Heinsberg - Kulturelle Hürden überwinden: Integratives Wochenende

Kulturelle Hürden überwinden: Integratives Wochenende

Von: Rainer Herwartz
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Heinsbergs Integrationsbeauftragter Wolfgang Paulus setzt auf gelebtes Miteinander. Foto: Rainer Herwartz
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Auch beim Klettern kommt man oft gemeinsam besser ans Ziel. Das sollen die Jugendlichen in der Praxis erfahren. Foto: imago

Heinsberg. Aus dem Mund manch Offizieller, ob Politiker oder Funktionär, wird Integration oft staubtrocken behandelt. Über Probleme oder Fortschritte auf dem richtigen Weg häufig fabuliert, meist unterfüttert mit einem nüchternen Zahlenwerk. Die Stadt Heinsberg, allen voran der Integrationsbeauftragte Wolfgang Paulus, nähert sich dem Thema eher von der praktischen Seite.

Sport, Spaß und Spannung sind hier Trumpf. Bei einem Integrativen Abenteuersport-Wochenende sollen bald 25 elf bis 14 Jahre alte Jungs (die Mädchen folgen später) mit unterschiedlichem Migrationshintergrund lernen, wie wichtig es sein kann, an einem Strang zu ziehen.

„Es soll in unkomplizierter Weise ein Miteinander ohne Rücksicht auf kulturelle Herkunft oder Nationalität durch gemischte Gruppen erreicht werden“, sagt Wolfgang Paulus. Das Projekt, das unterstützt wird durch „Jugend aktiv – Verein für unabhängige Jugendarbeit im Kreis Heinsberg“ und eine freundliche Spende des Gewerbe- und Verkehrsvereins, habe sogar eine rechtliche Grundlage, erläutert Paulus: das „Gesetz zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration in Nordrhein-Westfalen“.

Allgemein gelinge die Integration am besten mit der Jugend, so Paulus. Doch leicht sei es dennoch nicht, die jungen Leute zu begeistern und „an einen Tisch“ zu holen. „Wir haben uns daher auch für Abenteuersport entschieden, weil kaum noch Jugendliche mit den traditionellen Sportarten in der Freizeit zu locken sind.“ An Fußball, Handball oder Volleyball bestehe nur noch wenig Interesse. „Die Ursache dürfte in einer zunehmenden virtuellen Kommunikation Jugendlicher unter Nutzung der sozialen Netzwerke liegen und dadurch bedingte intensive Beschäftigung mit dem PC.“ Der begeisterte Laufsportler und Vater zweier Söhne spricht da aus Erfahrung.

Nachdem Paulus alle Schulen im Stadtgebiet angeschrieben hatte, waren die Plätze für das vom 25. bis 27. Januar stattfindende Abenteuersport-Wochenende schnell vergeben. Vor allem von der Don-Bosco-Schule und der Hauptschule Oberbruch hätte es viele Bewerbungen für das im Hinblick auf die Teilnehmerzahl limitierte Wochenende gegeben.

„Der Stand- und Austragungsort ist in der Sporthalle an der Karl-Arnold-Straße. Da werden wir die Kletterwand nutzen“, so Paulus. Besonders freut ihn in diesem Zusammenhang, dass sich zwei Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, die im Bereich Absicherung ausgebildet seien, zur Hilfestellung bereiterklärt hätten. Auch das Erleben von Geschwindigkeit und freiem Fall steht auf dem Programm. „Wir werden zudem einen sogenannten Sensorikpark aufbauen, bei dem in der abgedunkelten Halle ohne jede Sichtmöglichkeit ein Parcours mit Tunnelgängen, Slalomführungen, Mattenüberquerungen und Kastenüberwindungen zu absolvieren ist.“

Der Birgelener Wald werde in diese Art Herausforderung ebenfalls mit einbezogen. In Kleingruppen müssten die Jugendlichen sich hier durch die Finsternis an einem 300 Meter langen Seil entlangtasten. Übernachtet werde schließlich auf dem Jugendzeltplatz in Birgelen. „Am Ende findet ein reflektorischer Austausch des Erlebten statt“, so der 60-Jährige, „bei dem die Jugendlichen ihre Eindrücke im Hinblick auf die kulturellen Unterschiede schildern können.“ Vielleicht werden sie sich ja nicht nur an einem Seil entlang, sondern auch aufeinander zu tasten.

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