„La Nera“ zeigt anschauliches Bild vom Mafia-Milieu

Von: defi
Letzte Aktualisierung:
5083152.jpg
Der Krimiautor Claudio Michele Mancini stellte in der Bücherkiste Wassenberg seinen Mafia-Roman „La Nera“ vor. Foto: defi

Wassenberg. „Ich gucke jetzt ganz anders auf ein Schnitzel“, sagte Ulla Kurzweg nach der Lesung des Krimiautors Claudio Michele Mancini in der Wassenberger Bücherkiste. Die Sache mit dem „Schnitzel“ ist eine etwas makabre Szene aus Mancinis 2012 erschienenem Roman La Nera, der sich mit der italienischen Mafia befasst.

Ein paar Mafiosi fahren aufs Land zu einem in Misskredit geratenen Kleinbauern, der halbwilde Schweine züchtet. Es wird zunächst gelacht und getrunken, bis der Schweinezüchter so betrunken ist, dass ihn seine vermeintlich wohlgesonnenen Mitzecher problemlos in den Schweinekoben werfen können. So viel zum Schnitzel...

Ulla Kurzweg vom Team der Bücherkiste hatte den zahlreichen Zuhörern in der Aula der Gemeinschaftsgrundschule Wassenberg den Autor vorgestellt. Claudio Michele Mancini wurde kurz nach Kriegsende als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters geboren und wuchs in der italienischen Provinz Verbania auf. 1964 machte er auf einer Klosterschule Abitur, studierte in München Psychologie und arbeitete danach als Dozent und weltweit als Unternehmensberater. Mancini lebt heute wieder in der Nähe seines Geburtsortes am Lago Maggiore. In seinen Romanen, die häufig im Mafia-Milieu spielen, greift er reale Kriminalfälle auf, recherchiert die Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern und Betroffenen. In La Nera geht Claudio Michele Mancini auf die Rolle der Frauen in der Mafia-Hierarchie ein. Nach dem Tod eines Paten seien immer häufiger die hinterbliebenen Ehefrauen in wichtige Positionen nachgerückt und würden ihre Macht mit einer Brutalität ausüben, die die der Männer noch überträfe. Mancini versteht es, ein anschauliches Bild des Mafia-Milieus zu zeichnen. Dem theoretischen Wissen über die Mafia, das die Zuhörer mitbrachten, gab Mancini nicht nur mit den Texten aus seinen Büchern, sondern auch mit Bildprojektionen etwa von Tatorten Wirklichkeit.

Mancini schildert in seinem Buch das Schicksal der jungen Sizilianerin Sophia. Aus einfachen Verhältnissen stammend heiratet sie unwissentlich in die „ehrenwerte Familie“ ein. Nach der Ermordung ihres Mannes, eines Schönheitschirurgen, der im Organhandel reich geworden ist, wird Sophia selbst zur Patin und hat nun die Macht Rache zu nehmen; Rache für eine in ihrer Jugend erlittene Vergewaltigung durch den Sohn eines Mafiosi und die Ermordung ihres Bruders.

Weiter geht es im Jahresprogramm der Bücherkiste am Freitag, 22. März, mit dem Autor Ulrich Land. Ulla Kurzweg freut sich: „Ulrich Land kommt schon zum dritten Mal zu uns, der muss irgendwie einen Narren an uns gefressen haben.“ Vielleicht mag der Autor ja die familiäre Atmosphäre in der Bücherkiste. Land nimmt in seinem neuen Roman Krupps Katastrophe die Spur des mysteriösen Todes von Friedrich Alfred Krupp im November 1902 auf. Krupp starb im Alter von nur 48 Jahren auf Capri, nachdem anonyme Briefe auf homosexuelle Neigungen des Essener Weltkonzernchefs aufgetaucht waren.

Die Lesung mit musikalischer Begleitung und je nach Wahl mehr oder weniger großen Häppchen findet im Haus Wilms in Effeld statt: Beginn ist um 19 Uhr, Ende mit Nachschlag bei Hauptgang und Dessert. Informationen gibt es unter www.buecherkiste-wassenberg.de. Reservierungen unter Telefon 02432/3071 oder www.haus-wilms.de/kontakt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert