Lernen im richtigen Rhythmus: Unterschiedliche Vorkenntnisse

Von: Daniel Gerhards
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Mit ihm hat Lehrer Joachim Beckers die volle Aufmerksamkeit der Kinder: Der Panda ist bei allem dabei, was die Kinder der ersten Klasse der Sonnenscheinschule machen. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg. So richtig ruhig ist es in der Klasse eigentlich nur ganz selten. Wenn Joachim Beckers über das A, das U und das O spricht, muss er manchmal eine Pause einlegen. Dann muss er die 23 Kinder vor ihm bitten, leise zu sein. „Wenn so viele gleichzeitig reden, dann verstehe ich nichts“, sagt der Lehrer.

In der Panda-Klasse der Sonnenscheinschule gilt dieselbe Regel, die schon Generationen von Grundschülern lernen mussten: Erst aufzeigen, dann reden. Solche Dinge stehen an den ersten Schultagen noch im Mittelpunkt, sagt Schulleiter Thomas Heinrichs. „Die Kinder lernen am Anfang die ersten Regeln kennen“, sagt er. Also: Sie sollen sich in Zweierreihen aufstellen, wenn sie als Klasse irgendwohin gehen, und sie sollen aufzeigen, wenn sie etwas sagen möchten.

An das Aufzeigen erinnert Joachim Beckers seine Schüler an ihrem zweiten Schultag noch hin und wieder. Aber dann klappt es ganz gut: Wenn er etwas fragt, gehen viele Finger hoch. Beckers referiert nicht die ganze Schulstunde an einem Stück. Und auch mit dem Fragestellen macht er immer mal wieder Pause. Dann ist Zeit für ein Lied, einen Schluck aus der Trinkflasche oder einen Biss ins Butterbrot.

Und genau so ist es auch gewollt. Vier Schulstunden nur Lernen, das schaffen die Erstklässler noch nicht. „Man muss einen guten Rhythmus für den Unterricht finden“, sagt Heinrichs. Das heißt, nach Arbeitsphasen von zehn oder 15 Minuten singen die Kinder zum Beispiel ein Lied. Entspannungsphasen seien in den ersten Wochen und Monaten sehr wichtig, um die Kinder nicht zu überfordern.

Für viele Kinder sei neu, dass es plötzlich mit Beginn der Schule Aufgaben gibt, die sie „machen müssen“, sagt Martina Zerr, Konrektorin der Sonnenscheinschule. „Im Kindergarten konnten die Kinder selber entscheiden, was sie spielen. In der Schule gibt es Phasen, in denen alle dasselbe machen. Dann müssen sich die Kinder damit abfinden, dass sie das auch machen müssen“, sagt sie.

Konzentration ist in der Panda-Klasse zum Beispiel schon am zweiten Schultag gefragt. Alle Kinder haben Papier und Stift vor sich: Sie lernen, ein A zu schreiben. Manchen Kindern fällt das leichter, manchen schwerer. Einige haben vielleicht schon ein paar Buchstaben im Kindergarten oder Zuhause geschrieben. Bei anderen fällt auf, dass es ihre ersten Gehversuche in Sachen Alphabet sind.

Dass am ersten Schultag alle Kinder bei Null anfangen, stimmt also nicht. „Die Kinder kommen nicht alle auf dem selben Stand zu uns“, sagt Heinrichs. Manche Kinder könnten schon einzelne Worte oder kleine Texte lesen, Heinrichs hat auch bereits Kinder erlebt, die vor ihrem ersten Schultag bis 100 rechnen konnten. Aber es gebe eben auch Kinder, die bei ihrer Einschulung die Farben nicht auseinanderhalten oder kein Wort Deutsch können.

Joachim Beckers redet derweil mit den Kindern über Turnschuhe. Am Donnerstag geht es in die Turnhalle. Dann sollen die Kinder ihre Sportsachen mitbringen. Und wieder gehen etliche Finger hoch: Ein Kind hat seinen Turnbeutel schon dabei, ein anderes hat noch keine Turnschuhe, ein weiteres will wissen, wie oft es noch schlafen muss, bis der Schulsport beginnt. Während Beckers die Fragen beantwortet, geht Carmen Küpper durch die Klasse. Die Sonderpädagogin kümmert sich um ausgelaufene Trinkflaschen, umgekippte Schultaschen und alles, was sonst noch anfällt.

In der Klasse sind ein körperbehindertes Kind und einige Kinder, die wohlmöglich einen besonderen Förderbedarf haben. Deshalb unterrichten Beckers und Küppers zu zweit.

Dann stellt Beckers eine Frage: „Wer hat schon einen neuen Freund gefunden?“ Viele haben schon einen. So auch das Mädchen mit dem pinken Schulranzen, das in der letzten Reihe sitzt. Gleich neben ihr sitzt ein Junge. Und wenn keiner hinguckt, halten sie unter der Bank Händchen.

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