Korbmacher: Viele Geschichten im Hilfarther Museum

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Im alten Franziskanerkloster an der Nohlmannstraße in Hilfarth stecken viel Geschichte und viele Geschichten. Foto: mib
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Lothar Reining kennt viele Geschichten und erzählt sie bei seinen Führungen. Foto: mib

Hückelhoven-Hilfarth. „Alles, was Sie hier sehen, ist von Korbmachern gemacht!“ Lothar Reining lässt seinen Arm in einem weiten Bogen einen Halbkreis beschreiben. Dort, wo seine Hand hinweist, sind allerdings beim besten Willen keine Körbe zu entdecken. Stattdessen ein alter Innenhof, frisch gestrichene grüne Holztüren, ein neu gepflasterter Hof. Von Korbmachern gemacht?

„Ja“, sagt Lothar Reining und ist schon mittendrin in seiner Führung durch das Korbmachermuseum in Hückelhoven-Hilfarth. Und dann erklärt der 64-Jährige, warum die Korbmacherrei reif fürs Museum ist, wie das Handwerk früher das Leben an Rur und Wurm bestimmt hat und warum es sich lohnt, nicht so lange damit zu warten, dem Appell „Ab ins Museum“ zu folgen.

Denn noch kann man dort lebendigen Originalen begegnen. Echten Korbmachern, die das Handwerk in den 50er Jahren gelernt und damit ihr Geld verdient haben, bis die Konkurrenz durch Billigimporte aus dem Ausland zu groß und der Plastikkorb und Weidenkrankheiten zur Plage wurden.

Leben konnten Mitte der 60er Jahre nur noch sehr wenige Korbmacher von ihrem Handwerk, aber mit den Händen werken, das konnten sie. Sie wussten, was harte Arbeit ist. Um einen Korb zu flechten, braucht man nicht nur geschickte Hände, sondern auch viel Kraft, damit die Weiden dort bleiben, wo sie hingehören, sagt Reining. Deshalb waren sie auch begehrte Arbeitskräfte. Sie blieben Handwerker und wurden Bergleute, Maler, Schreiner, Pflasterer, Straßenbauer... Und so konnten sie, – als sie nicht mehr für ihr tägliches Brot arbeiten mussten –, nicht nur ihr Wissen um das Körbe machen weiter geben, sondern haben mit ihren vielfältigen Talenten auch geholfen, das Korbmachermuseum in Hilfarth ein- und herzurichten.

In Hilfarth, dem Ort, der eine eigene kleine Berufsschule für Korbmacher hatte, dem Ort, an dem noch 1950 circa 200 Korbmacher in ihren Kleinwerkstätten für vier Hilfarther Großhändler arbeiteten, dem Ort, an dem zur Weidenschäle immer ein süßlicher Duft in der Luft lag.

Nachdem die Räume in der Marienstraße zu klein wurden, zog das Museum 2008 ins ehemalige Franziskanerinnenkloster an der Nohlmannstraße um.

Dort zeigt der Historische Verein der Rurtalkorbmacher viele Interessantes, um „die Tradition der Korbmacher“ zu bewahren. Von Stadt und Kreis bekommt das Museum dafür insgesamt einen jährlichen Zuschuss von 1500 Euro. Dafür muss es natürlich Auflagen erfüllen: Inventarlisten führen, regelmäßige Öffnungszeiten anbieten, ein gemeinnütziger Verein sein...

1500 Euro im Jahr sind nicht viel. Damit sich das Museum trägt, veranstaltet der Verein Feste, wie das Weidenschälfest und den Weihnachtsmarkt, organisiert Führungen und Veranstaltungen. Große Investitionen, wie der Kauf eines Trierischen Wagens (ein Pferdewagen, mit dem früher die Körbe zum Bahnhof gebracht wurden) sind allerdings nicht drin. Dafür müssten sie noch viel Kuchen und Brötchen nach den Führungen verkaufen. Die werden dann von Ehrenamtlern gebacken und geschmiert. Denn die ganze Arbeit im Museum wird ehrenamtlich erledigt.

Auch Reining ist aus Enthusiasmus für die Sache dabei. Und das, obwohl er gar keinen Korbmacher in der Familie hat. Hingezogen fühle er sich, sagt der stellvertretende Vorsitzende. Zu den alten Geschichten der Korbmacher, zur Geschichte des Ortes Hilfarth. „Ich möchte das Wissen für die Nachwelt erhalten.“

Seit der gelernte Kaufmann in Rente ist, engagiert er sich im Museum, lauscht den alten Hasen bei ihren Erzählungen und erzählt sie weiter. Zum Beispiel die Geschichte von der Amerikaner Weide. Mit der flechten die Korbmacher wie Karl-Heinz Hensen (75) heute noch am liebsten „weil sie einen dünnen Markkanal hat“.

Wer eine Führung mitmacht, die ungefähr zweieinhalb Stunden dauert, erfährt, dass die eigentlich gar nicht in Deutschland wachsen sollte. Aber ein gewitzter Korbmacher brachte diese spezielle Weidenart mit nach Hause, obwohl das bei Strafe verboten war. Besagter Korbmacher aber, der nach Amerika gegangen war, um dort zu lernen, durfte einen Korb mit nach Hause nehmen. Er flocht ganz frech einen Korb aus ungeschälter Weide. Während der wochenlangen Überfahrt hielt er den Korb immer schön feucht und in daheim angekommen, nahm er sein Werk wieder auseinander und machte daraus Stecklinge.

Noch ganz andere Geschichten können die fünf Korbmacher erzählen, die sich regelmäßig montags in der „Wirke“ im Museum treffen. Sie rauchen ihre Pfeife, trinken einen Schnaps, arbeiten an ihren Körben und erzählen. Wer das noch einmal sehen will, muss: Ab ins Museum!

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