Lesung für den guten Zweck: „Wir können, sollen und müssen helfen“

Von: hewi
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Hat Krieg und Vertreibung selbst erlebt: Anna Portz. Foto: H. Wichlatz

Erkelenz. In ihrem Buch „Die alte Truhe“ beschreibt Anna Portz das Ende ihrer unbeschwerten Kindheit in Ungarn und die Flucht und Vertreibung, bevor sie in Lövenich eine neue Heimat fand. „Ich hätte mir gewünscht, diese Geschichte nicht erlebt zu haben“, erklärte sie bei ihrer Lesung im Restaurant des Johanniterstifts.

Doch ihre Erlebnisse haben sie auch sensibel gemacht für das Schicksal der Menschen, die derzeit nicht nur in Erkelenz ankommen und denen nichts als ihr Leben geblieben ist. Kurzentschlossen wollte sie helfen und den Verkaufserlös ihres im vorigen Jahr erschienen Buches zugunsten der Flüchtlingskinder in Erkelenz spenden. In dem Buchhändler Christopher Viehausen fand sie einen engagierten Mitstreiter, im Flüchtlingshilfsverein Willkommen in Erkelenz und im Johanniterstift die richtigen Partner für ihr Vorhaben.

Gerade die Bewohner des Stifts haben den Krieg und oftmals auch Vertreibung und Flucht am eigenen Leibe erlebt, betonte Gaby Kerst im Namen der Gastgeber. Die Bewohner hatten beraten, was sie tun könnten, um den Flüchtlingen in Erkelenz zu helfen. Gemeinsam mit Wilfried Mercks vom Flüchtlingshilfsverein kamen sie auf die Idee mit der Lesung.

Und in Laura Rizzo, die in der Kreismusikschule das Klavierspiel erlernt, hatten sie auch bald eine Künstlerin gefunden, die für den musikalischen Part verantwortlich zeichnete.

Der Autorin sprach Mercks seinen Respekt aus, denn durch das „Aufklappen der eigenen Geschichte“ gewähre sie auch persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre Gedanken. Sehr einfühlsam präsentierte sie ihr junges Ich, das sie direkt ansprach und von dem idyllischen Leben der Donauschwaben in Ungarn erzählte.

Den Krieg kannte sie nur als Erzählung aus einer anderen Welt, bis er sie auch einholte und zur Flucht zwang. Vielen der Zuhörer kamen die Geschichten sicher bekannt vor, hatten sie doch teilweise Ähnliches erleben müssen, bevor sie in Erkelenz eine neue Heimat fanden.

Im Anschluss an die Passagen aus ihrem Buch „Die alte Truhe“ las Portz einen aktuellen Text, der sich kritisch mit der Willkommenskultur in Deutschland auseinandersetzte. „Heute leben wir im Überfluss“, betonte sie. „Wir können, sollen und müssen helfen.“ Und das nicht ohne Eigennutz, denn „das Gefühl, Gutes zu tun, erzeugt die meisten Glückshormone“.

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