Wegberg-Rickelrath - Kulturelles Experiment: „Mord und Musik“ fast wie im Radio

Kulturelles Experiment: „Mord und Musik“ fast wie im Radio

Von: hewi
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Ungewöhnlich war die Umgebung, in der es „Mord und Musik“ gab. Wie hier Dr. Clemens Hardmann unterhielten Autoren und die Gruppe Quod libet bei einem gelungenen künstlerischen Experiment. Foto: Passage

Wegberg-Rickelrath. Es sollte ein kulturelles Experiment sein, zu dem der Förder- und Museumsverein Schrofmühle Gäste eingeladen hatten. In dem historischen Gebäude gab es zwischen Mahlwerken und Lagerflächen „Mord und Musik“. Die Musiker von Quod libet aus Wegberg sorgten für den musikalischen Part, für die mörderische Komponente sorgten Geschichten aus der Anthologie „Unter Nachbarn“.

Darin haben die Herausgeber Helmut Wichlatz und Kurt Lehmkuhl deutschsprachige und niederländische Geschichten aus dem Meinweg-Gebiet zusammengetragen.

Lehmkuhl, Verleger Hans Krupp und Dr. Clemens Hardmann stellten Geschichten aus dem Buch vor, die vor allem in den Wegberger Mühlen spielen. Den Auftakt machte Hardmann mit seiner Geschichte „Kinder des Lichts“. Eine bissige Story über selbsternannte und geradezu kriminelle Heilsbringer, die ihre Opfer ins Unglück stürzen, um sich selbst zu bereichern.

Vermischt und angefüttert war die Story mit viel Lokalkolorit und Detailkenntnissen um und aus Wegberg. Die Betrüger saßen gemütlich in der Molzmühle zusammen, um zu beratschlagen, wer als nächstes Opfer auserkoren werden könne. Durch seinen pointierten und zugleich ironisch klingenden Vortrag unterstrich Hardmann die beißende Kritik noch.

Die Zuhörer verteilten sich im Mühlraum auf zwei Ebenen in dem ehemaligen Mühlraum, der durch Kerzen heimelig und zugleich spärlich ausgeleuchtet war. Manch einer bekam weder die Musiker zu Gesicht, die von der obersten Ebene des Arbeitsraumes aus das Publikum unterhielten, noch die Autoren, die es sich auf einem Schemel neben einem Mahlstein bequem gemacht hatten. „Das ist wie Radio“, kommentierte eine Besucherin, die im Untergeschoss saß, den Umstand.

Krupp las die Geschichte „Fette Beute am Schlossweiher“ des Autors Gerd Grunewald vor, Grunewald lebte bis vor kurzem noch in Wegberg. In seiner Geschichte angeln ein Polizist und ein Journalist eine sogenannte Fettwachsleiche aus dem Tüschenbroicher Weiher. Durch seine Montagetechnik erzählt Grunewald sowohl die Entdeckung der Leiche in der heutigen Zeit als auch den Tathergang der Ermordung zu Zeiten der napoleonischen Besatzung. Die Geschichte basiert auf einem dokumentierten Vorfall, der sich in der Rickelrather Neumühle zugetragen hat. Historische Detailkenntnis und humorvoller Schreibstil machen den Reiz aus.

Nach einer Pause erzählte Lehmkuhl, wie man seine Schreibblockade überwinden kann – nämlich durch ein paar inspirierende Morde, zum Beispiel an der Dalheimer Mühle. Er berichtete aber auch über das grenzüberschreitende Literaturprojekt an sich, dessen Ergebnisse in dem zweisprachigen Wendebuch zu finden sind.

Mit der Veranstaltung, die mit einem furiosen „Lord of the Dance“ von Quod libet endete , sei ein Versuchsballon gestartet worden, betonte Mühlenbesitzer Dr. Ferdinand Schmitz. Es galt zu testen, ob die Mühle nicht nur als Museum, sondern auch als Veranstaltungsort für kulturelle Angebote angenommen werde. Nach dem „Konzert mit Lesung“ oder der „Lesung mit Musik“ konnte der Testlauf als erfolgreich bewertet werden.

Auch wenn das Ereignis für einige war „wie Radio“ – verbunden mit dem schwärmerischen Zusatz: „Aber schöner.“

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