Kurioses in der Kläranlage: Gummistiefel, Mandarinen und mehr

Von: Sonja Essers
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Abwassermeister Gerd Geiser kennt die Kläranlage Heinsberg-Kirchhoven bestens. In der Schaltwarte haben er und seine Kollegen den Blick auf die gesamte Anlage. Foto: Sonja Essers

Heinsberg-Kirchhoven. Als Gerd Geiser einen Blick in die Rechenmaschine wirft, macht sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. „Sie glauben gar nicht, was hier schon alles gelandet ist“, sagt der Abwassermeister der Kläranlage in Heinsberg-Kirchhoven. Die Liste der kuriosen Gegenstände, die immer wieder in der Maschine im Rechengebäude landen, ist lang. Gummistiefel und Schuhe sind nur zwei von etlichen Beispielen.

„Jeder Mitarbeiter hat mindestens einmal in seiner Karriere das besagte Gebiss gefunden, das in die Toilette gefallen ist“, sagt Geiser und sein Kollege Michael Houben – ebenfalls Abwassermeister – nickt zustimmend mit dem Kopf. „Je größer die Stadt, umso vielfältiger sind die Dinge, die hier ankommen“, sagt Geiser.

Mehr Arbeit und Kosten

Doch nicht alle Gegenstände, die in der Anlage landen, bringen Geiser zum Lächeln – ganz im Gegenteil. Hygieneartikel, Essensreste, Wattestäbchen und vor allem Feuchttücher sind vor allem für die Pumpen, durch die das Wasser sich seinen Weg zur Kläranlage bahnt, der größte Feind. Warum? Ganz einfach: Sie verstopfen Rohre und Kanäle und verursachen so nicht nur mehr Arbeit, sondern kosten auch.

Besonders Feuchttücher seien schlimm, da sie reißfest sind und deshalb so gut wie jeder Bearbeitung standhalten würden, macht Geiser deutlich. Auch an diesem Tag hat sich einiges seinen Weg bis zum Filter der Kläranlage gebahnt. Vor allem Papiertücher und Essensreste, wie ein Stück Mandarine, sind in der Rechenmaschine hängen geblieben.

Rund 10.000 Kubikmeter Abwasser kommen täglich in der Kläranlage in Kirchhoven, an der insgesamt 32.000 Haushalte angeschlossen sind, an. Das sind rund drei Viertel aller Haushalte im gesamten Heinsberger Stadtgebiet, macht Geiser deutlich. Für die übrigen Einwohner sei die Kläranlage in Heinsberg-Dremmen zuständig.

Pro Kopf kommen täglich zwischen 120 und 130 Liter Abwasser zusammen. Klingt nach einer gewaltigen Menge. Beim genaueren Hinsehen relativiert sich der Wert allerdings. „Da ist wirklich alles mit eingerechnet. Das Duschen genauso wie der Gebrauch der Waschmaschine und das Spülen“, sagt Geiser. Er und seine Kollegen kümmern sich darum, dass aus dem Abwasser wieder sauberes Wasser wird. Bevor dies allerdings der Fall ist, muss es durch die verschiedenen Stationen der Kläranlage laufen.

Los geht die mechanische Reinigung im Zulaufpumpwerk. „Alles, was man sehen kann und was nicht ins Wasser gehört, wird hier entfernt“, sagt Geiser. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das, dass alle Gegenstände entfernt werden, die größer als acht Millimeter sind. Die spiralförmigen Schneckenpumpen bringen das Wasser zum Filterstufenrechen, der sich im Rechengebäude befindet.

Von dort aus geht es für das Wasser in den belüfteten Sand- und Fettfang. Eine Walze sorgt dafür, dass der Sand sich im Becken absetzt. Das Fett, das beispielsweise beim Kochen im Wasser haften bleibt, wird in einem gesonderten Becken gesammelt.

Schwarzer Sand

In der Sandwaschanlage wird der übrig gebliebene Sand, der danach leicht schwarz schimmert, gereinigt. In Kirchhoven wird dieser danach entsorgt. Das müsste jedoch nicht sein. „Man könnte den Sand sogar zum Straßenbau verwenden“, sagt Gerd Geiser. Anders sei es jedoch mit dem Schlamm, der sich erst im Vorklärbecken und später im Belebungs- und Nachklärbecken absetzt.

Rund um die Uhr werden in den beiden Belebungsbecken der Anlage die Werte von Stickstoff, Phosphat und Kohlenstoff gemessen. Auch der Überschuss an Sauerstoff werde gemessen, sagt Geiser. Diesen brauchen schließlich die Bakterien, die sich in den Becken gebildet haben und das Abwasser vom Dreck befreien. Bei diesem Prozess entstehe jedoch Schlamm, der schließlich im Nachklärbecken abgesaugt wird.

Danach wird dieser rund 20 Tage in einem Faulturm gelagert und in einer Maschine, der sogenannten Kammerfilterpresse, zusammengepresst. Das Resultat erinnert von seiner Farbe und Konsistenz an Blumenerde und wird im RWE-Kraftwerk in Weisweiler dann gemeinsam mit der Braunkohle verbrannt. Für das Wasser geht´s weiter ins Filtrationsgebäude. Dort wird es erneut gefiltert und ist nun sichtlich geklärt.

Gerd Geiser und seine Kollegen können von der Schaltwarte aus das gesamte Geschehen in der Anlage überblicken. Bis zu fünf Mitarbeiter sind im Klärwerk Kirchhoven gleichzeitig vor Ort. „Das Klärwerk arbeitet 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr und wir auch“, sagen Geiser und Houben. Tagsüber ist die Anlage besetzt, kommt es zu einem Zwischenfall in der Nacht, müssen die Abwassermeister ausrücken.

Besuch von Schulklassen

Doch nicht nur die Überprüfung des einwandfreien Ablaufs gehört zu ihren Aufgaben. Ab und zu besuchen auch Kindergarten- und Grundschulkinder das Kraftwerk und werden dort von Gerd Geiser und seinen Kollegen durch die Anlage geführt. Ein Ausflug, der sich für Klein und Groß lohne, sind sich die Männer sicher. Schließlich gebe es noch immer genügend Menschen, die nicht darüber aufgeklärt seien, was in die Toilette gehöre und was nicht.

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