Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes über den gesellschaftlichen Umgang mit HIV

Von: Christina Handschuhmacher
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Kreis Heinsberg. In der Öffentlichkeit ist es still geworden um HIV und Aids. Dabei bedeutet die Diagnose HIV-positiv für jeden Betroffenen immer noch: lebenslänglich. Denn auch über drei Jahrzehnte nach dem ersten Auftreten der Krankheit in Deutschland ist noch kein Heilmittel gegen das HI-Virus gefunden.

Beim Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg werden kostenlos und anonym HIV-Tests angeboten und Betroffene in medizinische Behandlung vermittelt. Dr. Karl-Heinz Feldhoff leitet das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Krankheit, die Situation im Kreis Heinsberg und die Tabuisierung von HIV.

In der öffentlichen Wahrnehmung taucht Aids häufig nur noch auf, wenn über die hohe Infektionsrate, etwa auf dem afrikanischen Kontinent, geredet wird. Ist in Deutschland noch ein ausreichend großes Bewusstsein für die Existenz dieser Krankheit vorhanden?

Feldhoff: Meiner Meinung nach ist das Bewusstsein für die Krankheit Aids vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen groß. In den Schulen werden die Themen HIV und Aids häufig angesprochen, sei es im Biologieunterricht oder bei Aufklärungskampagnen. Bei den Erwachsenen sieht es leider anders aus. Viele haben nur noch ein geringes Bewusstsein für die Themen Aids und HIV, dabei ist diese Erkrankung weiterhin sehr ernst zu nehmen. Aids ist nach wie vor eine Krankheit, die nicht heilbar ist, für die es keine Schutzimpfung gibt und die – ähnlich wie Hepatitis B oder C – chronisch verläuft. Also bleibt für uns nur die Option, durch gute Präventionsarbeit vorzubeugen.

Im Jahr 2012 haben sich laut Angaben des Robert-Koch-Instituts rund 3400 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert. Die Zahl ist seit einigen Jahren etwa konstant. Wie haben sich die Zahlen in der Aids-Beratungsstelle der AWO und beim Gesundheitsamt des Kreises entwickelt?

Feldhoff: Die Beratungssituation ist relativ konstant geblieben. Im Jahr 2012 gab es in der AWO-Beratungsstelle 347 Beratungskontakte – entweder persönlich, telefonisch oder via E-Mail. Im Gesundheitsamt haben wir 2012 86 Menschen auf HIV getestet. Zu Spitzenzeiten hatten wir 200 Tests pro Jahr. Allerdings finden heute auch HIV-Tests bei niedergelassenen Ärzten statt, das war früher so nicht möglich.

Wie gehen Sie mit Menschen um, die sich im Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg auf HIV testen lassen?

Feldhoff: Wichtig bei den HIV-Tests ist für uns, dass immer ein begleitendes ärztliches Gespräch stattfindet. Darin wird ergründet, warum der HIV-Test nötig ist, etwa weil es zuvor zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr kam. Im Gespräch geht es dann auch darum, wie sich so eine Situation künftig vermeiden lässt. Gezielte Aufklärung ist an dieser Stelle gefragt. Der Betroffene sollte sein eigenes Handeln in Frage stellen. Denn ein negativer HIV-Test darf kein Freifahrtschein sein, danach genauso weiter zu machen wie zuvor.

Wie tabuisiert ist das Thema Aids in der heutigen Gesellschaft?

Feldhoff: Bei den jungen Menschen ist diese Krankheit kein Tabu mehr. Generell würde ich sagen, dass Aids und HIV in der Gesellschaft zunehmend enttabuisiert sind. Entscheidend ist aber, dass das Thema nicht aus falscher Scham heraus in der Partnerschaft oder bei sexuellen Kontakten ein Tabu bleibt.

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