Lövenicher Ritter: Viele Rätsel, neue Infos

Von: Helmut Wichlatz
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Arnold von Harff auf der Spur: (v.l.) Theo Görtz und Günther Merkens (Heimatverein), Prof. Dr. Helmut Brall-Tuchel (Universität Düsseldorf) und Pastor Werner Rombach. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Lövenich. In der Krypta der Lövenicher Kirche St. Pauli Bekehrung kann man sie noch heute sehen: die Grabplatte des Ritters Arnold von Harff. Über die Erkelenzer Lande hinaus wurde er als Pilger und Reiseautor, der die Erlebnisse seiner mehrjährigen Pilgerfahrt aufzeichnete, bekannt.

1505 starb er 35-jährig. Geblieben sind die Grabplatte, seine Schriften und die Legende, dass der Ortsname von einem Löwen herstamme, den der Ritter von seiner Reise mitgebracht haben soll.

Der „Marco Polo vom Niederrhein“ war 2008 schon Thema der ersten großen Ausstellung, mit der der Heimatverein alle bisherigen Besucherrekorde bei Ausstellungen im Haus Spiess knackte. Nun hat der Heimatverein eine Informationstafel neben der Grabplatte anbringen lassen, die Auskunft gibt über das Leben und Wirken des Ritters, der es allem Anschein nach bei seinen Reisebeschreibungen mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hatte.

Experte von der Uni Düsseldorf

Dafür musste die Grabplatte zuerst einmal untersucht und gedeutet werden. Da der Heimatverein aber über beste Beziehungen zu den entsprechenden Fachleuten besitzt, war mit Professor Dr. Helmut Brall-Tuchel von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität ein anerkannter Fachmann gefunden, der sich auch noch mit Freude an die Arbeit machte. Denn der Lövenicher Ritter und seine Schriften sind eines der Fachgebiete des Germanisten, der auch schon an der großen Ausstellung und einigen anderen Projekten des Heimatvereins mitgewirkt hat.

Bei der offiziellen Übergabe der Tafel an den Hausherrn Pastor Werner Rombach erläuterte der Vorsitzende des Heimatvereins, Günther Merkens, dass das Grab des Ritters bei einem Umbau der Kirche im frühen 20. Jahrhundert wahrscheinlich zerstört und die Grabplatte in die Krypta gebracht worden sei, wo sie noch heute steht. Wo genau sich das Grab befunden hat, sei nicht mehr nachzuvollziehen. Dass es sich in der Kirche befunden hat, sei höchstwahrscheinlich, betonte Brall-Tuchel. Denn Adelige wurden im Mittelalter ihrem Stand entsprechend gerne in der Kirche oder aber in direkter Nähe beigesetzt. So sei es wahrscheinlich, dass die Grabplatte mit der Reliefabbildung des Ritters nicht von anderswo dorthin geschafft worden sei.

Erfundenes Pilgerziel

Obwohl die Grabplatte allgemein bekannt ist, gaben ihre Verzierungen schon immer Rätsel auf. Brall-Tuchel betonte, dass das Tier zu Füßen des Ritters wahrscheinlich kein Löwe sei. Entlang der Ränder der Platte sind 32 Wappen angebracht, die zu den verwandten Familien oder Nachbarn des Ritters gehören. „Ein wenig wollte man sich auch noch nach seinem Tod in seinem Ruhm sonnen“, erklärte der Wissenschaftler. Unklar war auch die Bedeutung der beiden Darstellungen links und rechts vom Kopf des Ritters.

Brall-Tuchel betonte, dass dort die Pilgerziele Harffs im Uhrzeigersinn dargestellt seien – sowohl die realen als auch das erfundene. Denn im indischen Mailapur, das durch das Winkelmaß des Apostels Thomas dargestellt ist, war der Lövenicher Ritter sicher nicht. Die Reise des Ritters fand etwa zum Höhepunkt des Pilgerwesens statt, betonte Brall-Tuchel. Zwölf Jahre nach seinem Tod begann mit Luthers Reformation auch eine allmähliche Abkehr von der Pilgerfahrt.

Die Informationstafel ist in der Krypta neben der Grabplatte von Harffs angebracht.

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