Leo Lowis: Der Schule einen Stempel aufgedrückt

Von: Ingo Kalauz
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Verdienter Ruhestand nach 30 Jahren an der Peter-Jordan-Schule: Leo Lowis bleibt dennoch Vorsitzender des Fördervereins. Foto: Stefan Klassen (2); Ingo Kalauz
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Leo Lowis hat die Peter-Jordan-Förderschule geprägt und die Schule hat ihn geprägt. Am 27. Januar geht der in Heinsberg-Horst lebende Schulleiter in den Ruhestand. Foto: Stefan Klassen (2); Ingo Kalauz
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Hier parkt bald ein anderer: Leo Lowis wird am 27. Januar in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Stefan Klassen (2); Ingo Kalauz

Hückelhoven. „Nein, er ist nicht Zuhause“, sagt Ehefrau Monika. Und? Wo ist er? „Ja, wo wird er wohl sein? In der Schule natürlich!“ Selbst in den Ferien zieht es Leo Lowis an seinen Arbeitsplatz, also in „seine“ Schule. 30 lange Jahre hat „der Leo“ als Pädagoge an der Peter-Jordan-Schule gearbeitet, 14 Jahre lang hat er ihr als Schulleiter seinen Stempel aufgedrückt.

Am 27. Januar wird der gebürtige Porselener, der mit seiner Familie vor 30 Jahren in Heinsberg-Horst sein Zuhause errichtet hat, in den Ruhestand verabschiedet. War es das dann? Sicher nicht: So wie Leo Lowis die Schule geprägt hat, haben sowohl deren Schüler wie das Kollegium auch ihn geformt, ihm viel gegeben. „Niemals geht man so ganz; irgendwas von mir bleibt hier...“ – Leo Lowis würde das sofort unterschreiben. Also wird er der Schule auch weiterhin verbunden bleiben und den Vorsitz des Fördervereins übernehmen.

Aber Leo Lowis sieht auch den Dingen, die abgelöst vom täglichen Schulbetrieb auf ihn zukommen, mit Vorfreude entgegen: „Wir haben schon einige Reisepläne in der Tasche“, sagt er. Im Sommer geht’s erstmal um Island rum rauf nach Schottland. Und natürlich wird er künftig auch mehr Zeit in seiner Werkstatt verbringen: „Ich habe eine voll eingerichtete Schreinerwerkstatt im Keller.“ Das kommt nicht von ungefähr: Der Vater war selbstständiger Schreiner in Porselen. „Als Kind und auch noch als Student habe ich regelmäßig in der Werkstatt geholfen“, sagt Lowis. Dieses handwerkliche Talent hat er als Lehrer gepflegt und an der Förderschule in seine pädagogische Arbeit einfließen lassen. „Für Kinder mit Defiziten im emotional-sozialen Bereich ist die handfeste Arbeit, bei der man sieht, was man macht, eine wunderbare Erfahrung“, sagt er.

Nein, geplant war das eigentlich nicht, dass er einmal Schulleiter werden würde: „Das hat sich so ergeben. Eigentlich bin ich gar nicht der Typ dafür, Verwaltungsarbeit zu übernehmen“, sagt der Handwerkersohn. Nach der Volksschule in Porselen hat er die Aufbaurealschule besucht und ist dann 1969 an das Aufbaugymnasium in Erkelenz gewechselt, hat dort Abitur gemacht, anschließend in Aachen Pädagogik studiert. „Geschichte Erdkunde und natürlich Sport waren meine Unterrichtsfächer“, sagt der bekennende FC Köln-Fan, der beim TuS Porselen selbst viele Jahre aktiv Fußball gespielt hat.

Sieben Jahre hat er nach dem Studium als Grund- und Hauptschullehrer in Düsseldorf-Gerresheim gearbeitet, ehe er 1986 sozusagen zurück in die Heimat an die Förderschule, die damals noch Sonderschule für Lernbehinderte hieß, nach Hückelhoven kam. „Kaum war ich da, hat mir Schulleiter Frieder Schumacher eröffnet, dass ich noch mal drei Jahre Sonderpädagogik studieren muss, wenn ich an der Schule bleiben wollte“, sagt Lowis. Er wollte an der Schule bleiben, also hat er Sonderpädagogik im Fernstudium drangehängt. „Das war keine einfache Zeit damals“, sagt Ehefrau Monika. Denn zur gleichen Zeit stand neben dem Unterricht und dem Studium auch der Hausbau bei der Familie Lowis auf der Agenda. „Und wir hatten ja auch noch zwei kleine Kinder“, erinnert sich Monika Lowis.

