Lesung mit Randi Crott: „Ohne Hitler hätte es mich nicht gegeben“

Von: defi
Letzte Aktualisierung:
7626359.jpg
„Liebe Frau Crott (r.), Augen zu und durch!“ Kleine Pannen bei Rainer Gollenstedes (l.) Leseabenden haben Tradition. „Erzähl es niemandem!“ heißt der Bestseller, den die beliebte WDR-Moderatorin in der Heinsberger Buchhandlung vorstellte. Foto: defi

Heinsberg. „Dramatisch, politisch, anrührend“ nennt der Verlag das Buch „Erzähl es niemandem!“ der Autorinnen Randi Crott und Lillian Crott Berthung.

Der Verlagstexter hat recht: Dieses Buch ist politisch und es ruft dramatische Momente mehrerer Leben ins Bewusstsein und es rührt an, vor allem durch die Herangehensweise der Tochter Randi Crott an die Liebesgeschichte ihrer Eltern Lillian Crott Berthung und Helmut Crott und damit auch an die eigene Lebensgeschichte.

Rainer Gollenstede hatte in seiner Heinsberger Buchhandlung Randi Crott zu Gast. Sie stellte die nunmehr 16. Auflage ihres Bestsellers „Erzähl es niemandem!“ einem aufmerksam lauschenden Zuhörerkreis vor, der sich auch von kleinen technischen Pannen der Lesung nicht allzu sehr ablenken ließ. Neben der Moderation der WDR-Sendungen wie Mittagsmagazin, Montalk, Funkhausgespräche, West.art-Talk, West.art Literatur im Römer, Aktuelle Stunde, ARD-Radionacht der Hörbücher und 3 nach 9 ist Crott Autorin verschiedener Filme und auch, wenn sie bislang literarisch noch nicht ins Rampenlicht trat, eine erfolgreiche Bestsellerautorin.

Bei dem Buchtitel „Erzähl es niemandem!“ verwundert zunächst die breite Öffentlichkeit, der Crott die Geschichte ihrer Familie mitteilt. Vielleicht ist das Verschweigen ja gerade der falsche Weg, mit dem Teil der deutschen Geschichte umzugehen, dessen Zeugen langsam verschwinden. Dass sie jüdische Wurzeln hat, erfuhr Randi Crott von ihrer Mutter erst, als sie schon erwachsen war. Der Vater sprach nie darüber. Und genau wie ihre Mutter 1942, soll auch Crott über zwei Jahrzehnte nach dem Krieg mit niemandem über den jüdischen Teil der Familiengeschichte sprechen. Bis zum Tod des Vaters bleibt dessen Geschichte verborgen. Alte Briefe und Dokumente haben Crott und ihre Mutter ausgewertet für dieses Buch. Leidenschaftlich und mit journalistischer Sorgfalt hat sie den Lebensweg ihrer Eltern recherchiert und die eigene Geschichte in historische Zusammenhänge eingefügt.

Eine kleine Panne zu Beginn

Von der Verfolgung der Juden in Deutschland über die deutsche Besatzung in Norwegen bis hin zu den Problemen der Vergangenheitsbewältigung nach dem Krieg berichtet das Buch: „Ohne Hitler hätte es mich nicht gegeben. Welches Gefühl ist für so einen Fall reserviert? Ich bin auf der Welt, weil meine norwegische Mutter sich in einen deutschen Besatzungssoldaten verliebt hat.“

Von einem Gefühl des Stolzes berichtet Randi Crott, als sie die Urne mit der Asche ihres Vaters nach Norwegen überführte. Sie erzählt, wie sie den Flieger von Deutschland fast verpasst hätte und die mitreisenden deutschen Soldaten sie mit „Hallo Frau Crott“ freundlich im Flugzeug begrüßten. Außer Puste nach mehrmaligen Ausrufen ihres Namens durch die Stewardess war sie doch noch an Bord gekommen mit dem schwarzen Rucksack, in dem sich die Urne befand, im Schlepptau. Die Urne fand ihren Platz in einem der letzten freien Urnengräber auf dem Friedhof von Trondenes. Als einziger Deutscher fand Helmut Crott auf diesem Friedhof nicht weit von dem Kriegsdenkmal „Adolfkanone“, der größten landgestützten Kanone der Welt, seine letzte Ruhestätte.

Ob Rainer Gollenstede das nun mit Absicht macht, um seine Leseabende mit einer Prise Situationskomik anzureichern? Man weiß es nicht. Ein übler Geruch machte sich breit zu Beginn der Lesung. Randi Crott tippte auf den Mikrofonverstärker. Roch tatsächlich nach einer Maus, die gerade durchschmurgelt. Wohl zu tief ins Stromkabel geknabbert. Gollenstede schritt zur Tat. Randi Crott und das Publikum faßten sich in Geduld. Gollenstede räumte den Verstärker schließlich ab. Randi Crott brachte ihre Geschichte, die auch unsere ist, ohne Mikro dem Publikum nahe.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert