Wassenberg-Orsbeck - Kreuzfest: Das Holz ist durch das Blut „geadelt“

Kreuzfest: Das Holz ist durch das Blut „geadelt“

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
13131722.jpg
Ursula Eichhoff, Vorsitzende des Gemeinderates St. Martin Orsbeck (links), und Pfarrer Thomas Wieners (rechts) begrüßten Pfarrer Kurt-Josef Wecker mit der Kreuzreliquie als Referenten zur Priesterwallfahrt anlässlich des Kreuzfestes in Orsbeck. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg-Orsbeck. Eine Priesterwallfahrt stand im Mittelpunkt des Kreuzfestes, das in diesem Jahr in Orsbeck zum 199. Mal gefeiert wurde. Sie begann mit einem Vortrag von Pfarrer Kurt-Josef Wecker, dem Wallfahrtsbeauftragten des Bistums Aachen, der sich als profunder Kenner der Geschichte des heiligen Kreuzes erwies.

Er hatte sehr viele historische Fakten mit nach Orsbeck gebracht, die er mit vielfältigen, eigenen theologischen Überlegungen begleitete.

Zunächst ging er auf die Geschichte der Kreuzreliquie ein, die in Orsbeck bewahrt wird. „Der Pfarrer Franz Kanehl (1779-1818) erhielt bei der Aufhebung des Klosters Dalheim von dessen letzter Äbtissin, Maria Franziska von Oyen, einen Kreuzpartikel und ein Stückchen von der Geißelsäule Jesu. Seitdem ist Orsbeck Wallfahrtsort“, zitierte er aus dem Handbuch für das Bistum Aachen.

Am 6. Juni 1802 seien diese Reliquien dem Pfarrer übergeben worden. In Dalheim habe sich die Reliquie seit 1730 befunden, bevor sie nach Orsbeck transferiert worden sei. 1805 habe das Bistum ihre Echtheit anerkannt. „1815 wurde der Ort vom Bistum unter Pius VII. offiziell als Wallfahrtsstätte anerkannt.“ Damals habe eine „kleine Völkerwallfahrt“ eingesetzt, vor allem aus Anrath (Willich) und Vorst (Tönisvorst).

„Von einer Wallfahrtsaktivität, zunächst der Geistlichen, kann man seit etwa 1806 sprechen“, so Wecker. Die Kreuzreliquie habe einen exklusiven Status im Kreis der sogenannten Salvatorreliquien, der „arma Christi“ (Geißelsäule, Dornenkrone, Lanze, Schwamm, Peitsche, Strick, Leiter, Hammer, Zange, Nägel, Würfel, Leichentuch…)

„Denn Jesus wurde vom Kreuz berührt, und das Kreuz wurde von Jesus berührt“, erklärte der Referent. Das Holz, das durch sein Blut „geadelt“ sei, sei mehr als eine Berührungsreliquie. Es bestehe eine Art „Kraftidentität“ zwischen Christus und dem Kreuz. „Das war auch der Grund, weshalb der hiesige Pfarrer Kanehl täglich mit dem lebensspendenden Holzpartikel die hergebrachten Kranken segnete und Wasser weihte zum Zwecke der Heilung.“

Gefunden worden sei das heilige Kreuz von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, im Jahr 325 oder 326, ging Wecker auf die Historie des heiligen Kreuzes ein. Kyrill von Jerusalem bezeuge dann die Verbreitung von Reliquien und berichte um 350 von einer Kreuzverehrung in der dortigen Martyriums-Kreuzkirche. Pilger hätten sich regelrecht in die Reliquie „verbissen“, und die abgebissenen Holzstückchen als Amulette um den Hals getragen.

Das größte Stück im Abendland berge die Pilgerkirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom. Auch dieses wäre bei der Besetzung Roms durch französische Truppen 1798 verlorengegangen, berichtete Wecker; hätte nicht der dortige Klosterbruder nur die leeren Reliquiare herausgegeben.

1803 seien sie dann in neue Reliquiare eingefügt worden. In den schließlich über den ganzen Erdkreis verstreuten Kreuzessplittern verbreite sich auch das „Wort vom Kreuz“. Sie seien kein historisches Dokument, hätten aber Zeugniskraft. „Das Kreuz imprägniert die Welt“, betonte Wecker. „Wo auch nur ein Teil ist, da ist das Ganze, die ungeteilte Virtus eines Heiligen. Das ist ja auch ein Grundsatz der Verehrung der heiligen Überbleibsel von Heiligenknochen.“

Europa sei übersät mit Kreuzpartikeln, so Wecker zu der vielfach geäußerten Vermutung, dass das heilige Kreuz so viele Partikel gar nicht gehabt haben könne. Dem widersprach er: Man hat ausgerechnet, dass die Gesamtsumme der bekannten Reliquien ungefähr fünf Millionen Kubik-Millimeter ergibt.“

Rechne man die Summe unbekannterer Reliquien hinzu, komme man auf etwa 15 Millionen Kubikmillimeter. Zugleich werde vermutet, dass das Kreuz 178 Millionen Kubikmillimeter ausgemacht habe. „Dann machten die vorhandenen Reliquien nur den zehnten Teil des Kreuzes Jesu aus“, bezog er sich auf die Forschungen von Charles Rohault.

„Kirche machte das Kreuz teilbar und damit mobil, ermöglichte Präsenz an vielen Orten der Christenheit.“ Echt nahe solle Jerusalem uns sein. „Das soll der Legende nach bereits in konstantinischer Zeit geschehen sei, als das Kreuz geteilt wurde und auf Jerusalem, Konstantinopel und Rom aufgeteilt wurde.“

Dem Vortrag folgte eine Bergische Kaffeetafel mit Brot, das der Ortspfarrer Thomas Wieners selbst gebacken hatte. Beschlossen wurde die Priesterwallfahrt mit einer Vesper und einem Einzelsegen mit der Reliquie.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert