Lebenshilfe bekommt prominenten Besuch

Von: Daniel Gerhards
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Ein Besuch in der Lebenshilfe-Werkstatt in Oberbruch: Guildo Horn lässt sich genau zeigen, wie man die kleinen Tannenbäume aus der violetten Pappe ausstanzt. Fotos (5): Daniel Gerhards Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg-Oberbruch. Fast hätte man gar nicht bemerkt, dass er da ist. Aber da steht er dann, an einem Hintereingang: braune Lederjacke, gelbes Hemd, beigefarbene Hose mit Schlag und die Frisur – die kennt man ja. Bevor Guildo Horn irgendjemanden begrüßt, geht er erstmal zur Band, die sich gerade an ihren Instrumenten aufwärmt. Er haut mal kurz auf die Trommel und sagt: „Ihr macht ja schon Radau.“

Diese lockere, offene Art kommt gut an. Guildo Horn ist zu Besuch bei der Lebenshilfe in Oberbruch. Er kennt die Räume, die Gänge und die Menschen nicht. Aber für ihn ist es trotzdem so etwas wie ein Heimspiel.

Guildo Horn ist bekannt dafür, dass er sich für Menschen mit Behinderung engagiert. Bevor seine musikalische Karriere – unter anderem beim Grand Prix Eurovision de la Chanson – so richtig ins Rollen kommt, arbeitet er selber mit Behinderten.

Nach seinem Abitur macht er ein soziales Jahr bei der Lebenshilfe in Trier. „Meine Mutter hat da als Busfahrerin gearbeitet. So ist der Kontakt entstanden“, sagt Guildo Horn. Danach studiert er Pädagogik und wird Musiklehrer bei der Lebenshilfe. Wenn das mit der Musikerkarriere nichts geworden wäre, würde ich den Job noch immer machen, sagt er.

Am Montagvormittag geht er aber erst einmal einen der langen Gänge entlang. Bis er an die Tür kommt, hinter der Grußkarten hergestellt werden. 24 behinderte Mitarbeiter, zwei Betreuer und viel Papier und Pappe. Es handelt sich um eine Montage- und Verpackungsgruppe. Die Lebenshilfe entwirft die Karten, stellt sie her und verkauft sie.

Guildo Horn setzt sich gleich mal zu den Mitarbeitern. Er fragt sie, was sie machen, lässt sich erklären, wie man das Papier richtig faltet, die Tannenbäume ausstanzt und die Schmetterlinge aufklebt. „Wie ist das so bei Euch, schön leise, oder?“, fragt er.

Klar, heute läuft ja auch keine Musik. Guildo Horn ist da, dann noch die Leute mit den Fotoapparaten und den Filmkameras. „Und welche Musik hört Ihr so, wenn die wieder weg sind?“, will Guildo Horn wissen. Schlager! Andrea Berg! Helene Fischer! „Ich bin so was ähnliches wie Helene Fischer, nur als Mann“, sagt Guildo Horn. So albert er herum, beantwortet Fragen und schüttelt viele Hände.

Weil Guildo Horn sich so gibt, freuen sich die Verantwortlichen der Lebenshilfe auch so über seinen Besuch. „Er ist ein Botschafter für die Inklusion. Er lebt das schon seit Jahren vor“, sagt Jakob Lieck, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe.

Guildo Horn findet, dass man von Menschen mit Behinderung viel lernen kann: „Die gucken anders ins Leben“, sagt er. Meistens mit guter Laune: „Ich habe selten so viele Menschen gesehen, die positiv durchs leben gehen, wie bei meiner Arbeit bei der Lebenshilfe“, sagt er.

Und dann kommt da noch der große Auftritt. Ein paar Hundert Lebenshilfe-Mitarbeiter stehen vor der Bühne, auf der die Band Workshop schon spielt. Dann kommt Guildo Horn auf die Bühne, welche Lieder er mit der Band singen soll, weiß er noch nicht. Macht aber nichts.

Horn und Workshop – das harmoniert. Er setzt sich zuerst ans Schlagzeug, dann schnappt er sich ein Mikrofon und singt die Klassiker „Aber bitte mit Sahne“ und „Ein Bett im Kornfeld“ mit. Guildo Horn, die Band und die Lebenshilfe-Mitarbeiter feiern eine riesige Party – und das schon kurz nach 12 Uhr mittags.

Für einen perfekten Horn-Besuch fehlt da nur noch das richtige Gebäck. Und das kommt dann auch: Am Ende gibt es auch noch Nussecken für alle.

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