Kreis will Jodtabletten verteilen, darf es aber nicht

Von: disch
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Auch der Kreis Heinsberg will rund 440.000 Kaliumjodid-Tabletten vorsorglich bereits jetzt an die Bürger verteilen. Foto: Oliver Berg/dpa

Kreis Heinsberg. Der Kreis Heinsberg will die rund 440.000 Kaliumjodid-Tabletten für den Fall eines Unfalls in einem Atomkraftwerk an die Bürger verteilen. Dafür hatte Landrat Stephan Pusch am Donnerstag NRW-Innenminister Ralf Jäger um Erlaubnis gebeten. Doch das Ministerium erteilt die Genehmigung dafür nicht.

Der Kreis Heinsberg will die rund 440.000 Kaliumjodid-Tabletten, die im Kreishaus für den Fall eines Störfalls mit radioaktiven Freisetzungen lagern, vorsorglich möglichst rasch an die Bürger verteilen. Dafür hatte Landrat Stephan Pusch (CDU) am Donnerstag in einem Brief an den nordrhein-westfälischen Minister für Inneres und Kommunales, Ralf Jäger (SPD), um Erlaubnis gebeten.

Doch noch am selben Tag war auf Anfrage vom Ministerium zu erfahren, dass es diese Zustimmung nicht erteilen werde. Über das Nein des Ministeriums und dessen Hinweise einerseits auf Beschaffungsprobleme und andererseits auf die Gefahr einer fehlerhaften Einnahme zeigte sich Pusch in einer ersten Reaktion „verwundert“. Der Landrat kündigte an: „Wir werden da am Ball bleiben. Ich sehe nicht ein, dass unsere Bevölkerung schlechter gestellt wird als die belgische.“

Pusch hatte zu seinem Brief erklärt, er wolle mit einem solchen Schritt nicht Angst machen. Er hoffe natürlich, dass der Ernstfall nie eintreten werde. Aber angesichts der in einem solchen Fall zu erwartenden Panik wäre nach Einschätzung des Landrates eine schnelle und ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit den Tabletten nicht zu gewährleisten; zumal die Bürger dann auch sicherheitshalber in ihren Häusern bleiben und nicht zu Ausgabestellen eilen sollten. Daher sei es sinnvoller, so Pusch, wenn die Tabletten griffbereit bei den Bürgern zu Hause im Küchenschrank liegen würden.

In dem Brief hatte Pusch darauf verwiesen, dass auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zwischenzeitlich die Entscheidung getroffen habe, gegen den Betrieb des Atomkraftwerkes Tihange in Belgien zu klagen. Sie dokumentiere damit – wie bereits zuvor die Kommunen im Grenzgebiet – deutlich ihre Einschätzung der vom Kraftwerk ausgehenden Gefahr.

„Nach aktuellem Stand ist nicht davon auszugehen, dass der belgische Staat den Forderungen der deutschen Seite zeitnah nachkommen wird“, so Pusch. Umso besorgniserregender sei, dass mittlerweile die belgische Regierung aufgrund von Expertenmeinungen die zeitnahe Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung vorsehe.

Aufgrund der Entfernung des Kreises Heinsberg zu den Reaktoren Doel und Tihange und insbesondere der vorherrschenden Windrichtungen liegt das Gefährdungspotenzial für die Bürger im Kreis Heinsberg und in der gesamten Region nach Ansicht von Pusch „mindestens genauso hoch“. Nach Expertenmeinungen würden nach einem atomaren Störfall mit atomaren Emissionen nur wenige Stunden bleiben, um durch Einnahme von Jodtabletten eine Jodsättigung der Schilddrüse herbeizuführen und somit der Aufnahme von radioaktivem Jod in den Körper vorzubeugen.

Der Kreis arbeitet nach Darstellung des Landrates zwar seit Längerem mit den Städten und Gemeinden zusammen an einem Notfallplan, um eine möglichst schnelle und dezentrale Verteilung sicherzustellen. Es kristallisiere sich allerdings immer mehr heraus, dass dies keine ausreichende Gewähr für eine umfassende und zeitnahe Versorgung aller Bevölkerungsteile mit Jodtabletten biete.

„Daher halten wir es für unumgänglich, dem belgischen Beispiel zu folgen und die im Eigentum des Landes stehenden Jodtabletten auch an alle Bürger im Kreis Heinsberg, für die eine Einnahme indiziert ist, zu verteilen“, so Pusch.

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