Lkw quetschen sich durch ein Nadelöhr

Von: Rainer Herwartz
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Fred Röttges (links) und Heinz Florack, hoffen, dass der meiste Lkw-Verkehr bald nur noch die im Plan zu sehende Umgehungsstraße nutzen darf. Foto: Herwartz

Heinsberg-Kirchhoven. Die Forderungen liegen auf dem Tisch, und 262 Bürger haben sie durch ihre Unterschrift untermauert: „Die Anwohner der Waldfeuchter Straße sind es langsam leid“, sagt Heinz Florack von der Bürgerinitiative, die sich in Kirchhoven gebildet hat.

Jahrelang hätten sie auf die Umgehungsstraße Lieck-Kirchhoven-Haaren gewartet, nun sei sie da und jetzt erwarteten die Anwohner der Waldfeuchter Straße von der Stadtverwaltung, dass sie dafür Sorge trägt, dass diese auch wirklich zu einer Verkehrsentlastung der Waldfeuchter Straße führe. Der jetzige Zustand sei unzumutbar und brandgefährlich. Doch alles, was nach intensiven Eingaben bei der Stadt erfolgt sei, reiche nicht aus, um hier Abhilfe zu schaffen.

Neues Bewusstsein nötig

„Es fehlt eine deutliche Beschilderung an der Umgehungsstraße, die auf das Industriegebiet Haaren hinweist“, erklären Heinz Florack und Fred Röttges, einer seiner Mitstreiter, unisono. „Die Stadt Heinsberg oder die Gemeinde Waldfeucht hätten die Firma Rosen-Eis und sonstige Firmen mit einem Flyer auf die Umgehungsstraße hinweisen und dem ankommenden Lkw-Verkehr diesen aushändigen können“, glauben sie. „Viele Menschen sind es gewohnt, die alten Wege zu fahren. Es muss ihnen bewusst gemacht werden, dass eine gleichmäßige Fahrweise auch bei 200 bis 500 Meter Umweg preiswerter im Spritverbrauch ist und die Nerven der Anwohner schont.“ Röttges und Florack formulieren im Wesentlichen drei Forderungen, die an die Stadt herangetragen wurden: 1. die beidseitige Sperrung der Waldfeuchter Straße für den Lkw-Verkehr mit Ausnahme des Anliegerverkehrs oder der Durchfahrt für Linienbusse, 2. eine dauerhafte Tempo-30-Zone von der Schule bis zum Engpass an Haus Nr. 159 und 3. die Verbreiterung der Bürgersteige sowie die Schaffung von Bürgersteigabsenkungen.

Bereits zweimal fand ein Besprechungstermin statt. Zuletzt im Februar mit Vertretern der Stadt unter Leitung von Bürgermeister Wolfgang Dieder sowie einem Vertreter der Kreispolizeibehörde. Zufrieden mit dem Ergebnis ist die Bürgerinitiative allerdings nicht. „Es wurden zwei durchgeführte Verkehrsmessungen erläutert“, sagt Florack, „eine Messung im September 2013 neben der Radaranlage in Lieck und eine weitere Messung im November 2013 in Höhe der Straße An der Kornmühle. Nach Aussage der Verwaltung ergab sich eine Reduzierung der Verkehrsbelastung in dieser Zeit um 25 Prozent.“

Das Argument der Bürgerinitiative, die Eisproduktion in Haaren tendiere im November ja auch gegen Null, was eine Rückläufigkeit des Güterverkehrs erkläre, habe die Verwaltung nicht gelten lassen. „Die stattgefundenen Messungen würden einem Durchfahrverbot für Lkw über die Waldfeuchter Straße gerichtlich nicht standhalten, falls ein betroffener Unternehmer dagegen klagt“, sei von seiten der Stadt gesagt worden. Röttges hatte in einer selbst durchgeführten Zählung ermittelt, dass sich in Richtung Haaren und zurück innerhalb von drei Stunden 28 große Lastwagen bewegt hätten, Busse und Müllwagen nicht eingerechnet. „Diese von der Bürgerinitiative vorgetragene massive Verkehrsbelastung wurde von der Stadt ignoriert, weil man das Durchfahrverbot für Lkw einfach nicht will“, ist Röttges sicher.

