Korbmacherstraße: „Art der Bebauung passt nicht ins Wohngebiet“

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
11605888.jpg
Korbmacherstraße in Hilfarth: Das geplante zweieinhalbgeschossige Haus mit gleich zehn Wohneinheiten wird hier nicht gebaut werden dürfen. Foto: Nicola Gottfroh

Hückelhoven. „Wir werden im Bauausschuss weder heute noch an einem anderen Tag über die Änderung des Flächennutzungsplanes befinden.“ Das war der Satz, den sich die Zuhörer in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses erhofft hatten.

Selten dürften die Ausschussmitglieder den Sitzungssaal so voll erlebt haben wie am Dienstagabend. Mehr als 60 Anwohner des Hilfarther Gebietes Kapbusch, insbesondere aus Korbmacher-, Weber- und Wilhelm-Claßen-Straße sowie der Gerbergasse, strömten ins Rathaus, um ihrem Protest gegen Punkt 4.2 der Tagesordnung Ausdruck zu verleihen.

Laut diesem hätten die Ausschussmitglieder über eine Änderung des Flächennutzungsplans in dem Wohngebiet befinden sollen, die anstelle der derzeit maximal zweigeschossigen Bauweise – mit höchstens zwei Wohneinheiten – in der Korbmacherstraße 9 eine zweieinhalbgeschossige Bebauung mit gleich zehn Wohneinheiten für die Unterbringung von Flüchtlingen möglich machen sollte.

Dies und die Tatsache, dass im Rahmen des Flächennutzungsplans nur eine Straßenecke und wenige Schritte von dem möglichen Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge entfernt eine Betreuungseinrichtung der Caritas für Jugendliche mit familiären Problemen entstehen wird, hatte die Anwohner auf den Plan gerufen, die ihrem Ärger darüber, nicht darüber informiert worden zu sein, Luft machen wollten.

Umso größer war die Aufregung der Zuhörer, als der Ausschussvorsitzende unmittelbar nach Beginn der Sitzung mitteilte, dass die Änderung des Flächennutzungsplans und damit die Entscheidung über den Neubau des Mehrfamilienhauses für Flüchtlinge von der Tagesordnung genommen worden sei. „Wir sind hier, weil wir Fragen haben“, rief ein Zuhörer. Und das waren nicht wenige.

So wollten die Anwohner wissen, warum gleich zwei „Einrichtungen mit Konfliktpotenzial“ in ein Neubaugebiet gebaut würden; wie die Politik in Kauf nehmen könnte, dass die vor wenigen Monaten oder Jahren gebauten Häuser massiv an Wert verlieren würden; warum die gewählten Vertreter zwar in einer öffentlichen Sitzung, aber dennoch „heimlich, still und leise einen Flächennutzungsplan ändern könnten“.

Antworten erhielten die Anwohner zwar nicht im Sitzungssaal, dennoch wurden ihre Sorgen ernst genommen. Während die übrigen Ausschussmitglieder im Ratssaal die weiteren Tagesordnungspunkte abarbeiteten, baten CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz-Josef Kreutzer und Thomas Schnelle, 2. stellvertretender Fraktionssitzender, die Bürger vor die Türe und erläuterten ihnen dort den Grund für die Änderung der Tagesordnung. „Wir werden einer Änderung des Flächennutzungsplanes nicht zustimmen. Die Sache ist vom Tisch“, erklärte Kreutzer. Das habe man bereits vor Tagen interfraktionell beschlossen. „Wir und auch die anderen Parteien im Ausschuss waren uns einig, dass diese Art der Bebauung nicht in das Wohngebiet passt“, so Kreutzer.

Dass sich die Anwohner darüber hinaus so deutlich gegen die Pläne ausgesprochen hätten, habe ein Übriges dazu beigetragen. Allerdings, so machte Kreutzer den Bürgern klar, hieße das nicht, dass der Privatinvestor nicht dennoch in der Lage sei, Flüchtlingswohnungen ins Neubau- beziehungsweise Wohngebiet zu bauen. „Sollte er Unterkünfte errichten wollen, die dem aktuellen Flächennutzungsplan entsprechen, also die über maximal zwei Wohneinheiten verfügen, dann kann dagegen niemand etwas machen – weder die Politik noch die Bürger“, betonte er.

Dies sei auch der Fall bei der Caritas-Einrichtung, von der die Zuhörer befürchteten, es handele sich um eine Schwererziehbaren-Einrichtung. Allerdings, so appellierte Kreutzer an die Bürger, sollten die Anwohner die neun Kinder in zwei Wohngruppen erstmal ankommen lassen, bevor sie sich ein Urteil bildeten. Auch Schnelle erklärte, dass es sich keineswegs um Schwererziehbare handele und dass der Stadt mit der derzeit noch in der Hückelhovener Innenstadt beheimateten Einrichtung bislang noch keine Probleme bekannt seien.

Dennoch, so wurde deutlich, bestünde hier noch Informationsbedarf. Die Anwohner sollen in den kommenden Wochen genauer über die Caritaseinrichtung und die dort betreuten Kinder und Jugendlichen informiert werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert