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Literaturprofessor Ralf Georg Czapla referiert launig über kühlen Gerstensaft

Von: hewi
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Michael Werner singt: „Geben Sie dem Mann am Klavier noch‘n Bier“. Ein Wunsch, der ihm prompt erfüllt wird.

Erkelenz. „Und ohne Bier, was fang‘ ich an? Da bin ich ein geschlagner Mann!“ Mit diesem Zitat von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben begann der Vortrag zum Verhältnis der Dichter zum Gerstensaft. Pünktlich zur ersten Erkelenzer Bierbörse hatte der Heimatverein zum Vortrag mit dem Heidelberger Literaturprofessor Ralf Georg Czapla eingeladen.

Czapla stammt gebürtig aus Immerath und hat in Erkelenz schon eine wahre Fangemeinde. Seine ebenso humorvollen wie informativen Vorträge zu ungewöhnlichen literarischen Themen, wie zum Beispiel das dichterische Werk von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, erfreuen sich großer Beliebtheit.

Diesmal hatte er sein germanistisches Augenmerk auf das Lieblingsgetränk der Deutschen gerichtet. Dazu zitiere er so manchen großen Schriftsteller. Denn von Goethe bis Arno Schmidt gaben sie sich nur zu gerne dem Rausch hin, um „die Bilderkraft der Seele zu stärken“, wie Czapla es ausdrückte. Der Autor Arno Schmidt gab sich pragmatisch und erklärte: „Ich saufe strategisch.“ Gepriesen wurde es als demokratisches Getränk, das Standesunterschiede wegfallen lasse. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 wurde Bier im Bewusstsein des Bürgertums immer wichtiger, führe Czapla aus. Paul Heyse bezeichnete es in seiner „Ode auf das Bocksbier“ erstmals als Nationalgetränk der Deutschen.

Frauen spielten in der Rezeptionsgeschichte des Biers eine eher untergeordnete Rolle, wobei seine medizinische Wirkung von niemand geringerem als Hildegard von Bingen schon im 12. Jahrhundert gepriesen worden war. Auch Reformer Luther war ein Freund des Bieres und stellte es in der Bedeutung dem Brot gleich. Die damals gängige Praxis in den Klöstern, dass Starkbier den Geistlichen und das schwächere Bier aus dem zweiten Aufguss den Laienbrüdern vorbehalten war, lehnte er entschieden ab.

Die erste literarische Erwähnung des Bieres stammt übrigens von dem römischen Kaiser Julian, der im vierten Jahrhundert die Blähungen nach dem Genuss des germanischen Gebräus beklagte und ihm bescheinigte es schmeckte „wie Bocksgestank“.

Immer wieder machte Czapla auch Ausflüge in die Bierwerbung und die Musik. Dabei durfte natürlich Paul Kuhns „Kein Bier auf Hawaii“ und „Der Mann am Klavier“ nicht fehlen. Und da die Lieder gesungen besser klingen als erzählt, kam der aus Köln stammende Pianist und Sänger Michael Werner zum Einsatz.

Über das Dichten mit Bier hatte Alfred Reichel 2015 Folgendes geschrieben: „Ich hole mir jetzt ein Bier und auch ein Blatt Papier. Das Bier ist am Schäumen. Ich fange an zu träumen. Manchmal wird aus dem Traum ein Gedicht. Manchmal aber auch nicht.“ Mit diesen weisen Worten aus berufenem Munde beendete Czapla seinen Vortrag. Es folgten weitere Musikeinlagen von Michael Werner und eine Bierverköstigung, zu der Gastronom Christian Dorn und die Bolten-Brauerei eingeladen hatten.

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