In diesem Zusammenhang weist er auch auf die „dahinschwindende Lebensqualität der sterbenden Dorfkerne“ hin. Dazu gehörten nicht nur ein geringerer Durchfahrverkehr, reduzierter Lärm und weniger Staubbelastung, sondern auch breitere Bürgersteige einschließlich der Absenkung der Bürgersteige an Straßenabzweigungen. „Es kann nicht sein, dass sich Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Rollstühlen und Schulkinder auf teilweise nur 40 cm breiten Gehwegen gegen den durchfahrenden Verkehr behaupten, den Gehweg verlassen und um ihr Leben bangen müssen“, meint Röttges.

Untätig war die Stadt indes nicht. Mitte dieses Monats sei nach Anordnung des Ordnungsamtes und baulicher Umsetzung durch das Tiefbauamt die im letzten Gespräch beschlossene Erweiterung der Tempo-30-Zone zwischen der Kirche und der Wasserwerkstraße durchgeführt worden. Doch auch hier hat es aus dem Blickwinkel der Bürgerinitiative offenbar ein Verständnispro-blem gegeben: „Es wurde unserer Ansicht nach beschlossen, den Tempo-30-Bereich bis zur Verkehrsinsel vor der Wasserwerkstraße auszuweiten und nicht, wie durchgeführt, nur bis zur Wasserwerkstraße. Außerdem wurde beschlossen, die bestehende Zone von der Schule bis zur Kirche zeitlich und tagemäßig nicht mehr zu begrenzen. Die ist nicht erfolgt.“

Bürgermeister Wolfgang Dieder erläutert die generelle Problematik: „Bei der Einrichtung von Tempo-30-Zonen und einem Lkw-Verbot bedarf es einer Rechtsgrundlage.“ Im Bereich der Grundschule sei, basierend auf einem ministeriellen Erlass, eine zeitliche Befristung der Tempo-30-Zone durch die Schulwegsicherung und die Öffnungszeiten der Schule gegeben. Bei den übrigen, zwischenzeitlich eingerichteten Zonen sei hingegen eine unbegrenzte Einschränkung vorgesehen. Obwohl hier nachweislich kein Unfallschwerpunkt bestehe, sei die Maßnahme aufgrund der möglichen Gefährdung durch schmale Fußgängerwege ein Entgegenkommen der Stadt. Für ein Lkw-Verbot gebe es keinerlei Rechtsgrundlage. Gleichwohl wurden vor und hinter er Einmündung Stapperstraße Fahrbahnverengungen vorgenommen, um den Effekt zu testen, wie Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus erklärte. Mit einem 18 Meter langen Gelenkbus sei die Strecke in verschiedenen Varianten befahren worden.

Schon jetzt habe sich gezeigt, dass es an diesen Stellen zu erheblichen Schwierigkeiten mit Rückstau gekommen sei, was wiederum die Beschwerden anderer Anwohner der Waldfeuchter Straße nach sich zog. Auch die Feuerwehr habe ernste Bedenken geäußert, sagt Dieder.

Im Hinblick auf ihre Forderungen mussten die Vertreter der Bürgerinitiative ohnehin erkennen, dass nicht alle Bürger, vor allem wenn sie nicht von dem hohen Verkehrsaufkommen betroffen sind, hinter ihnen stehen. In einem Drohschreiben, das zu einer Anzeige gegen Unbekannt führte, wurde ihnen nicht nur Egoismus vorgeworfen, sie sollten sogar aus dem Ort verschwinden, weil sonst durchaus „etwa passieren“ könne.

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