Künstler Michel Saran malt für den Sparkassenneubau

Von: kalauz
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Mit „Geld“ hat der Künstler Michael Saran ein Bild geschaffen, das viele Geschichten erzählt. Foto: kalauz
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Auf zehn Tafeln, in drei Blöcke aufgeteilt, 2,10 mal 4,10 Meter im Gesamtformat, hat Saran Figuren, Porträts, Szenen und Chiffren, die rund um die Genese des Geldes von Bedeutung sind, drappiert. Fotos (2): kalauz Foto: kalauz

Erkelenz. Das ist doch... Ja, ganz sicher: Der da ziemlich in der Mitte des riesigen Bildes, der Kerl da ganz oben... das ist Karl, Karl Marx. Ja, „der“ Karl Marx, der mit dem Bart und der wallenden Matte, Karl Marx, der mit dem „Kommunistischen Manifest“. Auf einem Bild in dem repräsentativen Neubau der Kreissparkasse Heinsberg in Erkelenz! Wie geht das denn?

Es macht Sinn. Denn Karl Marx war auch ein bedeutender Ökonom und hat mit dem „Kapital“ eine Art Standardwerk hinterlassen, das für jedes Geldinstitut, also auch für die Sparkassen, eine Art Mehrwert bietet.

Überdies ist der markante Kopf des Protagonisten der Arbeiterbewegung nur einer von vielen Köpfen in dem großformatigen Triptychon, das der früher in Millen ansässige, heute in Erkelenz lebende und wirkende Michel Saran im Auftrag der Kreissparkasse Heinsberg für den prägenden Neubau an der Kölner Straße in Erkelenz gemalt hat. „Geld“ ist es betitelt. „Wohl und Wehe“ fügt der Maler im Untertitel hinzu. Auf zehn Tafeln, in drei Blöcke aufgeteilt, 2,10 mal 4,10 Meter im Gesamtformat, hat er Figuren, Porträts, Szenen und Chiffren, die rund um die Genese des Geldes von Bedeutung sind, drappiert. Ein Bild, das viele Geschichten erzählt.

Mann mit Geschichte

Auch Saran ist ein Mann mit Geschichte: In Halberstadt in der damaligen DDR geboren, hat er vor seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1961 an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert, von 1961 an bis 1966 dann zusammen mit Sigmar Polke und Gerhard Richter an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Ganz so groß rausgekommen wie seine beiden Studienkollegen ist er nicht, aber auch Michel Saran hat sich über die Region hinaus einen Namen geschaffen. Der heute 75-Jährige ist ein Künstler mit Renomee.

„Ja, für viele wird das ein Hammer sein, Karl Marx in einem Geldinstitut auf einem Bild zu sehen“, sagt Saran. Aber für ihn gehört der Ökonom, Philosoph und Gesellschaftskritiker nun mal bei einer visuellen Beschreibung der Geschichte des Geldwesens dazu. „Er ist ja nicht der einzige, der bei der Beschreibung der Geschichte des Geldes in meinem Bild eine Rolle spielt“, sagt der Künstler.

Momentaufnahmen

Es sind viele kleine Momentaufnahmen, miniaturhafte Episoden über eine gewaltige Zeitspanne gestreckt, die Saran in den zehn Bildtafeln, aus denen sich sein Triptychon vereint, mit teils subtilem, teils kräftigem Strich ins Bild gesetzt hat. „Als ich den Auftrag von der Sparkasse bekam, war mir klar: Es muss was Erzählendes sein“, sagt er. „Es ist für mich kein Bruch, figurativ zu arbeiten“, fügt er flugs hinzu.

