Löschsystem Cobra: Mit Wasserstrahl durch die Wand

Von: Daniel Gerhards
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Beeindruckende Demonstration: Die Heinsberger Feuerwehr hat gestern auf dem Gelände des Bauhofes demonstriert, wie sie dank des Cobra-Schneidlöschsystems Löcher durch Materialien aller Art fräsen kann. Foto: Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. Ein Brand in einem Keller. Es bildet sich extreme Hitze. Im Raum ist nichts zu sehen. Für die Einsatzkräfte ist das extrem gefährlich. Mit der herkömmlichen Feuerwehrtechnik müssen sie in den Raum hinein, um den Brandherd zu finden und ihn zu löschen. Wie es sicherer geht, hat die Feuerwehr Heinsberg am Freitag demonstriert.

Sie verfügt nun für vier Monate über ein Vorauslöschfahrzeug, das mit dem Kaltschneid-löschsystem Cobra ausgestattet ist. Mit dieser Technik greifen die Wehrleute zunächst von außen an. Das sei sicher für die Einsatzkräfte und richte keine großen Schäden am Gebäude an, sagt Ralf Wählen, Leiter der Heinsberger Feuerwehr.

Und das geht so: Die vierköpfige Cobra-Besatzung kann den Brandherd im Inneren eines Gebäudes zunächst mit einer Wärmebildkamera lokalisieren. Dann setzen die Männer das Löschgerät auf der Wand an. Auf Knopfdruck wird mit feinen Metallkörnern versetztes Wasser in einem dünnen Strahl mit 300 Bar Druck auf die Wand gespritzt. Dabei entsteht ein vier Millimeter breites Loch, durch das dann weiteres Wasser in den Raum gespritzt wird.

Metall, Beton und Ziegelsteine, Hauswände, Autokarosserie und Flachdächer – „wir kommen eigentlich überall durch“, sagt Jörg Zeitzen, Einheitsführer der Löscheinheit Dremmen. Ist das Material dicker und härter, dauere es eben länger.

Wegen der extrem großen „Verneblung“ wirke das Wasser optimal im Sinne der Feuerwehr, sagt Wählen. Der Raum kühlt schnell herunter. Natürlich hänge es von der Größe des Raumes ab, wie schnell er sich abkühle, sagt Zeitzen. Bei einer Übung sei es zum Beispiel schon gelungen, einen Raum in wenigen Sekunden von 600 auf 300 Grad Celsius herunterzukühlen. Dabei benötige die Technik nur 60 Liter Wasser pro Minute, weshalb große Wasserschäden verhindert werden könnten, sagt Wählen.

Ursprünglich komme die Technik aus Skandinavien. In Schweden müssten die Einsatzkräfte oft sehr große Distanzen zurücklegen, bis sie bei einem Feuer ankommen, sagt Wählen. Das bedeute auch, dass das Feuer dann meist schon weit fortgeschritten sei. Einsturzgefahr und extrem hohe Temperaturen sind Folgen. Dann ist der Löschangriff von außen sinnvoll.

Ralf Wählen und Jörg Zeitzen können sich aber auch in Heinsberg Brände vorstellen, bei denen die Cobra-Technik die Wehrleute weiterbringen kann. Zum Beispiel bei dem Hallenbrand in Unterbruch vor einigen Wochen, bei dem Kellerbrand in Randerath vor einigen Jahren oder als in Lieck der Inhalt eines Autos der Müllabfuhr brannte. Die Halle drohte einzustürzen, in dem Keller herrschten extreme Hitze und schlechte Sicht und der Müll musste komplett aus dem Wagen heraus, um an den Brandherd heranzukommen. Cobra hätte in all diesen Fällen geholfen.

Bis Mitte oder Ende Februar ist das Fahrzeug mit der innovativen Feuerwehrtechnik nun in Heinsberg stationiert und soll zu jedem Brandeinsatz mit ausrücken. „Ob es dann eingesetzt wird, muss der Einsatzleiter von Fall zu Fall entscheiden“, sagt Wählen. Die Technik wird bei fünf Feuerwehren in NRW getestet, eine wissenschaftliche Begleitung soll Aufschluss darüber geben, inwieweit die Technik den Feuerwehrleuten hilft.

Hintergrund der Testphase in Heinsberg ist das Projekt Feuerwehrehrensache des Landesinnenministeriums und des Feuerwehrverbandes NRW. „Die Förderung des Ehrenamtes bei diesem Pilotprojekt besteht in der Verknüpfung einer zeitgemäßen Einsatztaktik mit der dafür notwendigen Feuerwehrtechnik“, heißt es in der Projektbeschreibung.

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