Laufendes Wasser soll wahre Absicht vernebeln

Von: Rainer Herwartz
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Stadtwerke befassen sich nicht mit dem Wasserfluss in Privat-Gebäuden. Wird dies behauptet, ist Vorsicht geboten. Foto: imago/von Stroheim

Heinsberg. Die Masche ist ebenso brisant wie erfolgreich: Trickbetrüger geben sich immer wieder den Anstrich einer öffentlichen Behörde und spielen gleichzeitig mit der Angst der Opfer, dass eine Gefahr im Verzuge sei, die es abzuwehren gelte. Auch Maria F. war voller Sorge, nachdem ein Fremder an ihrer Haustür geklingelt hatte und sagte, dass es im Haus einen Rohrbruch gegeben habe und es nun geschehen könne, dass die Wohnung überflutet werde.

„Er sei von den Stadtwerken“, erzählt die 87-Jährige, die gemeinsam mit einer 70-jährigen Freundin den Haushalt erledigte, später ihrem Enkel: „Wir durften keine Zeit verlieren, mussten sofort alle Wasserhähne in der Wohnung aufdrehen und beobachten.“

Als der Mann den Wasserhahn aufdrehte, gab er offenbar unbemerkt einen Farbstoff hinzu, damit sich das Wasser rotbraun verfärbte. Schnell war ihm so das Vertrauen der älteren Dame sicher. Als diese ahnungslos und besorgt mit ihrer Freundin im Badezimmer saß, hatte der Dieb genug Zeit, sich in der Wohnung umzusehen.

Der Weg nach Heinsberg habe sich für den Trickbetrüger gelohnt, meinte der Enkel der Geschädigten gegenüber unserer Zeitung. Der Wert seiner Beute liege im fünfstelligen Bereich. „Schmuck aus 60 Jahren Ehe – Ringe, Ketten, Uhren, Bargeld – alles ist weg“, hatte ihm seine Großmutter frustriert mitgeteilt. Neben dem finanziellen Schaden trauert sie aber besonders um den ideellen Wert der Schmuckstücke. „Das meiste davon waren Erinnerungen an meinen verstorbenen Ehemann.“

Die Aktion dauerte eine halbe Stunde. „Danach“, erzählt Maria F., „war das vermeintliche Problem in den Griff bekommen worden und alles wieder in Ordnung“. Die Geschädigte wollte noch ihren Sohn anrufen und diesen als Hausbesitzer in Kenntnis setzen. Der Trickbetrüger aber behauptete, er hätte schon vergeblich versucht, ihn zu erreichen. Auch diese Lüge zog.

„Es passiert zum Glück relativ selten, dass sich jemand als Mitarbeiter der Stadtwerke Heinsberg ausgibt“, sagt deren Geschäftsführer Jakob Gerards. „Wir erfahren meist durch die Polizei davon.“ Grundsätzlich sei es eher unüblich, dass die Stadtwerke mal eben so einen Hausbesuch unternähmen.

„Im Regelfall werden sich die Stadtwerke zuvor bei den Betroffenen anmelden, wenn zum Beispiel der Zähler ausgetauscht werden soll.“ Im beschriebenen Fall der Maria F. hatte der Trickbetrüger allerdings einen akuten Notfall vorgetäuscht. Doch auch hier, so Gerards, könne man eine Regel beherzigen. „Alles, was vor der Wasseruhr ist, liegt in unserer Zuständigkeit. Alles, was dahinter liegt, ist private Angelegenheit.“

Dass also jemand von den Stadtwerken die Wohnung betreten muss, um den Wasserfluss zu kontrollieren, kommt in der Praxis so nicht vor. „Ich rate jedem Bürger, bei uns unter Telefon 02452/3417 anzurufen, wenn er nicht sicher ist, wer da vor der Tür steht.“

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