Heinsberg - Laternen aus? Feuerwehr will St. Martinszug nicht mehr ausrichten

Laternen aus? Feuerwehr will St. Martinszug nicht mehr ausrichten

Von: Rainer Herwartz
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Auch die Heinsberger Grundschüler dürfen weiter an Laternen basteln, denn die Sonnenscheinschule hat einen Plan. Foto: anna

Heinsberg. Es ist über Jahrzehnte hinweg so selbstverständlich geworden, dass wohl kaum jemand damit gerechnet hätte, dass der Löschzug Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Heinsberg nun nicht länger als Veranstalter des St. Martinszuges im Stadtkern Heinsberg fungieren möchte. Seit den 1950er Jahren haben mehrere Generationen kleiner Laternenträger vom ehrenamtlichen Einsatz der Wehrleute profitiert. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Hunderte Kinder, vor allem der Grundschule, sind davon betroffen.

„Wir schieben das Thema schon seit fünf Jahren vor uns her“, sagt Oliver Krings, Pressesprecher der Feuerwehr. Hapert es etwa am fehlenden Nachwuchs, dass die zusätzliche Belastung nicht mehr zu stemmen ist? „Nein“, sagt Krings. „Wir haben nicht ein Nachwuchsproblem, sondern die Aufgaben der Feuerwehr nehmen einfach zu.“

Neben den zahlreichen Übungen und etwa 200 Einsätzen pro Jahr, die von den Kameradinnen und Kameraden ehrenamtlich und vorwiegend in ihrer Freizeit abgewickelt würden, könne eine Organisation des St. Martinsumzuges nicht mehr sichergestellt werden. Egal ob Radrennen, Trilagon, Konzerte, Schützen- oder Maifeste – der Löschzug werde immer herangezogen zur Unterstützung. „Unsere Ausbildung ist aber so umfangreich geworden, dass ohnehin viele Mehrstunden erforderlich sind.“

Allein schon die Einweisung an neuen Fahrzeugen verschlinge viel Zeit, meint Krings . „Es gibt in Heinsberg ein neues Tanklöschfahrzeug und eine neue Drehleiter. Das bedeutet einen Techniksprung von über 30 Jahren, den muss man erstmal in die Köpfe kriegen.“ Arbeitsschutz und Atemschutz nähmen auch einen immer größeren Raum ein. „Die Ausbildung hier hat in den letzten sieben Jahren deutlich zugenommen.“

Doch all das sei nicht der einzige Grund. „Da die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Tätigkeit im Allgemeinen und speziell bei der Feuerwehr immer geringer wird, müssen immer weniger Personen immer mehr Freizeit opfern. Leider sind daher neben dem Kerngeschäft, der Brandschutzsicherstellung, traditionelle Festivitäten, wie etwa der St. Martinszug, nicht mehr zu bewältigen.“

Die Organisation des Martinszuges im Stadtkern Heinsberg benötige eine Vorlaufzeit von circa zwei Monaten. Da die ausgegebenen St. Martinstüten ausschließlich durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert würden, seien die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen etwa vier Wochen mit der Spendensammlung zur Kostendeckung der Martinstüten beschäftigt. „Die älteren Leute haben immer gerne gegeben“, erklärt Krings, „die jüngeren nicht unbedingt.“

Auch an der Hochstraße habe sich so einiges geändert. Habe man früher locker rund 1000 Euro bei den Geschäftsleuten zusammenbekommen, seien es jetzt gerade noch rund 350 Euro. „Die Filialisten müssen immer erst in den Zentralen nachfragen.“ Doch auf das Ergebnis könnten die Feuerwehrleute natürlich nicht warten. „Die mangelnde Spendenbereitschaft lässt auch die Motivation der Sammler sinken“, weiß Krings. Die nach dem Zug verteilten Süßigkeitstüten – über 1400 seien jedes Jahr gepackt worden – seien immer kleiner geworden.

Am Martinstag selbst würden dann wieder alle Einsatzkräfte zur Absicherung des Zugwegs und der Verteilung der Martinstüten eingesetzt. Rund 50 Leute seien das.

Die Feuerwehr habe die Entscheidung, den Martinszug nicht mehr durchzuführen, bereits vor einiger Zeit dem Leiter der Grundschule Heinsberg, Thomas Heinrichs, mitgeteilt (siehe Zusatzbox). Auch der Bürgermeister sei informiert. Dieser bedauerte übrigens auf Nachfrage unserer Zeitung den Schritt der Löschgruppe, zeigte aber auch Verständnis.

Die Feuerwehr sei auch weiterhin bereit, die Zugwegsicherung sowie die Betreuung eines Martinsfeuers zu übernehmen, erklärt Krings. Wobei der Aufbau und die Organisation von anderen Stellen erfolgen müssten. Allein das Martinsfeuer sei bislang für acht Leute drei Tage Arbeit gewesen – vom Besorgen des Holzes über das Stapeln bis zur Entsorgung der Überreste. „Wir möchten klar darstellen, dass es sich nur um den St. Martinszug im Stadtkern Heinsberg handelt“, den die Feuerwehr nicht mehr veranstalten möchte. „Alle umliegenden, zur Stadt gehörenden Orte bleiben unberührt. Der St. Martinszug findet dort weiter statt.“

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