Kopfüber einen Hefezopf backen? Kein Problem.

Von: jwb
Letzte Aktualisierung:
14526699.jpg
Jörg Schmid präsentierte humorvoll und lehrreich die Teigzubereitung bis zum Brot. Foto: Bindels

Heinsberg. Das Publikum war zur Lesung des Backbuches „Wildbakers – Von zweien, die auszogen, das perfekte Brot zu backen“ der Autoren Johannes Hirth und Jörg Schmid in die Buchhandlung Gollenstede nach Heinsberg gekommen.

Umso größer war die Überraschung, als nicht eine Zeile aus dem Buch verlesen wurde. Und dennoch begeisterte der Bäckermeister und Brotsommelier Jörg Schmid seine Gäste an diesem Abend. Statt Leselampe und bequemem Sessel für den Autor, der an diesem Abend solo war, fand das Publikum einen fahrbaren Backofen und einen Backtisch in der Buchhandlung vor. Und anstelle des Vorlesens präsentierte Jörg Schmid aus dem schwäbischen Städtchen Gomaringen humorvoll und lehrreich eine kurzweilige Show von der Teigzubereitung bis zu fertiggebackenen Brotvariationen.

Dass Schmid als deutscher Meister der Bäckermeister nicht nur backen konnte, sondern im Verlaufe des Abends auch interessante historische Informationen zu Getreide und Brotbacken reichte, erlebten die Gäste und war nicht der einzige Mehrwert für das Publikum.

In der vierten Generation übe er nun schon im Familienbetrieb seinen Beruf aus, gab Schmid Einblick in die Familiengeschichte. Er sei aber der erste staatlich-geprüfte Brotsommelier, nicht nur in der Familie. Und wie bei einem Weinsommelier berate er seine Gäste, welches Brot zu welchem Anlass passe. Und so geriet auch die Lesung in der Buchhandlung zu einer Verkostung der Brote, der gefüllten und gewürzten Baguettes und des Pane Maggiore, das nach einem altüberlieferten Schweizer Rezept aus Ruchmehl zubereitet wurde.

Begonnen wurden die Probierrunden mit einer Blindverkostung. Zunächst nur riechen, dann fühlen und dann über das Probieren erraten, welche Zutaten in dem dunkelgrauen Brot wohl sein könnten. Im Dialog über die gemachten Erfahrungen und mit dieser interaktiven Methode der Wissensvermittlung fesselte Schmid sein Publikum spielend.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“ belege, dass sein Handwerk das einzige sei, das schon in der Bibel erwähnt wurde, war eines der sprachlichen, wenn auch nicht ganz zutreffenden Bonmots an diesem Abend. Dass im Mittelalter das Brotmaß in einer Mauer eingelassen war, um über den Umfang das korrekte Maß des Brotes nachzuprüfen, erfuhr der Interessent ebenso an diesem Abend. „Und wenn es mal eine schlechtere Ernte gab, dann wurde das Maß verkleinert“, erläuterte Schmid. Daher stamme der Ausspruch: „Kleinere Brötchen backen“.

Und während der Duft des mit Schinken gefüllten oder mit grüner Pfefferpaste bestrichenen Baguettes durch den Raum zog, gab es Informationen zu den Getreidearten von Weizen bis zum Dinkel und von Krustenherstellung bis zur Knettechnik beim Teig. Dieser brauche lediglich Mehl, Wasser, Salz, Hefe und vor allem Zeit. Und letztere sei am teuersten. So passt es auch, dass die beiden Autoren das teuerste Brot Deutschlands herstellen würden. Es heiße „Vollmondbrot“, werde mit 28 Zutaten alle 28 Tage hergestellt und für 28 Euro verkauft.

Sich verkaufen können, auch das Handwerk beherrschen die „Wildbakers“. Auf einem fahrenden Truck ein Brot backen oder auf einem schnellen Boot eine Pizza fertigen und liefern und nicht zuletzt über Kopf hängend einen Hefeteigzopf backen sind dafür Beispiele. Die neuen Medienkanäle wie You-Tube werden ausgiebig genutzt zur Selbstdarstellung.

Ein zweistündiges geschmackliches Vergnügen bekamen die Anwesenden vor Ort aufgetischt. Das literarische Vergnügen konnten sie mit dem Kauf des Buches nachholen und mit nach Hause nehmen. Alle schon gekosteten Rezeptprodukte finden sich ebenso wie viele andere in dem reichlich bebilderten Kochbuch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert