Landesbester Lagerlogistiker: Der Wächter über Waren und Paletten

Von: Nicola Gottfroh
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Einer der Männer hinter den Kulissen: Bevor die Shoppingsender-Moderatoren die Produkte und deren Vorzüge live vor den Kameras anpreisen, sorgt Lars Dreissen dafür, dass nicht nur Kartons vor der Kamera stehen. Foto: stock/Imagebroker
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Einer der Männer hinter den Kulissen: Bevor die Shoppingsender-Moderatoren die Produkte und deren Vorzüge live vor den Kameras anpreisen, sorgt Lars Dreissen dafür, dass nicht nur Kartons vor der Kamera stehen. Foto: stock/Imagebroker

Selfkant-Höngen. Für Lars Dreissen gilt es, immer den Überblick zu bewahren. Vor allem im Job. Er und seine Kollegen sind die Wächter über zigtausende Waren, über Pakete, Kisten und Paletten. Der 19-Jährige hat in diesem Jahr seine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik bei QVC abgeschlossen. Der Beruf, so hat der junge Mann aus Selfkant-Höngen in den vergangenen drei Jahren gelernt, ist viel mehr als nur langweiliges „Palettenschubsen“.

„Es geht darum, tausende Waren anzunehmen, sie korrekt zu lagern, die Kundenaufträge zu bündeln und die Waren zu versenden. Man könnte sagen, der Beruf ist eine perfekte Mischung aus Bürojob, kaufmännischer und körperlicher Arbeit“, sagt Dreissen.

Und an seinem Arbeitsplatz im QVC-Fernsehstudio in Düsseldorf ist die Sache mit der Logistik nochmal viel aufregender. „Da gehört es auch dazu, den Live-Betrieb mit Ware zu versorgen und die Produkte, beispielsweise Möbel oder elektronische Artikel vor der Sendung aufzubauen oder richtig einzustellen“, sagt Dreissen.

Und das kann Dreissen besonders gut. Seine Ausbildung hat die frischgebackene Fachkraft für Lagerlogistik mit der Note 1,0 gemacht. Und damit die beste Leistung in seinem Beruf in ganz Nordrhein-Westfalen erbracht. Am 29. November wird Dreissen von der IHK Lippe zu Detmold geehrt.

Überraschung

Dass der 19-Jährige gleich als Landesbester abgeschnitten hat, das hat ihn und seine Familie im ersten Moment schon überrascht, obwohl alle damit gerechnet hatten, dass die Prüfungsergebnisse mindestens „gut“ oder gar besser sein würden.

„Es war abzusehen, dass Lars mit einer guten Note abschneiden würde – immerhin ist Lars immer sehr gerne zur Arbeit gegangen, und man hat gemerkt, dass ihm dieser Beruf liegt“, sagt seine Mutter Marita Dreissen.

Allerdings, das muss sie zugeben, habe Lars zwar ein wenig mehr gelernt als seine beiden Drillingsbrüder, die zeitgleich Ausbildungen zum Metallbauer und Zimmerer abgeschlossen haben, aber nicht so viel wie andere Azubis.

„Ich hatte definitiv keine schlaflosen Nächte vor den Prüfungen“, sagt Dreissen. Überhaupt, so betont seine Mutter, sei ihm in den vergangenen drei Jahren vieles ohne große Anstrengung gelungen.

Weil ihm die Mittlere Reife, die er an der Realschule Gangelt gemacht hatte, nicht reichte, legte er während der Ausbildung nach und holte zwischen Lagerarbeit und Aufbauarbeiten im Studio auch noch das Fachabi nach.

„Mir ist die ganze Sache und der Spagat zwischen dem Nachholen des Abis und der Ausbildung glücklicherweise nicht besonders schwer gefallen. Weil mir der Beruf einfach liegt“, sagt er. Auch, wenn er dafür in den sauren Apfel beißen musste.

Denn eigentlich war es im Alter von 16 nicht sein Ziel, in Düsseldorf zu arbeiten und jeden Tag zwei bis drei Stunden im Zug zu verbringen. „Leider bietet die Region aber nicht viele Möglichkeiten. Und auch bei QVC in Baal hätte ich nicht die gleichen Möglichkeiten wie in Düsseldorf gehabt“, sagt er.

Deshalb fuhr er bald jeden Tag gerne mit der Bahn zur Arbeit. Und auch drei Jahre später macht ihm der Job noch Spaß. Obwohl er im Dreischicht-Betrieb arbeitet. So große Begeisterung – so gibt er zu – hätte er vermutlich nicht verspürt, wenn er den ganzen Tag im Lager verbringen müsste.

Im QVC-Fernsehstudio aber sei die Arbeitsatmosphäre eine ganz andere als im Lager eines Discounters beispielsweise. Ob in der Frühschicht oder in der Nachtschicht – „das Zuarbeiten für die Moderatoren, die dann rund um die Uhr in deutschen Wohnzimmern verkaufen, macht richtig Spaß. Da macht es mir auch nicht viel aus, um vier Uhr morgens aufzustehen“, sagt Dreissen.

Dass er direkt für die Show arbeitet, heißt allerdings nicht, dass er weniger zu tun hat als Lagerlogistiker in anderen Bereichen oder diejenigen, die im Hückelhovener Lager, in dem auch Dreissen während der Ausbildung drei Monate unterwegs war, beschäftigt sind.

Rund 700 Artikel gehen jeden Tag durch seine Hände, 50 bis 100 sind es in der Stunde. Gerade wenn jemand wie der Modedesigner Harald Glööckler auf Sendung ist, hat Dreissen die Aufgabe, nicht nur eine bestimmte Hose und ein T-Shirt heran zu schaffen, sondern die jeweilige Hose und Bluse in dutzendfacher Ausführung in verschiedenen Größen und Farben.

Und auch vom Ananasschneider oder der Pfanne, von der Bettwäsche oder dem Geschirrservice müssen mehrere Exemplare hinter den Kulissen stehen.

Lars Dreissen möchte weiterhin im Studio arbeiten. Ein großes Ziel hat er allerdings noch. In den nächsten Jahren möchte er gerne seinen Meister machen. Natürlich neben der Arbeit. Das ist er inzwischen ja schon gewöhnt.

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