Kurioses Vereinsrecht: Muss das Trommlercorps den Namen ändern?

Von: Nadine Tocay
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Seit 1933 trägt der Musikverein denselben Namen. Ihn jetzt womöglich ändern zu müssen, stößt auf Unverständnis. Foto: Hoffmann
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Sven Hoffmann, Geschäftsführer des Vereins, ärgert sich über das Verhalten des Amtsgerichts in Mönchengladbach. Foto: Tocay

Erkelenz-Gerderath. Seit Jahrzehnten trägt das „Trommler- und Pfeifercorps Gerderath 1933 e.V.“ seinen Namen. Doch wegen eines Übertragungsfehlers des zuständigen Gerichts steht der Verein kurz davor, ihn ändern zu müssen. Er soll das Jahr der Gründung, 1933, zukünftig nicht mehr erwähnen dürfen. Für seine Mitglieder eine Katastrophe.

„Wenn wir Vereinsjubiläen feiern, worauf berufen wir uns dann, wenn man uns unsere Identität nimmt?“, fragt Sven Hoffmann, erster Schrift- und Geschäftsführer.

Im Jahr 2015 beschloss der Vorstand des Vereins, die Dauer der Wahlperioden zu verändern. Das musste in der Satzung festgehalten werden. Ein Rechtspfleger änderte deshalb zwei Paragrafen des Dokuments. Die Satzung musste daraufhin beim Amtsgericht in Mönchengladbach zwecks Dokumentation im Vereinsregister eingereicht werden. Doch lange vorher war ein Fehler passiert, der bis dato niemandem aufgefallen war, dem Verein aber nun zum Verhängnis werden könnte.

„1989 erstellten wir unsere erste Satzung, wir wurden ein eingetragener Verein, sicherten uns so ab. Seitdem hatte die Satzung Bestandsschutz“, erzählt Hoffmann. Niemand bemerkte, dass bei der Übertragung des Gerichts in Erkelenz, das damals noch für den Verein zuständig war, der Name aus dem Schriftstück im offiziellen Amtsdokument falsch übernommen worden war. Dort steht „Trommler- und Pfeiferkorps Gerderath e.V.“ – mit einem „k“ statt einem „c“ geschrieben. Auch die Ziffern 1933 fehlen. Dem aktuellen Sachbearbeiter fiel die Unstimmigkeit auf.

Damit der Verein sein Gründungsjahr nun weiterhin im Namen tragen darf, braucht er einen Beweis, dass er 1933 gegründet wurde. „Diese Unterlagen können wir aber nirgendwo finden. Wahrscheinlich sind sie während der Kriegszeit weggekommen“, meint der Geschäftsführer. Auch das Protokoll der Sitzung, in der der Name 1989 beschlossen wurde, ist weg. Selbst das Stadtarchiv habe man schon angeschrieben und um Hilfe gebeten, doch ohne Erfolg.

„Das Recht ist eine Sache, aber die beim Amtsgericht sollen mal Fünfe gerade sein lassen“, findet Hoffmann. Denn man könne glaubhaft machen, dass das Corps 1933 gegründet wurde. Schließlich gebe es eine Menge Zeitungsartikel über den Verein. Sei es ein Bericht über sein 50-jähriges Bestehen im Jahr 1983 oder über den ersten Auftritt im Jahr 1934.

„Glaubhafter Nachweis“ nötig

Ob das ausreicht, ist zweifelhaft, wie Gerichtssprecher Jan-Philip Schreiber sagt: „Bei Jahreszahlen im Vereinsnamen ist es nun einmal nötig, dass wir einen glaubhaften Nachweis haben.“ Eine Zeitung prüfe in der Regel bei der Berichterstattung über Vereinsjubiläen nicht, ob die Angabe des Gründungsjahres korrekt ist.

Und ob der Fehler damals bei der Übertragung in Erkelenz passiert sei, könne man nicht mehr nachvollziehen. Doch es besteht Hoffnung für den Verein: „Als Nachweis muss nicht zwangsläufig die Gründungsurkunde vorgelegt werden“, sagt Schreiber. Ein Zeugenbeweis oder eine eidesstattliche Versicherung könnten schon ausreichen. Dies habe jedoch letztlich der zuständige Rechtspfleger zu entscheiden.

Die Musiker geben nicht auf, haben sich für die nächsten Schritte einen Anwalt genommen. Den Antrag zum Satzungseintrag haben sie vorerst zurückgezogen, um Zeit zu gewinnen. „Wenn uns tatsächlich keine andere Wahl bleibt, müssen wir eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, beschließen, dass es ein ‚c‘ statt eines ‚k‘ im Namen ist und dass die Jahreszahl wegfällt“, sagt Hoffmann. Dann muss die Satzung neu beschlossen und eingereicht werden.

Ein solches Prozedere sei allerdings der letzte Ausweg. Denn in Konsequenz müssten auch die Embleme auf der Uniform, Briefbögen, der Druck auf Instrumenten und die Internetseite neu gemacht werden. Das wären enorme Kosten, die anfielen, die zusätzlich zu den Gebühren beim Amtsgericht, Notar und Anwalt auf den Verein zukämen – von der persönlichen Niederlage einmal abgesehen. „Die ganze Sache belastet natürlich. Wir möchten doch nur ehrenamtlich Musik machen“, betont Hoffmann.

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