Krähen vertreiben Grünliebhaber aus eigenem Garten

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
10148153.jpg
Waltraud Jensen zeigt den Baum des Anstoßes. Von diesem Riesen aus machen die Krähen angeblich die Gegend unsicher. Foto: Rainer Herwartz
10148156.jpg
Siegfried Krings (rechts) und seinem Haustechniker Hans Kleinen bereiten die Krähen am Altenheim St. Josef jede Menge Schmutz.
10148157.jpg
In den Nistkästen im Garten hat Gerhard Jensen schon seit Jahren keinen Vogel mehr gesehen.

Heinsberg. Gepflegt und aufgeräumt wirkt der hübsche Garten in der Gracht. Ringsherum hängen diverse Nistkästen. Doch ein Vogel findet sich darin schon lange nicht mehr. Denn sie seien von Artgenossen regelrecht vertrieben worden, sagt Waltraud Jensen. Meisen, Sperlinge oder Rotkelchen suche man jetzt vergeblich.

„Auch uns haben die Krähen aus unserem eigenen Garten vertrieben“, klagt die 80-Jährige. Die Seniorin und ihr Mann Gerhard sind mehr als nur genervt. Und damit stehen sie nicht alleine da. Denn zwischen den Straßen In der Gracht, Auf dem halben Mond, Sittarder Straße und Geilenkirchener Straße fühlen sich viele Anwohner durch die Vögel und ihre Hinterlassenschaften belästigt. Mit einer Unterschriftenliste, auf der über 40 Anwohner unterzeichneten, soll nun auch die Stadt Heinsberg auf das Problem aufmerksam gemacht werden.

Bis 2010 keine Nester

„Im Jahr 2007 sind wir nach Heinsberg gezogen“, sagt Waltraud Jensen. „Bis 2010 gab es hier keine Krähennester. Wir hätten das Haus nicht gekauft, wenn die Krähen schon in den umliegenden Bäumen Lärm gemacht hätten. Wir konnten den Garten und die Terrasse in Ruhe genießen.“

Doch damit sei es längst vorbei. „Wenn Krähen unbändigen und ständigen Krach machen, muss der Mensch damit leben. Das schreiben unsere Gesetze uns vor. Leider machte das ständige Krähen meine Frau krank. Sie musste sogar wegen einer Neurose im Krankenhaus behandelt werden“, sagt Gerhard Jensen. „Mir ist das so auf den Magen geschlagen, dass ich sogar eine Art Infarkt bekam“, schiebt Waltraud Jensen nach. „Wenn wir 20 Jahre jünger wären und nicht eine so nette Nachbarschaft hätten, würden wir wieder fortziehen.“

Keine Behörde fühle sich offenbar dazu berufen, Abhilfe zu schaffen, berichten die Senioren über vergebliche Bemühungen. „Weder die Stadtverwaltung, die Kreisnaturschutz-Behörde noch der Naturschutzbund. Wir sind abgewiesen worden mit der lapidaren Aussage, die Krähen stünden unter Naturschutz und man könne nichts machen. Darauf sagte ich nur: Und wo bleibt der Mensch? Eine Antwort gab es darauf nicht.“

Siegfried Krings, der Betreiber des Altenheims St. Josef an der Geilenkirchener Straße, kennt das Problem. In zwei riesigen, unter Naturschutz stehenden Buchen vor dem Hauptgebäude haben sich die Krähen auch eingenistet. Zum Leidwesen von Haustechniker Hans Kleinen: „Wenn Nestbauzeit ist, fahre ich jeden Tag zwei Schubkarren Dreck weg.“ Dem Ordnungsamt gehe das offenbar noch nicht schnell genug, sagt Siegfried Krings. Denn unlängst flatterte ihm diesbezüglich eine Aufforderung ins Haus, doch bitteschön den öffentlichen Gehweg an seiner Einrichtung sauber zu halten. Für Krings schon starker Tobak.

„Die Zelle der Verursacher“, wie Gerhard Jensen es formuliert, befinde sich in einem hohen Baum in Richtung Geilenkirchener Straße. „Der Baum wirkt für die Krähen wie ein Leuchtturm.“ In einem Schreiben an die Stadtverwaltung nebst Unterschriftenliste mit 40 Unterzeichnern bitten die Jensens nun um Unterstützung bei der Frage nach den Besitzverhältnissen des Baumes, da das Grundstück versteckt hinter verwilderten Hecken liege. Außerhalb der Brutzeit der Vögel könne doch Abhilfe geschaffen werden, glauben die Jensens, durch das Vergrämen der Tiere und das Fällen des Baumes.

Auf taube Ohren stieß die Bitte nicht, obwohl Bürgermeister Wolfgang Dieder eingesteht, dass es eher selten vorkomme, dass er mit derlei Anliegen konfrontiert werde, weil die Tiere meist toleriert würden. „Wir werden nun die Eigentumsfrage des Baumes klären und dann schauen, ob etwaige Maßnahmen ergriffen werden können, wobei allerdings nicht nur die Tiere unter Schutz stehen, sondern auch ihr Lebensraum geschützt ist.“

Genau hier dürfte für die Anwohner, die sich belästigt fühlen, das Kernproblem erwachsen, wie Ulrich Hollwitz, Pressesprecher des Kreises Heinsberg und somit der Unteren Landschaftsbehörde, erläutert. 1600 bis 1750 Brutpaare gebe es derzeit in Heinsberg. Die Zahl sei schon seit Jahren konstant und wachse nicht mehr. „Das Bundesnaturschutzgesetz sagt, dass die Krähen ganzjährig geschützt sind. Die Horstbäume stehen dadurch ebenfalls unter Schutz und dürfen nicht gefällt werden.“

Dennoch prüfe die Behörde derzeit, ob man im Rahmen des Naturschutzgesetzes Lösungen finden könne. Groß sind die Chancen da wohl nicht, die Krähen vergrämen zu können. Da werden sich am Ende wohl eher die Anwohner weiter grämen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert