Kunstwerke mit Fäden gemalt: Textile Kunst als Lebenswerk

Von: Monika Baltes
Letzte Aktualisierung:
12916468.jpg
Beim Klöppeln wird mit auf Spulen aufgedrehtem Garn Spitze angefertigt. Foto: imago/chromorange
12916488.jpg
Yvonne Scheele-Kerkhof (rechts) hat es darin zur Meisterschaft gebracht. Foto: mb
12916494.jpg
Einen Ausschnitt ihres Lebenswerkes zeigt sie im Flachsmuseum. Foto: mb

Wegberg-Beeck. Sich zu verlieben, das kann zweifellos ungeahnte Folgen haben. Yvonne Scheele-Kerkhof verliebte sich 1977 in wunderschöne, dekorierte Stäbchen aus Holz und Bein, am Ende mit Glasperlen verziert. Wöchentlich ist sie an dem Antiquitätengeschäft in England, ihrem damaligen Wohnort vorbeigegangen, um sie zu bewundern und hatte keine Ahnung, wozu man sie benutzte.

In einer Ausstellung hat sie beobachtet, dass jemand mit diesen Stäbchen Spitzen herstellte, hat kurzerhand die Spitzenklöppel gekauft und einen Klöppelkurs belegt. „Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu klöppeln.“

Charmant berichtete die Künstlerin bei der Eröffnung ihrer Ausstellung „The Beauty oft he Orient“ im Beecker Flachsmuseum von den Anfängen ihres Schaffens. Was unter ihren Händen entstanden ist, ist von so unglaublicher Anmut, von so zarter Zerbrechlichkeit, von so filigraner Grazie, dass es den Bewunderern an den Vitrinen und vor den gerahmten Bildern glatt die Sprache verschlug.

Verschiedene Techniken probierte sie aus, hat sich zunächst auf Withof Duchesse und Florale Bedfordshire spezialisiert. In Singapore war es wiederum ein Antiquitätenhändler, der ihrem Tun eine neue Richtung gab. Ein Gewand mit einer exquisiten Stickerei beeindruckte sie so sehr, dass sie unbedingt dieses Motiv in Spitze umzusetzen wollte. „Da begann für mich ein neues Spitzenabenteuer.“

Sie wählte glänzende Seidenfäden als Material, experimentierte und entwickelte die ihr bekannten Techniken weiter, um die asiatischen Designs zu gestalten. „Mit Fäden malen“, nennt sie ihre Kunst und das kommt dem, was den Betrachter erwartet, wohl sehr nahe. Die Diskussion, ob Klöppeln nun Kunst oder Handwerk ist, quittiert sie mit einem Lächeln: „Für mich ist Klöppeln ein Geschenk!“

Mit viel Liebe zum Detail ist die Ausstellung zusammengestellt worden. Gerade die asiatischen Motive sind für europäische Augen fremd. Da sind die kurzen Kommentare zu den Motiven durchaus hilfreich. Wer weiß in Deutschland schon, dass die neun Ränge der Staatsdiener jeweils durch einen Vogel gekennzeichnet sind oder dass die Fledermaus Glück symbolisiert.

Wenn das Flachsmuseum solche Kostbarkeiten präsentiert und sich der Ausstellungsraum in eine Schatztruhe textiler Kunst verwandelt, ist – wie auch in diesem Fall – Inge Theissen beteiligt. Vor zwei Jahren hatte sie in den Niederlanden Teile der Ausstellung bewundert und ihr „ging das Herz auf.“ Kontakte wurden geknüpft und als die Künstlerin bei einem Besuch in Beeck den Wunsch äußerte, ihr Lebenswerk hier auszustellen war ihre Freude groß. „Lassen Sie sich verzaubern!“, riet sie den zahlreichen Besuchern der Vernissage.

Yvonne Scheele-Kerkhof unterrichtet weltweit in der Kunst der Spitzenherstellung und veröffentlichte mehrere Fachbücher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert