Krimistück „Passagier 23“: Keine leichte Kost fürs Publikum

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Bühne und Zuschauerraum der Begegnungsstätte in Heinsberg verwandelte das Westfälische Landestheater mit Licht und Ton in das Innere eines Kreuzfahrtschiffes. Mit raumfüllenden Motorengeräuschen und dem Lärm der Schiffsschraube befanden sich die Zuschauer akustisch mittendrin im Krimidrama.

Als Vorlage diente der Krimiroman „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek, bearbeitet von Christian Scholze für das Theater.

In mehr als 25 Szenenbildern entwickelte sich die Geschichte um Mord und Selbstmord, Gewalt, Folter und Psychoterror. Verstrickungen und Irrungen, Behinderungen und Vertuschungen und die posttraumatische Belastungsstörungen von Martin Schwartz (gespielt von Guido Thurk), lassen den Zuschauer die seelischen Qualen des Polizeipsychologen nachempfinden.

Ein anonymer Anrufer hatte ihn auf das Schiff gelockt, damit er erfahre, wie seine Frau und sein Sohn Timmy fünf Jahre zuvor bei einer Reise auf dem gleichen Schiff ums Leben gekommen seien.

„Wir haben einen Passagier 23, der wieder aufgetaucht ist“, erfuhr Schwartz vom Kapitän (Bülent Özdil). 23 Passagiere würden jährlich während einer Kreuzschifffahrt verschwinden, fügte dieser noch an. Offiziell würden die Verschwundenen immer als Suizid verbucht. Nun sei das junge Mädchen Anouk Lamar (Mayke Dähn), welches wie seine Mutter Naomi Lamar (Pia Seifert) schon als vermisst gemeldet wurde, wieder aufgetaucht. In seiner Hand den Teddy des verschwunden Timmy.

Naomi Lamar aber wird tief im Schiffsrumpf im ehemaligen Müllbunker gefangen gehalten und psychisch gefoltert. Sie ist die Gefangene von der Dienstkraft Shahla (Maximilian von Ulardt), die sie zu einem Geständnis zwingen will. Sie solle sagen, was das Schlimmste war, was sie getan habe.

Insgesamt gibt es fünf Handlungsstränge. Martin Schwartz, der endlich erfahren will, was mit seiner Familie passierte. Anouck, das wieder aufgetauchte Mädchen, das als traumatisierte Patientin von der Schiffsärztin Dr. Elena Beck (Samira Hempel) betreut wird. Lisa Stiller (Franziska Ferarri), die von Querky, hinter dem Shahla steckt, beeinflusst wird und Rache nehmen will an ihrer Mutter Julia Stiller (Vesna Buljevic).

Shahla alias Querky, der als geschlechtsumgewandelter missbrauchter Jugendlicher seine traumatischen Missbrauchserlebnisse und als wahnsinniger Mörder jeweils die Personen umbringt, die sich ebenfalls sexuell an ihren Kindern vergangen haben. Und das Schiffspersonal, neben dem Kapitän Bonhoeffer der Offizier (Mike Kühne), welches auf Anweisung der Reederei an der Vertuschung der Verbrechen beteiligt war.

Logische Brüche

Dem Zuschauer wurde viel abverlangt. Es war schwierig, die jeweils parallelen Handlungsstränge im Blick zu halten und ihre logischen Zusammenhänge zu begreifen. Das, was im Medium Buch in schneller Handlungsabfolge als Spannungssteigerung gestaltet werden kann, ist in der Inszenierung von Lothar Maninger nur leidlich gelungen. Ein Bühnenbild, das mit nur wenigen Requisiten auskommt, mit Licht die verschiedenen Orten im Schiff simuliert und ansonsten auf die Tonkulisse setzt, ließ zwar die schnellen Szenenfolgen als Mittel der Spannungserzeugung zu. Zugleich aber sind diese auch Ursache für logische Brüche.

Insbesondere zum Ende hin wird es wenig überzeugend. Es gibt drei Tote, darunter den Mörder, einen vereitelten Selbstmord und eine ziemlich bemühte Aufklärung: Martin Schwartz erfährt, dass sein Sohn noch lebt, seine Frau aber ermordet wurde, weil sie das Kind missbraucht haben soll.

Für die gute schauspielerische Leistung und die Umsetzung gebührte dem Ensemble zu Recht der Dank und dem Publikum schien die zweistündige Aufführung gefallen zu haben.

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