Kreisgymnasium fördert besondere Talente auf individuelle Weise

Von: Rainer Herwartz
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Roy Hermanns, Henning Erdweg, Marcel Kühnemann und Alexander Büchers (von vorne) arbeiten im Rahmen der Begabtenförderung im Bereich Informatik derzeit bei der CSB System AG in Geilenkirchen. Foto: Herwartz
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Marion Maybaum (links) und Dr. Nadine Boymans koordinieren am Kreisgymnasium Heinsberg die Begabtenförderung. Foto: Herwartz

Heinsberg. Wirklich simpel ist es nicht in jedem Fall, mal eben zu entscheiden, welcher Schüler denn nun besonders oder gar hochbegabt ist und welcher nicht. Das wird im Gespräch mit Dr. Nadine Boymans und Marion Maybaum vom Kreisgymnasium Heinsberg deutlich.

Zudem gibt es Studien, die besagen, würde nach Maßstäben der 1990er Jahre ein Normalbegabter mit Menschen zu Anfang des 20. Jahrhunderts verglichen, würde er im Verhältnis als hochbegabt eingestuft. Wenn sich hingegen amerikanische Kinder von 1932 einem Intelligenztest aus den 1990er-Jahren unterzögen, läge der Durchschnitts-IQ laut einer Schätzung bei 80, also gerade an der Schwelle zwischen geistig zurückgeblieben und unterdurchschnittlich intelligent.

Gleichwohl gab es zu beiden Zeiten den gleichen Anteil Hochbegabter an der Bevölkerung. Auf derlei diffuses Terrain begeben sich die beiden Pädagoginnen und ihre Kollegen erst gar nicht, denn ihre Aufgabe ist eine andere. „Im Sinne der Grundidee der individuellen Förderung ist es wichtig, den Schülern die Möglichkeit zu geben, in der Schule ihre Begabungen optimal zu entfalten und sie dabei zu unterstützen, herausragende Leistungen zu erbringen“, erklärt Maybaum.

„Am einfachsten sind für uns diejenigen zu erkennen, die immer nur Einsen schreiben, hochmotiviert und interessiert sind und zusätzlich gerne Angebote annehmen wie zum Beispiel die Teilnahme an Wettbewerben“, sagt Boymans. Doch so offensichtlich lassen sich die speziellen Talente ihrer Schützlinge nicht immer ausmachen, denn bei manchen Schülern schlummern sie eher im Verborgenen.

„Underachiever“ werden diese Mädchen und Jungs genannt. „Hierunter versteht man Schüler, die augenscheinlich unter ihren Möglichkeiten bleiben“, erläutert Boymans. „Meistens können sie knifflige Aufgaben gut bewältigen, dann wenn kreative Lösungen gefordert sind.“ Laut dem Institut für Leistungsentwicklung (IGL) tritt Underachievement fast immer „in Kombination mit störendem oder verstörtem Verhalten und erheblicher Belastung des Familienklimas auf. Suizidgefährdung, therapiebedürftige Schulphobie, Schulkonflikte bis hin zur jahrelangen Ausschulung sind schwerwiegende Zuspitzungen der Situation, die ständig, aber bei einem kleinen Anteil vorkommen“.

Aus einer Fortbildungsveranstaltung der Bezirksregierung Köln für Ansprechpartner im Bereich Begabtenförderung weiß Boymans, dass statistisch gesehen etwa zwei Prozent der Kinder und Jugendlichen eines Jahrgangs hochbegabt seien mit einem IQ von 130 und höher. An Gymnasien liege der Prozentsatz bei vier bis sechs Prozent. Generell sind laut IGL von den Hochbegabten zwischen 15 und 20 Prozent Underachiever. Ein Teil dieser Kinder fällt, wenn keine Hilfe kommt, durch die verschiedenen Schulformen durch bis zur Sonderschule für Lern- oder Verhaltensgestörte. Deshalb ist auch am Kreisgymnasium hier eine Menge Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt.

Bestens gerüstet scheint das Kreisgymnasium für die Begabtenförderung allemal. „Wir bieten im Bereich der Akzeleration, des beschleunigten Lernens, hierzu die Möglichkeit, eine Jahrgangsstufe zu überspringen. Außerdem praktizieren wird das sogenannte Drehtürmodell, in welchem der Unterricht in einem Fach in der nächsthöheren Jahrgangsstufe wahrgenommen wird und der restliche Unterricht im regulären Klassenverband“, sagt Maybaum.

Auch das Studieren noch vor dem Abitur, zum Beispiel an der RWTH Aachen, ist möglich. Grundsätzlich umfasst die Begabtenförderung vor allem in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ein weites Feld. Dies geschieht zu einem großen Teil in Kooperation mit der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich und im Bereich Informatik auch der CSB System AG in Geilenkirchen. Ausgewählte Schüler können hier zum Beispiel an einem mehrwöchigen Workshop „Netzwerkprogrammierung“ teilnehmen.

Doch nicht nur die mathematisch-naturwissenschaftlichen oder technischen Begabungen sollen gefördert werden. „Um die Fähigkeiten im musischen Bereich optimal zu entfalten, erfolgt der Musikunterricht ab der Sexta differenziert“, erklärt Maybaum. „So können die Schüler neben dem normalen Musikunterricht zum Beispiel den Streicherunterricht wählen, den Orchesterunterricht oder den Chorunterricht.

Ach ja, das Thema Sprache darf natürlich auch nicht fehlen. „Begabte Schüler auf sprachlichem Gebiet können verschiedene Sprachzertifikate erwerben und in einigen Schüleraustauschprogrammen mit Belgien, Griechenland, Niederlande, Südafrika, Ungarn und den USA Sprachkenntnisse vertiefen. „Wichtig bei allem ist allerdings, dass die Schüler in den übrigen Fächern auch gute Leistungen zeigen, da die Begabtenförderangebote teilweise parallel zum regulären Unterricht stattfinden“, meint Maybaum. Nachvollziehbar, wenn man nur schon an das „Drehtürmodell“ denkt. Sonst besteht wie in jeder Drehtür das Risiko, am Ende vielleicht wieder genau dort zu stehen, wo man eingestiegen ist.

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