Das ist heute Schnee von gestern. Aber es macht deutlich, wie Leo Lowis „tickt“: Dinge, die angepackt werden müssen, werden angepackt, zur Seite schieben gibt’s nicht. Das war auch so, als er plötzlich damit konfrontiert wurde, die Stelle des Leiters der Peter-Jordan-Schule zu übernehmen: „Eigentlich wollte ich das gar nicht, aber mir blieb gar nichts anderes übrig.“

Allerdings hat er sich auch als Schulleiter nicht verbiegen lassen, ist sich und seiner Art, mit anderen umzugehen, treu geblieben: „Das Kollegium an unserer Schule verdient den Namen wirklich, wir arbeiten fachlich prima zusammen und harmonieren auch menschlich“, sagt Leo Lowis. Als „ziemlich verschworene Gemeinschaft“ kennzeichnet der Schulleiter das Verhältnis der Lehrkräfte untereinander. „Er hat nie den Chef raushängen lassen“, sagt seine Frau. „Aber er kann auch aus der Hose springen“.

Und das Verhältnis zu den Schülern, wie ist das? Da muss er nicht lange nachdenken: „Sie sind ja so ein netter Mensch“, habe ihm ein Schüler erst kürzlich gesagt, „aber Sie können ja auch so ‘ne große Sau sein.“ Die ehemalige Schulamtsdirektorin Christel Preuschoff, die 15 Jahre lang für die damals noch acht Förderschulen im Kreis Heinsberg zuständig war, habe ihn einmal gefragt: Mögen Sie eigentlich die Kinder an Ihrer Schule? „Wenn ich die Kinder nicht mögen würde, hätte ich meinen Beruf verfehlt“, hat Leo Lowis ihr geantwortet.

Angelika Stöcker, die ehemalige Beigeordnete, die die Schulneubauten in Hückelhoven ganz wesentlich mit auf den Weg gebracht hat, charakterisiert die 2011 in den Neubau eingezogene Peter-Jordan-Förderschule, die noch heute eines ihrer „Lieblingskinder“ ist, unter anderem so: „Die Peter-Jordan-Schule ist so eine Art Familienunternehmen. Leo Lowis fuhr jedes Jahr mit den Abschlussklassen zum Skilaufen in eine Hütte nach Österreich. Seine Frau Monika fuhr mit. Zuerst passte sie mit auf die Kinder auf. Als dann vor ein paar Jahren die Hauswirtschaftslehrerin, die auch immer dabei war, an eine andere Schule versetzt wurde, übernahm Frau Lowis deren Aufgabe mit und kochte für die Truppe. Das ging etwa so: Wochen vorher reiste sie durch die Gegend und besorgte Lebensmittel in rauen Mengen, die erst mal zu Hause in Kartons gelagert, sodann in den Bus verfrachtet, nach Österreich gekarrt und dort verarbeitet wurden. Letztes Jahr sprach ich mal mit Leo Lowis – ich weiß nicht mehr, worüber – und der erzählte: ,Meine Frau ist gerade unterwegs nach Aachen, wir haben nämlich eine Spende von Kronenbrot, und das holt die jetzt ab‘. So was gibt es an keiner anderen Schule.“

Auch Helmut Holländer, als Schuldezernent der Stadt Hückelhoven für die Förderschule zuständig, ist voll des Lobes sowohl für die Schule, als auch für deren Leiter: „Leo Lowis hat die Peter-Jordan-Schule zur Vorzeigeschule von Hückelhoven gemacht. Das Klima, das dort herrscht, ist einmalig.“

Ach ja: Leo Lowis ist nicht nur einfühlsamer Pädagoge, er ist auch ein leidenschaftlicher Witzerzähler. Und so kann die Geschichte über den langjährigen Leiter der Peter-Jordan-Schule mit der Frage enden: „Kennste den...?“

Die zu seiner Verabschiedung am 27. Januar in die Peter-Jordan-Schule kommen, die kennen ihn. Und die Schüler, die sich einen Tag verabschieden, die erst recht...

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