbarschule noch Kapazitäten hat. In Straeten zum Beispiel gibt es bereits 28 Anmeldungen (29 ist die Höchstzahl der Schüler). „Aber es wird kein Kind auf der Strecke bleiben“, sagt Görtz. Apropos Strecke. Wie kommen die Kinder sicher in die Schule, wenn der Weg zu Fuß zu weit ist? Das klärt der Schulträger, also die Stadt Heinsberg, im Einzelfall mit den Eltern, sagt Görtz. Entweder übernehme die Stadt die Fahrtkosten der Eltern oder das Kind erhalte ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr. Gehe das nicht, übernehme ein Taxi oder Kleinbus die Fahrt.

„Wir wollen niemand verrückt machen“, sagt Schulleiter Heinrichs. „80 Prozent der angemeldeten Kinder können wir ja annehmen.“ Alle anderen will er so schnell wie möglich informieren. Allerdings weiß er erst Ende März , Anfang April wie viele Kinder mit Förderbedarf ihm zugeteilt werden. Die Ablehnungsbescheide werden also vermutlich nach den Osterferien in den Briefkästen landen.

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