Landestheater Dinkelsbühl: Manche Szenen hart am Rand des Irrsinns

Von: hl
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Erkelenz. „Über Geschmäcker lässt sich (nicht) streiten“, weiß die Volksweisheit. Und diese Erkenntnis lässt sich auch auf das Theaterstück anwenden, das in der Stadthalle aufgeführt wurde. Die Kultur GmbH hatte das Landestheater Dinkelbühl eingeladen, das die Komödie „Mondlicht und Magnolien“ von Ron Hutchinson auf die Bühne brachte.

Während die einen auch durch starken Beifall am Ende ihre Begeisterung signalisierten, verließen andere während der Pause den Saal.

Das Stück handelt von den chaotischen fünf Tagen vor Drehbeginn eines der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, nämlich „Vom Winde verweht“, dem Drama aus dem Sezessionskrieg in den Südstaaten der USA, 1940 mit zehn Oscars ausgezeichnet. Vielen sind sicher noch die Hauptdarsteller Vivien Leigh und Clark Gable in Erinnerung in einem Werk, das zwischen Kitsch traurigen Verhältnissen, Historie und ergreifenden Einzelschicksalen schwankt.

Nach Tagebuchaufzeichnungen des Produzenten David 0. Selznik beschreibt Hutchinson, wie das Drehbuch entstanden ist (beziehungsweise sein soll) in der ständigen Auseinandersetzung zwischen Selznik (Andreas Peteratzinger), dem Regisseur Victor Fleming (Thomas Tucht) und dem Drehbuchautor Ben Hecht Gulian Niedermeier). Zwischen den Dreien agiert eine Sekretärin (Stefanie Steffens), die als Miss Poppenghul gleichzeitig das Zerrbild und die Karikatur einer Bürogehilfin darstellt. In der Entstehungsgeschichte des Lustspiels, was eigentlich ein Drama ist, spielen die drei Männer so ziemlich alle Rollen, die in dem Stück vorkommen (sollen).

Als eine Kritik gedacht

„Mondlicht und Magnolien“ verdankt seinen Titel einem Ausdruck auf der ersten Seite von Margaret Mitchell‘s Roman, die die einzige war, die der als Drehbuchautor vorgesehene Ben Hecht vor Beginn seiner Arbeit gelesen hatte. Hutchinson‘s Werk ist nun auch gedacht als eine Kritik, die gleichzeitig als Persiflage daherkommt, an dem, was hinter den Kulissen von Hollywood‘ Traumfabrik passiert.

Diese Hintergründigkeit, in der auch die Sklavenproblematik in den Südstaaten und die große Politik mit Andeutungen an Hitler und Stalin eine Rolle spielen, wird allerdings in der Erkelenzer Inszenierung (Frank Piotraschke) überdeckt: Einmal durch akustische Probleme, die wiederum verstärkt wurden durch oft allzu leises Sprechen der Akteure. Aber vor allem durch eine durchgängige Überdrehtheit, die in einigen Szenen noch einmal überdreht wurde und sich sogar hart am Rande des Irren bewegte. Klamauk ist eine noch eher harmlose Umschreibung dessen, was sich auf der Bühne abspielte. Wenn zum Beispiel der Regisseur auf dem Schreibtisch eine Gebärende in ihren Wehen mimte oder eine Ohrfeigen-Orgie Meinungsverschiedenheiten signalisierte. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Die Schauspieler gaben ihr Bestes, um ihren meist chaotischen Rollen ein Gesicht und Überzeugungskraft zu verleihen.

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