Kunstausstellung: „Perfektionierung der Spontaneität“

Von: Anna Petra Thomas
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Sehenswert: Prof. Dieter Crumbiegel (l.) und Hermann Josef Mispelbaum mit der Skulptur „Hirschmann“, die Mispelbaum noch bis Sonntag in Karken ausstellt. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Karken. Sie wäre in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden, die im April 2012 verstorbene Künstlerin Marlies Seeliger-Crumbiegel, die in Karken lebte. Ihr zu Ehren stellen ihr Mann, Prof. Dieter Crumbiegel, und der in Übach-Palenberg lebende und mit Crumbiegel befreundete Künstler Hermann Josef Mispelbaum noch bis kommenden Sonntag, 18. Dezember, in der „Galerie im End“, End 61, täglich von 15 bis 18 Uhr ihre Werke aus.

Zahlreiche Gäste konnten Crumbiegel und Mispelbaum zur Vernissage begrüßen. Crumbiegel zeigt neue Werke seiner Malerei, Mispelbaum Zeichnungen und Skulpturen. Zu Beginn der Veranstaltung spielte die Kölner Cellistin Johanna Stein zwei Sätze aus der ersten Suite von Bach für Violoncello solo. Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges aus Aachen, die in die Ausstellung einführte, erinnerte sich zunächst an ihre erste Begegnung mit Marlies Seeliger-Crumbiegel, die sie um „eine wunderbare menschliche Begegnung bereichert“ habe.

In der aktuellen Ausstellung treffe die Malerei auf die Zeichnung, „das heißt Fläche trifft Linie, Farbe trifft Schwarz-Weiß.“ Gemeinsam sei den beiden Künstlern jedoch die abstrahierende Bildsprache. Nach einem Rückblick in die Geschichte der abstrakten Malerei widmete sich die Kunsthistorikerin zunächst den Arbeiten Crumbiegels, der in seinem Atelier etwa ein Dutzend neuerer Werke zeigte. Bei ihnen sei es vor allem „das leuchtende Zusammenspiel monumentaler Abstraktionen“, das den ersten Eindruck beherrsche. „Seine Bilder wollen nicht auf etwas verweisen, sie deuten nichts, sie sind, was sie sind, sie geben nicht vor, etwas darzustellen“, betonte sie. „Der Maler betont mit aller Deutlichkeit die Autonomie der Abstraktion.“

Das Resultat eines inneren Dialogs mit sich und der Welt, mit Farbe und Form, übergebe der Maler der Öffentlichkeit, wo es mit dem Betrachter in einen neuen Dialog trete. „Die statischen Elemente wie ein unbewegtes Türkis lassen uns verharren, die dynamischen Elemente eines bewegten und gerundeten Pinsel- oder Rakelstrichs lassen uns zügig weiter wandern“, so Alexandra Simon-Tönges. Was Crumbiegel antreibe, sei das Zusammenwirken von Form und Farbe. „Seine Gemälde repräsentieren die Konzeption einer Welt, die aus einfachen Elementen und Relationen gemacht ist und trotzdem eine unendliche Ganzheit bildet.“

Hermann Josef Mispelbaums Bildsprache sei dagegen die Zeichnung. Etwa 20 davon zeigt er in der Ausstellung, darüber hinaus drei Skulpturen. Sein Zeichenstil sei sehr linienbetont und seine Zeichnungen mit Bleistift auf getöntem Papier würden um die Themen Mensch, Natur und Erde kreisen. Werktitel wie „Welt-Frost-Tage“ oder „Erdwagen“ würden dem Deuten und Denken eine erste Richtung geben, seien eine Basis für weitere Assoziationsmöglichkeiten. „Jede Zeichnung behält immer etwas Rätselhaftes, was zugleich die Faszination dieser Werke ausmacht.“

In der Ausstellung würden sich nun zwei völlig unterschiedliche Stile begegnen, die aber doch viele Gemeinsamkeiten hätten. So hätten beide Künstler Interesse am Aufbau einer Dramaturgie in ihren Werken, hinter die der ästhetische Aspekt zurücktrete. Ihre Bildsprache habe ein unterschiedliches Vokabular, doch beide würden dies mit dem „unbedingten Willen zur Perfektionierung der Spontaneität verbinden“, so die Referentin. „Jeder Farbstrich, den Dieter Crumbiegel zieht, sitzt. Jede Linie, die Hermann Josef Mispelbaum zieht, stimmt.“

Zudem würden sich die Werke beider Künstler einer schnellen Erfassung widersetzen. „Sie verlangen nach konzentrierter und kontemplativer Betrachtung.“

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