Lesung: Die Jagd nach den Papieren von Chopin

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
13454445.jpg
Detailverliebt und spannend: Renata A. Thiele liest in Heinsberg aus ihrem Buch „Die verschollenen Noten“. Darin tauchen Chopin und Nina Voss an Schauplätzen im alten und heutigen Aachen auf. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Wer der Einladung zur Lesung mit der Autorin Renata A. Thiele in der Stadtbibliothek folgte, erlebte zweierlei Genuss: die geistige Nahrung mit ihrem zweiten Buch „Die verschollenen Noten“, sowie in der Pause liebevoll von den Mitarbeiterinnen der Bibliothek gemachte Kanapees.

Zwei Stunden unterhaltsame Gelegenheit zum Zuhören und Austausch boten sich der kleinen Schar der Zuhörerschaft, in der sie die Autorin und ihr neuestes Werk um Frédéric Chopin kennenlernen konnte. Seit vielen Jahren lebt und arbeitet die Autorin als Schriftstellerin, Übersetzerin und Stadtführerin in Aachen.

Drei Erzählstränge

„Heute hier eine Lesung machen zu dürfen, passt für mich besonders“, begrüßte die gebürtige Polin ihr Publikum. Es sei der höchste Nationalfeiertag Polens und mit ihrem historischen Rückgriff auf Chopin als einem der bedeutendsten polnischen Künstlern, der eng mit ihrer Wahlheimat Aachen verbunden sei, führe sie in eine weitere Kriminalgeschichte um ihre Hautfigur Nina Voss ein, betonte Thiele. Was dann in der Lesung folgte, waren Ausschnitte, die in die drei Erzählstränge der Kriminalerzählung einführten. Die lassen sich zeitlich unterteilen in das Aachen des Jahres 1834, das Brüssel des Jahres 2000 und wiederum das Aachen des Jahres 2015.

Zunächst entführt sie ihre Leser in das Jahr 1834, in dem in Aachen das Niederrheinische Musikfest stattfand. Die Autorin bindet den Musiker in ihre Handlungen ein. Chopin befindet sich deshalb zu diesem Zeitpunkt ebenfalls aufgrund einer Einladung seines Freundes Ferdinand Hiller in Aachen. In Aachen verliebt sich Chopin in eine junge Frau, die Tochter eines Tuchhändlers. Die führt Chopin durch Aachen und zu einigen bekannten Sehenswürdigkeiten. In der genauen Beschreibung zeigen sich die Kenntnisse der Autorin als Stadtführerin. Als Geschenk überreicht Chopin die Noten zu einem Musikstück, welches er schon in Paris komponiert hatte und mit einer Widmung auf dem Deckblatt versah. Es verblieb dann bis zum Jahr 1945 im Besitz der beschenkten Familie. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind die Notenblätter verschollen. Mit der Jagd nach dem heute wertvollen Stück Musikgeschichte beginnt der Einstieg in der Jetztzeit.

Im zweiten Strang der Lesung stellt die Autorin ihre Hauptfiguren vor. Nina Voss, wie die Autorin Polin, Dolmetscherin und Stadtführerin, hat eine detektivische Ader. Auf der Chopiniade – einem Musikfest in Aachen – begleitet Nina eine Professorin aus Polen als Dolmetscherin. Bei einem befreundeten Professorenehepaar begegnet Nina ihrem ehemaligen Freund Christian Kaufmann wieder, der als Antiquitätenhändler dubiose Geschäfte macht. Aus den verschiedensten Motiven sind die Beteiligten auf der Suche nach Chopins „verschollenen Noten“.

Die Erzählfreude der Autorin wird in vielen Passagen sichtbar, auch und gerade wenn sie detailverliebt Orte, Situationen, Personen und ihre Beziehungen untereinander beschreibt. So sind große Anteile des Romans, in epischer Breite beschrieben, eine Reise durch Zeit und Orte. Aber auch das Rauchen eines Joints und welche Wirkung er auf die Personen hat, sind dafür Beispiele. Erst im letzten Drittel des Buches kommen die Krimi-Elemente stärker zum Tragen. Im letzten Erzählstrang lässt die Autorin den Leser in einen Strudel aus Verrat und Manipulation blicken.

Thieles Kriminalgeschichte basiert auf historischen Fakten und spielt an authentischen Schauplätzen. Die stellenweise skurrilen Charaktere bewegen sich jedoch nicht nur in der Aachener Umgebung, sondern reisen bei ihrer riskanten Suche nach Chopins Werk auch durch Polen, Belgien und Großbritannien.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert