Kräftemessen zweier Dörfer, die keinen Fußballverein haben

Von: Daniel Gerhards
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Ein Spiel, das für Dorffußballkultur steht: Bei Cosmos Brüggelchen gegen Anker Erpen geht es Lokalpatriotismus, Freude am Kicken und darum, wer sich an den Theke mehr Sticheleien gefallen lassen muss. Foto: stock/Westend61
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Die Trainer haben „Bock auf das Spiel“: Martin Schröder von Anker Erpen (l.) und Patrick Mevissen von Cosmos Brüggelchen. Foto: Daniel Gerhards

Waldfeucht-Brüggelchen/Heinsberg-Erpen. Die Historie dieses Derbys ist noch recht kurz – trotzdem ist das Spiel schon ein Klassiker. Zumindest für die Spieler und Fans von Cosmos Brüggelchen und des FC Anker Erpen.

Zum Spaß, aus Freude am Amateurfußball und aus lokalpatriotischen Gründen laufen die Gladiatoren des Dorffußballs am 4. Mai in die Arena in Waldfeucht ein. Zum dritten Mal messen sich dann zwei Dörfer, die eigentlich gar keinen Fußballverein haben, auf dem grünen Geläuf.

Auf dem Spiel steht dabei für die Aktiven einiges: Wer verliert, muss sich in nächster Zeit ziemlich viele blöde Sprüche an der Theke anhören. So hoch wie der Einsatz sind auch die Erwartungen. Nicht an den fußballerischen Glanz, aber an die Show, das Drumherum und die Fanclubs.

Beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams kamen gut 400 Zuschauer. Sie feuerten die Teams mit Trommeln, Gesängen und Fahnen an. Im Fan-Block wurden bengalische Feuer gezündet und Raketen abgeschossen.

„Als die eine Rauchbombe gezündet haben, konnte ich zehn Minuten lang nicht sehen, was von rechts auf mich zukommt“, sagt Martin Schröder, der auch bei schlechter Sicht den Kasten von Anker Erpen hütet. Schröder ist Torwart, Trainer, er kümmert sich um die Trikots und mit Patrick Mevissen, dem Cosmos-Trainer, auch um die Organisation des Spiels.

Die Idee zum Freundschaftsderby ist im Jahr 2011 auf dem Oktoberfest in Haaren entstanden. „Wenn man aus so einem kleinen Dorf wie Erpen kommt, dann muss man sich schon ein paar Sticheleien gefallen lassen“, sagt Schröder. Die wollte er aber nicht auf sich sitzen lassen.

Wer eine große Klappe hat, der soll doch bitte mal auf dem Fußballplatz zeigen, was dahinter steckt. Und schon wenige Wochen später, an Allerheiligen, lag der Ball auf dem Anstoßpunkt des Braunsrather Sportplatzes. Rund 400 Zuschauer kamen – und machten mächtig Betrieb. „Da sind bestimmt noch 50 Braunsrather vorbeigekommen, weil sie Trommeln auf dem Sportplatz gehört haben“, sagt Patrick Mevissen.

Dass die Stimmung so hochkocht, hängt vor allem damit zusammen, dass man sich kennt. Aus der Schule aus anderen Vereinen oder einfach weil man im gleichen Dorf wohnt. Da wird jeder Übersteiger, jeder Stockfehler zum Ereignis. Und eine Spielerpräsentation, die Champions-League-Hymne beim Einlauf und ein dreiköpfiges Schiedsrichtergespann tragen dazu bei, dass das Spiel zur großen Nummer wird.

Für manchen Kicker ist Cosmos gegen Anker sogar so etwas wie das „Spiel des Lebens“, sagt Schröder. Die beiden Trainer rechnen wieder mit 300 bis 400 Zuschauern, die Fahnen und Trommeln mitbringen. So eine Kulisse erlebe man in keinem Kreisliga-A- oder Bezirksligaspiel. „Wir haben alle Bock auf das Spiel“, sagt Patrick Mevissen.

Der Spieltag, der 4. Mai, ist der Tag vor Christi Himmelfahrt. Am Feiertag findet der Jugendtag des SV Waldfeucht-Bocket statt. Das passt, weil dann schon Bierbuden stehen und der Sportplatz herausgeputzt ist. Wenn Getränke über die Theke gehen, dann für einen guten Zweck. Der Erlös des Spiels wird an die Kinderkrebshilfe Ophoven und den Verein Pänz mit Hätz gespendet.

Ein Vergleich drängt sich vor dem Spiel noch auf: Was Athletic Bilbao für Spanien ist, ist Cosmos Brüggelchen für den Kreis Heinsberg. Während beim Primera-División-Team aus Bilbao nur Basken spielen dürfen, schaffen es bei Cosmos nur Spieler aus Brüggelchen ins Trikot.

„Die Regel lautet: Bei uns dürfen nur Leute mitspielen, die in Brüggelchen wohnen, hier geboren sind oder deren Freundin hier wohnt“, sagt Trainer Patrick Mevissen. Genügend Spieler hat er in dem 500-Einwohner-Ort trotzdem gefunden. Solche Regeln kann man sich im 120 Einwohner großen Erpen nicht leisten. Dann würde Anker-Trainer Martin Schröder nie und nimmer elf Spieler auf den Platz bringen.

Bleibt noch die Frage, woher die Teams ihre Namen haben. Cosmos ist schon ziemlich alt, als Thekenmannschaft traten die Fußballer aus Brüggelchen schon 1974 gegen den Ball. Jetzt habe man dieses Traditionsteam wiederbelebt, sagt Patrick Mevissen. Die Erpener mussten bei der Namensgebung schon ein bisschen mehr Kreativität an den Tag legen: „Wir hatten mal einen kleinen Bachlauf im Dorf. Deshalb ist Erpen für uns eine Hafenstadt“, sagt Martin Schröder. Was liegt da Näher als der Teamname Anker.

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