Kreis Heinsberg - Kriminalstatistik: Taschendiebe nur selten zu erwischen

Kriminalstatistik: Taschendiebe nur selten zu erwischen

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Taschendieben reichen wenige Sekunden Unaufmerksamkeit, um in Jackentaschen schnelle Beute zu machen. Foto: www.polizei-beratung.de

Kreis Heinsberg. Noch genießt er in der Kriminalitätsstatistik nicht allzu großes Augenmerk. Und doch ist ein sogenannter Taschendiebstahl für jeden, der davon betroffen ist, ein sehr leidiges Thema; nicht alleine deshalb, weil alles Gestohlene wieder neu beschafft werden muss.

War‘s das Portemonnaie oder die Brieftasche, sind damit nämlich oft neben dem Bargeld auch Bankkarte und Kreditkarte, nicht selten sogar Personalausweis und Führerschein, ja selbst der Fahrzeugschein oder andere wichtige Papiere für immer verschwunden.

Die Tricks von Taschendieben sind mittlerweile so ausgefeilt, dass es selbst dem noch so aufmerksamen Zeitgenossen nicht mehr möglich sein dürfte, sich von dieser Gefahr sogar beim täglichen Einkauf im Supermarkt oder anderswo gänzlich freizusprechen. Oft ist es nur eine Sache von wenigen Sekunden.

Ja, da hat man die Handtasche schräg umgehängt und trägt sie sogar vor sich, um das Portemonnaie nach dem Einkauf genau dort wieder sicher zu verstauen. Im engen Ladengeschäft reicht jedoch ein Rempler von einem geschulten von vorne schwer bepackten Dieb, dem es darunter auch ohne Sicht und mit einer Hand gelingt, das Portemonnaie aus der noch geöffneten Tasche an sich zu nehmen.

Oder so: Einfach mit dem Portemonnaie in den Supermarkt, weil man die große Tasche ja dort abgeben oder kontrollieren lassen müsste. Fest in der Hand und beide in der Manteltasche verborgen, da kann nichts passieren!

Kann doch: Mit einer Hand am Einkaufswagen unterwegs durch den Ausgang wird man von einem Pärchen ausgebremst, das plötzlich stehen bleibt, um sich die Angebote vor dem Eingang anzuschauen. Für wenige Sekunden nur müssen beide Hände an den Wagen, um das Pärchen quasi zu umfahren. Die Zeit reicht – auch dieses Portemonnaie ist weg!

Da wundert es nicht nur die Fachberater von der Polizei, wenn es immer noch arglose Menschen gibt, die ihr Portemonnaie ganz einfach in den Einkaufswagen hineinlegen, wenn sie damit zur Fahrt durch den Supermarkt starten. Doch würde es hier gestohlen, wäre das gar kein Taschendiebstahl, wie Karl-Heinz Frenken, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg erklärt.

Der Begriff Taschendiebstahl werde sehr wörtlich genommen, sagt er. Gemeint sind damit ausschließlich diejenigen Diebstähle, die in Körpernähe geschehen, also aus der Mantel-, Jacken- oder Hosentasche sowie aus Taschen, die man wirklich direkt am Körper trägt. „Auch Trickdiebstähle werden mit diesem Begriff nicht erfasst“, ergänzt er.

Während die Zahl der Taschendiebstähle seit einem Tiefpunkt 2008 mit bundesweit 91.609 Delikten auf 157.069 in 2014, also um 71,5 Prozent gestiegen ist, lag der Tiefpunkt im Kreis Heinsberg im Jahr 2013 mit 115 Fällen. In 2014 waren es 132, in 2015 schon 171, also hier eine Steigerung um 29,5 Prozent in nur einem Jahr, bei einer Aufklärungsquote von nur 3,51 Prozent in 2015. Früher seien alle Taschendiebstähle unter einfachem Diebstahl registriert worden, räumt Frenken ein. Auch dadurch sei die große Steigerung zumindest teilweise zu erklären. „Das Erfassungssystem ist weiter verfeinert worden.“

Frenken und seine Kollegin Angela Jansen haben fünf wichtige Tipps für alle, die sich vor Taschendieben schützen wollen. Denn auch im Kreis Heinsberg treiben diese zweifelsohne in den vergangenen Monaten verstärkt ihr Unwesen. „Taschendiebe lassen sich am typisch suchenden Blick erkennen. Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute“, erklärt Frenken. „Tragen Sie Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung, möglichst dicht am Körper“, rät Jansen. „Und tragen Sie Hand- und Umhängetaschen immer verschlossen auf der Körpervorderseite oder klemmen Sie sich die Tasche fest unter den Arm.“ Ein Brustbeutel, eine Innentasche am Gürtel oder eine fest angekettete Geldbörse gehören ebenfalls zu den Tipps der beiden.

„Legen Sie Ihr Portemonnaie vor allem nie oben in Einkaufstasche, Einkaufskorb oder Einkaufswagen, sondern tragen Sie es möglichst körpernah“, so Jansen. „Und hängen Sie Handtaschen im Restaurant, im Kaufhaus oder im Laden, selbst bei der Anprobe von Schuhen oder Kleidung, nicht irgendwo auf oder stellen Sie sie niemals unbeabsichtigt ab.“

„Passiert es dennoch, helfen die Beamten in der nächst gelegenen Polizeidienststelle nicht nur bei der Aufnahme der Anzeige. Sie halten auch wichtige Telefonnummern bereit, über die alle gestohlenen Bank- und Kreditkarten schnell mit einer Sperre belegt werden können“, ergänzt Frenken. Mit der Neubeschaffung von Ausweispapieren könne man ruhig ein paar Tage abwarten, denn diese fänden sich im Gegensatz zum Geld und zu Bank- und Kreditkarten oft samt Portemonnaie in einem nahe gelegenen Gebüsch wieder, weiß er aus Erfahrung.

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