Wassenberg - Lesung: Wenn der „Untermieter“ Parkinson heißt

Lesung: Wenn der „Untermieter“ Parkinson heißt

Von: Johannes Bindels
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Ulrich J. Gerhards bei der Lesung zu seinem Buch „Ich bin Morbus Parkinson“ im Johanniter-Stift in Wassenberg. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg. Wie es ist, wenn der Mensch erfährt, dass er „Morbus Parkinson“ hat, und wie das Leben weitergehen kann mit dieser Diagnose, das hat Ulrich J. Gerhards aus Hückelhoven-Doveren bei seiner Lesung im Johanniter-Stift in Wassenberg geschildert.

In Erzählungen und Gedichten ließ er seine Zuhörer teilnehmen an den Auswirkungen einer Krankheit, die nicht aufgehalten werden kann.

„Ich bin ein Maler, ein Dichter, ein Poet, ich male, ich dichte, schreibe Geschichten, weil es mir dann gut geht“, waren Ulrich Gerhards erste Worte an die Zuhörer im Raum. Astrid Sökefeld vom Sozialen Dienst der Johanniter hatte zuvor die Anwesenden begrüßt und sich über die schnelle Zusage zur Lesung des Autors gefreut.

„In den Gedichten lege ich meine Seele offen, gespickt mit einigen Wunden, weil nach verschiedenen Krankheitsphasen auch Herr Parkinson den Weg in mein Inneres hat gefunden“, fuhr Gerhards fort mit der Vorstellung seiner Person.

„Ich zittere mich so durch!“

In seinem ihm eigenen Stil, Persönliches wie auch Sachliches in Reimform wiederzugeben, las er Passagen aus seinem Buch „Ich bin – Morbus Parkinson“. Auf den 60 Seiten des Buches schildert Gerhards die Betroffenheit bei Freunden und Kollegen, das Gefühl nach der Diagnose durch den Arzt, den Zusammenhalt in der Familie, aber auch den Weg zurück in ein Leben mit dem „Untermieter“, den er nicht mehr loswerde, wie er seine Krankheit nennt. So antworte er nicht selten, wenn er gefragt werden, wie es ihm gehe, mit: „Ich zittere mich so durch!“

In diesem Satz spiegelt sich eine weitere Stärke der Persönlichkeit des Autors: Er hat Humor. Der ist ihm eine Stütze in den Phasen, in denen sein „Untermieter“ ihm die Kraft raubt. „Es ist nicht leicht, das Ich zu behalten, wenn ein anderer versucht, dein Leben zu gestalten. Doch solange ich ihn zurückschicken kann in sein Quartier, bin ich mein eigener Mensch in meinem Revier“, lauten die Zeilen, die den täglichen Kampf mit der Krankheit beschreiben.

Eindringlich auch die Passage „Aufstehen“, die Gerhards im Dialog mit seinem Verleger Wolfgang Fischer vom Erkelenzer Altius-Verlag vortrug. „Es war so, als rutschten die Füße mir weg, die Beine gaben nach und ich lag im Dreck. Eine Stimme sagt: ,aufstehen‘.“ Das Aufstehen nicht zu vergessen, sich nicht aufzugeben, das sei sein Credo und ist zwischen den Zeilen seines Buches immer wieder zu vernehmen. „Ich bin ein Mensch aber kein King, ich liebe das Leben und mache mein Ding. Ich bin ein Maler und ein Dichter, sehe auch in Zukunft vor mir noch viele helle Lichter.“

Sein Ding zu machen, ist auch mit seinem zweiten Buch „Die Zukunft ist bunt“ gelungen. Lesenswert die Kurzgeschichte „Die Beckenbodengymnastik“, weil diese sowohl humorvoll wie auch empathisch von den Bemühungen einer Mitpatientin und der Doppeldeutigkeit der Sprache handelt.

Zu seinem Ding gemacht hat Ulrich J. Gerhards auch, anderen Betroffenen Mut zu machen. So engagiert er sich in der Selbsthilfegruppe der Parkinson-Regionalgruppe im Kreis Heinsberg, bei der er der stellvertretende Regionalleiter ist. Auf seiner Internetseite ist noch mehr über ihn zu erfahren.

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