Heinsberg - Labor-Experiment: Schüler sind dem Täter auf der Spur

Labor-Experiment: Schüler sind dem Täter auf der Spur

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Präzision: Schüler der Heinsberger Realschule erstellen ihren genetischen Fingerabdruck im Bus des Biotechnikums. Fotos (6): Gerhards Foto: Gerhards

Heinsberg. Ein Verbrechen ist geschehen. Ein Mensch wurde ermordet. Es gibt eine Hand voll Verdächtiger. Aber nur einer war am Tatort. Das muss der Täter sein. Weil der Mörder Spuren am Tatort hinterlassen hat, kann die Polizei ihn überführen – mit Hilfe der Wissenschaft. Wie das genau funktioniert, konnten Schüler der 10. Klasse der Heinsberger Realschule am Donnerstag im Labor des Biotechnikums ausprobieren.

Für Schülerin Paola Pomp beginnt das Experiment mit einem Wattestäbchen. Im Krimi heißt das: Speichelprobe nehmen. So ganz richtig ist das nicht. Nur mit Speichel kann man gar keinen genetischen Fingerabdruck erstellen. Dafür benötigt man schon Mundschleimhaut. Damit der Versuch funktioniert, muss die 16-Jährige einige Sekunden mit dem Stäbchen an ihrer Wangeninnenseite schaben. Was hängen bleibt, ist der Stoff, mit dem die Experten des Bundeskriminalamtes Verbrechern auf der Spur sind.

Paola Pomp und die anderen Schüler erfahren an diesem Morgen einiges über Biotechnik. Wissenschaftler Dr. Tim Fechtner spricht darüber, wie man mit Hilfe der Biotechnik Strom erzeugt, Klamotten wäscht und Trinkwasser reinigt. In unterschiedlichen zweieinhalbstündigen Praktika lernen die Schüler verschiedene Facetten der Biotechnologie kennen.

Paola Pomp und ihre Mitschüler befinden sich etwas später auf der Suche nach dem Schlüssel zum menschlichen Erbgut. Aus der DNA lässt sich ein unverwechselbarer genetischer Fingerabdruck erstellen. Und dem nähern sich die Schüler Schritt für Schritt. Das ist kompliziert. „Aber es ist alles nachvollziehbar“, sagt Paola Pomp.

Mit einer Zentrifuge, die mit 8000 Umdrehungen pro Minuten läuft, wird die Mundschleimhaut vom Wattestab heruntergeholt, dann muss man an die DNA herankommen, die Zelle aufbrechen und die DNA herausfiltern. Dieser Prozess erfordert eine Menge Konzentration, jeder Schritt muss genau ausgeführt werden. Ein Fehler und das Experiment geht schief.

„Für viele Schüler ist das die erste Chance, so etwas wie Laborarbeit kennenzulernen“, sagt Wissenschaftlerin Dr. Anne Wiekenberg. Praktikumsplätze in Laboren von Unternehmen oder Forschungseinrichtungen zu bekommen, sei oft schwierig und Schulen könnten sich die teuren Geräte meist nicht leisten. Manchem Schüler könne man auf diesem Wege vielleicht einen Beruf im naturwissenschaftlichen Umfeld schmackhaft machen, sagt sie. Und dafür brauche man nicht in jedem Fall Abitur und ein Hochschulstudium. Im Labor seien klassische Ausbildungsberufe gefragt: also Laboranten und technische Assistenten verschiedener Spezialrichtungen.

Für die Heinsberger Realschule sei der Besuch des Forschungsmobils eine Möglichkeit, den Schülern Wissenschaft und Forschung näher zu bringen, sagt Biologielehrerin Sabine Funk. Das Themenfeld Genetik sei aktueller denn je. Aber im regulären Unterricht sei es schwierig, die Einzelheiten plastisch zu machen. Deshalb gefällt ihr gut, dass die Schüler im Biotechnikum „handlungsorientiert“ an das Thema herangehen können. Das heißt, sie experimentieren selber – mit Präzisionsgeräten. Es geht nicht ums Zuschauen, es geht ums Machen.

Am Ende steht neben der Antwort auf die Frage, welcher Verdächtige im fiktiven Mordfall am Tatort war, für Paola Pomp vor allem eine Erkenntnis: Die Laborarbeit kann richtig viel Spaß machen. „Das war spannend. Bisher hatten wir noch nie die Möglichkeit, an unsere eigene DNA heranzukommen“, sagt sie. Jetzt weiß sie, wie es geht.

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