Die drei kleineren, 60 mal 90 Zentimeter messenden Tafeln der linken Seite des Triptychons erzählen von der Genese des Geldwesens bei den Lydern: „Das waren“, erklärt Saran, „die ersten, die im Handel ihr Gold, das sie in Mengen hatten, gegen andere Waren getauscht haben“. Ihrem König Krösus, von seinen Soldaten auf einer Sänfte getragen, hatte das Orakel von Delphi gesagt, er werde ein großes Reich zerstören, wenn er den Grenzfluss überschreite. Krösus ahnte nicht, dass sein eigenes Reich gemeint war. Der schwarze Qualm und lodernde Flammen vor der rot glühenden Sonne symbolisierten den Untergang des ersten auf der Macht des Geldes fußenden Imperiums der Geschichte. Ein Kreislauf: Jedes hängt irgendwie mit allem und alles letztendlich mit Geld zusammen.

Auf den drei Tafeln auf der rechten Seite des Triptychons sieht man nackte Gestalten um das goldene Kalb, das bei Saran zum ausgewachsenen Stier wird, tanzen, während Moses mit den Tafeln, auf denen die zehn Gebote zementiert sind, den Weg vom Berg herunter findet. „Das war wohl der erste belegte Eingriff in den um sich greifenden Materialismus“, deutet Saran das Geld als Mammon. Der Kreislauf: Jedes hängt irgendwie mit allem und alles mit Geld zusammen.

Die vier großen Mitteltafeln richten den Blick auf das volkswirtschaftliche Bedeutungswachsen des Geldes in der Neuzeit und auf die Gegenwart des Umgangs und des Handelns mit Geld. Die Namen Jakob Fugger und Mayer Amschel Rothschild sind auch heute noch klingende Münze, Thomas Gresham gründete mit der Royal Exchange in London eine der ersten Börsen. Eine Kogge ist zu erkennen, auch dies ein Symbol: „Auf den Schiffen wurden Waren transportiert, mit denen wurde spekuliert. Sank das Schiff, war das oft der Ruin für die Kaufleute“, erläutert Saran. Der Kreislauf: Jedes hängt irgendwie mit allem und alles letztendlich mit Geld zusammen.

Und dann ist da das Porträt von Johann Christian Eberle, der wahrscheinlich bedeutendsten Persönlichkeit in der Sparkassen-Geschichte. Der Platz, an dem das neue, das Gesicht der Erkelenzer Innenstadt prägende Gebäude sich ausbreitet, trägt seinen Namen. Aber es sind auch Zeichen für die namenlosen Menschen zu finden, von denen die Sparkasse lebt: Den Knappen mit dem Bohrhammer neben dem Förderturm, einem Wahrzeichen der Region, den Malocher mit der Schippe in der Hand.

Die beiden großen, unteren Tafelbilder erzählen von der Sparkassenbetriebsamkeit heute: In der linken Bildhälfte wird die Arbeitsplatzsituation von Menschen dargestellt, die mit Geld handeln. Sie sitzen in Drehstühlen vor Monitoren, eine Dame in rot hat Schriftliches im Arm; auf der rechten Seite wird eine Situation dargestellt, die offenbar eine Beratungssituation einer Kreditvergabe an ein bürgerliches Ehepaar darstellt. Die vier Tafeln sind durch ein rotes Band formal miteinander verbunden. Der Kreislauf: Jedes hängt irgendwie mit allem und alles letztendlich mit Geld zusammen.

Ist das, was er da im Auftrag der Sparkasse für den Neubau der Sparkasse abgeliefert hat, auch das, was seine Auftraggeber erwartet haben? Michel Saran lächelt und zitiert dann den umtriebigen Kardinal Richelieu: „Ich garantiere Unbestechlichkeit bis zu einer Summe von 20 000 Louisdor.“ Das war übrigens eine Münze aus echtem Gold. Karl Marx würde rot anlaufen.

Als eine Art Wegweiser durch das Bild mit seinen zehn Tafeln liegt für die Besucher am Tag der offenen Tür im Sparkassengebäude am kommenden Sonntag in einer Auflage von 2000 Stück ein Katalog bereit. Darin breitet der mit dem Künstler befreundete Dettmar Fischer profunde Erläuterungen zu dem Triptychon aus.

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